Die Hemmungen des Meisters
Der FCZ gewinnt in dieser Saison gegen Xamax mit dem 0:0 erstmals einen Punkt. Die Zürcher spielten nicht schlecht, in der zweiten Halbzeit waren sie hin und wieder sogar richtig gut, aber wie man Tore schiesst, ist ihnen auch in der Winterpause nicht wieder eingefallen.
Am Schluss hatte der Xamax-Goalie Ferro Zeit für alles Mögliche – er schaute aufreizend angestrengt in den Nachthimmel, kümmerte sich um seine Frisur, und vermutlich wären ihm noch viele lustige Dinge eingefallen, wie er die Schlussminuten hätte verbringen können.
Nur auf etwas schien er überhaupt keine Lust mehr zu haben – aufs Fussballspielen. Ferro war damit das perfekte Ebenbild einer Neuenburger Mannschaft, die vor allem in der zweiten Halbzeit gar nicht erst versuchte, zu heucheln, sie sei an mehr interessiert als an diesem 0:0.
«Ein Punkt im Letzigrund ist gut», sagte der Trainer Schürmann. Er lächelte, vielleicht weil er wusste, dass Xamax den Punkt eigentlich nicht verdient hatte. Eine einzige Chance hatten die Neuenburger.
Noch vor wenigen Tagen hatten Spieler und Verantwortliche des FC Zürich an der Vorsaison-Pressekonferenz geflachst und gewitzelt, es gab Radiointerviews, die nichts als Klamauk waren. Aber am Samstagabend nach dem Schlusspfiff war das Lachen eingefroren.
So hatten sie sich das Comeback, das alle irgendwie vom Meister erwarteten, nicht vorgestellt. Der FCZ-Trainer Challandes sagte zwar, er sei «sehr, sehr zufrieden» mit der Leistung seiner Mannschaft. Mindestens ein «sehr» hätte er sich vielleicht verkneifen können.
Mangelnde Chancenverwertung
Der FCZ spielte nicht schlecht an diesem Abend, in der zweiten Halbzeit war er hin und wieder sogar richtig gut, aber wie man Tore schiesst, ist ihm auch in der Winterpause nicht wieder eingefallen. Er war darin schon in der Vorrunde gehemmt, und es ist auch jetzt nicht besser geworden.
Überraschend ist das nicht, und vielleicht kann Challandes deshalb so gelassen bleiben, weil er von dieser Erkenntnis nicht überrumpelt wird. Die gefährlichsten Torschützen wie Hassli, Alphonse oder Vonlanthen fehlten dem FC Zürich. Und der 18-jährige Mehmedi ist zwar unbestritten ein Talent, das mit jedem Tritt gegen den Ball zeigt, dass er endlich sein erstes Tor in der Super League schiessen möchte.
Er traf gegen Xamax Pfosten und Latte – aber eben nicht ins Tor. Der FCZ dominierte, Djuric und Koch verfehlten mit Kopfbällen das Ziel, und beinahe wäre es Challandes herausgerutscht, es sei doch so einfach gewesen, in diesen Szenen Tore zu schiessen. Aber im letzten Moment erinnerte er sich daran, was er sich vorgenommen hatte, bevor er zu sprechen begann – jetzt bloss nichts schlechtreden.
Das 0:0 war vielleicht auch deshalb das logische Resultat, weil Xamax mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat wie der FCZ; die Neuenburger haben nach dem Weggang von Gavranovic und Brown fast keine Stürmer mehr. Das Erstaunliche ist bloss, dass Xamax freiwillig auf einen verzichtet und Rossi in die U-21-Mannschaft zurückgestuft hat.
Weshalb, ist offiziell nicht bekannt, aber dass der Trainer Schürmann schlecht darauf zu sprechen ist, deutet darauf hin, dass irgendetwas vorgefallen sein muss. Der neu verpflichtete Stürmer Kuljic durfte in Zürich als Ersatzspieler noch nicht zeigen, ob er derjenige ist, der die Tore von Brown und Gavranovic vergessen machen kann. Aber Schürmann wusste es ja eigentlich schon vorher: Fürs Toreschiessen waren sie gar nicht nach Zürich gereist.








