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Freitag, 05. Juni 2009
Tages Anzeiger

Neues Fussballstadion: Aktien für die Fans

Die Anwohner hätten das Projekt mit gezielter Verzögerung zu Fall gebracht, sagte FDP-Stadträtin Kathrin Martelli gestern an einer Medienkonferenz im Letzigrund. Sie war enttäuscht. Zugleich zeigte sie sich erleichtert, weil «wir das Ziel eines neuen Fussballstadions nicht aus den Augen verlieren». Eine acht Jahre dauernde Geschichte mit unzähligen Rekursen und Gesprächen fand ihr vorläufiges Ende (siehe Grafik rechts). Ein anderer Grund für das Scheitern des ursprünglichen Stadionprojekts sei, dass sich die Betriebsgesellschaft nicht mit den Klubs habe einigen können, sagte Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP).

Ein Stadion in Zürichs Westen als Eingangstor in die Stadt wird trotzdem gebaut – wenn auch in stark abgespeckter Version. Und es soll ein Stadion für den Fussball mit Platz für 20 000 Fans werden. Martelli betonte, dass das neue Vorhaben noch kein Projekt, sondern erst ein Entwurf sei. Ob dieser im bestehenden Gestaltungsplan realisiert werden kann oder ob eine Volksabstimmung nötig sein wird, ist noch nicht geklärt. Jedenfalls wird ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben.  

Fans würden GV im Stadion abhalten

Stadtrat Vollenwyder will die 100 Millionen Franken für das nun aufgegleiste Stadion mit einer neuen Aktiengesellschaft zusammenbringen. Die Stadt soll mit 5 Millionen Franken einsteigen, FCZ und GC sollen je 2,5 Millionen zahlen. Die Fans können anschliessend eine Art Zürcher Volksaktie erwerben. Auf diese Weise sollen bis zu 30 Millionen Franken zusammenkommen. «Mit einer solchen Basis können wir leichter Kapital aufnehmen», sagte Vollenwyder, «und dann können wir die Generalversammlung der Volks-AG gleich im Stadion machen.»

Die Zürcher Stimmberechtigten hatten 2003 den Gestaltungsplan für das 400-Millionen-Projekt in einer Volksabstimmung gutgeheissen. Ziel war es, rechtzeitig für die Euro 08 dem Rest der Welt ein grosszügiges Stadion zu präsentieren. Die Investorin Credit Suisse versprach sich Renditen durch Hotels, Läden oder durch ein Einkaufszentrum im Stadionmantel. Sie baut nun nach einem Landabtausch mit der Stadt gleich neben dem Stadion Wohnungen und Büros.

Elmar Ledergerber, Alt-Stadtpräsident (SP) und glühender Promotor des neuen Hardturm-Stadions, wollte sich nicht gross zum Entscheid äussern. «Ich bedaure ihn ausserordentlich, denn es steckt viel Herzblut im Projekt.» Ist es Zufall oder nicht, dass das Projekt eingestellt wird, kaum ist er abgetreten? «Da müssen Sie Martin Vollenwyder oder die CS fragen», sagte Ledergerber.

IG Hardturm reagiert überrascht

«Nun gewinnen wir im Nachhinein», freute sich Monika Spring, Ko-Präsidentin der IG Hardturm, in Anspielung an die verlorene Volksabstimmung. Der Entscheid habe sie aber überrascht, denn das Rechtsmittelverfahren habe sich dem Ende zugeneigt. Ihrer Meinung nach ist die Begründung von Stadt und CS – die Rekurse seien der Grund für die Sistierung – billig. Am Ende gehe es um die Wirtschaftlichkeit des Projekts, und es sei schon von Anfang an absehbar gewesen, dass es nicht rentieren könne. Wird die IG auch gegen das neue Projekt rekurrieren? Spring: «Rekurse sind nicht unser Kerngeschäft.» Es sei der Sache aber sicher dienlich, dass die Stadt beim Nachfolgeprojekt die Anwohnerschaft vermehrt einbeziehen wolle. Markus Peter von Meili, Peter Architekten räumte ein: «Klar bin ich enttäuscht, dass unser Projekt nicht realisiert wird.» Aber das sei das Risiko von grossen Projekten. Beruhigend sei, dass es nicht an den Architekten gescheitert sei. Mit einem redimensionierten Stadion werde Zürich nun in derselben Liga spielen wie St. Gallen oder Aarau – wie die Provinz eben.

 

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