Hannu

 

Teleclub
Dienstag, 19. Januar 2010
20 Minuten

«Ein Fehler, die WM nach Südafrika zu geben»

20 Minuten Online: Ludovic Magnin, sind Sie bereits mit Leib und Seele FCZler?
Ludovic Magnin: Ja natürlich! Es ist sehr schön hier und was ich bisher gesehen habe, bestätigt, was ich zuvor gesehen habe: Hier wird ein sehr guter Fussball gespielt.

Man musste sich zuletzt ein wenig Sorgen machen um den FCZ...
Der Hauptgrund der Misere ist die grosse Belastung durch Meisterschaft, Cup und Champions League. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Ich habe das mit Stuttgart erlebt. Das darf man einfach nicht unterschätzen. Aber in dieser Mannschaft steckt viel Potenzial. Ich bin nach Zürich gekomme, um zu gewinnen und um Spass auf dem Rasen zu haben. Und das werde ich auch bekommen.

Was, glauben Sie, liegt in dieser Saison für den FCZ noch drin?
Ich glaube nicht, ich träume!

Und von was träumen Sie?
Ich träume, dass wir am Ende ganz oben mitspielen können. In der letzten Saison standen wir mit Stuttgart nach der Hinrunde auf Platz 13. Am letzten Spieltag spielten wir noch um die Meisterschaft. So kann es gehen im Fussball. Solange es noch 1 Prozent Möglichkeit gibt, muss man darum kämpfen. Starten wir mit zwei Siegen in die Rückrunde, beginnt der Druck für die Gegner zu steigen. Sie sollen unseren Atem im Nacken spüren.

Hat Sie Christian Gross am Schluss beim VfB nicht zum Bleiben überreden wollen?
Er hat mich gefragt, ob man da nicht noch was machen könnte, bei dem Transfer. Das hat mir gutgetan, zu sehen, dass sich der Trainer um mich bemüht. Aber ich habe mich entschieden und mich bereits auf die Schweiz gefreut.

Wie hat Ottmar Hitzfeld auf Ihren Wechsel reagiert?
Er hat mir über die Festtage ein SMS geschickt. Das war der einzige Kontakt bisher. Aber ich weiss, dass ich wie jeder andere Spieler Leistung zeigen muss. Aber er weiss auch, was er an mir hat, wenn ich in Topform bin.

Und wenn Sie nicht an die WM fahren können?
Die WM ist ein sehr grosses Ziel von mir. Ich habe es selber in den Händen, mit guten Leistungen auf mich aufmerksam zu machen. Ich muss einfach schauen, dass ich in Topform komme und mich nicht verletze. Ausserdem habe ich bisher an drei grossen Turnieren teilgenommen. Bis jetzt hat noch kein Schweizer an vier grossen Turnieren teilgenommen. Hakan Yakin, Alex Frei und ich haben nun die Chance dazu.

Was kann die Schweiz an der WM erreichen?
Das Ziel muss sein, besser abzuschneiden als an den letzten Teilnahmen. In den USA und Deutschland sind wir jeweils im Achtelfinale ausgeschieden. Mindestens also das Viertelfinale muss es sein. Jeder Spieler und Trainer muss den Anspruch haben, Geschichte zu schreiben. Das tut man aber nur mit herausragenden Leistungen.

Die Schweiz ist sich gewohnt, ein starkes Publikum hinter sich zu haben. Für Südafrika sind bisher kaum Karten verkauft worden. War es ein Fehler, die WM nach Südafrika zu geben?
Ja!

Ein eindeutiges «Ja»...
Das Land hat eine hohe Kriminalitätsrate. Die Mannschaften werden rund um die Uhr bewacht, die Fans aber nicht. Als Fan und Privatperson würde ich auch nicht dort hinreisen wollen.

Und was hat das für Sie als Spieler für einen Einfluss?
So ein Spiel wie gegen Togo an der WM in Deutschland, als das gesamte Stadion rot war, werden wir wohl nicht mehr erleben. Die Fans haben damals aber enorm geholfen. Und die grossen Spiele – die haben wir alle nicht verloren. Auch deshalb, weil die vielen Schweizer Fans so gut hinter uns gestanden sind.

 

« zurück zur Übersicht