Das Problembewusstsein des FC Zürich
Es gibt Fussballtrainer, die am liebsten einen Berater von McKinsey einstellen würden, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Bei Bernard Challandes, dem Chefcoach des FC Zürich, ist das anders. Er braucht keine Zweitmeinung.
Schon wenige Minuten nach dem 0:0 vom Samstagabend gegen Xamax versammelte er den Trainer-Staff im Kabinengang und teilte mit, was an diesem Abend nicht nur ihm aufgefallen war: Das Spiel hatte offenbart, was Challandes schon wusste – der FC Zürich kann phasenweise sehr gut spielen, aber er schiesst keine Tore.
«Kein Vorwurf»
Aber was fängt man mit einer solchen Analyse an? Das ist, wie wenn man weiss, dass man eigentlich kein komödiantisches Talent hat, aber trotzdem irgendwie witzig sein muss. Man kann ja vieles im Leben lernen – aber wie man Tore schiesst? Das ist schwierig.
Der Sportchef Fredy Bickel sagt: «Das Schlimmste ist, dass man der Mannschaft keinen Vorwurf machen kann.» Das ist sarkastisch gemeint. Manchmal ist es für die Verantwortlichen einfacher, den Spielern um die Ohren zu schlagen, sie sollen sich gefälligst einsetzen und rennen, bis sie umfallen. Doch solche Dinge kann man dem FCZ meistens nicht vorwerfen, auch in der Vergangenheit nicht. Beim Meister ist alles ein bisschen komplizierter.
Und vielleicht kann es deshalb auch gefährlich werden für den FC Zürich. Denn die Spieler hören und lesen jetzt immer, sie seien aufgrund ihrer Qualität doch viel zu schlecht klassiert in der Tabelle. Die Aussage ist sicher nicht falsch, aber der FCZ ist eine Mannschaft, der man das nicht zu oft sagen darf, denn sonst glaubt sie blind daran und bildet sich etwas ein darauf.
Der 18-jährige Zürcher Stürmer Mehmedi stand nach dem Spiel mit leicht angewidertem Gesicht vor den Kameras, als er auch über Xamax sprach. So wie die Neuenburger auftraten, am Spiel absolut desinteressiert, das hatte ihm nicht gefallen. Aber es wird den Zürchern in dieser Saison noch mehrmals passieren, dass sie gegen diese Art von Verweigerungshaltung Lösungen finden müssen.
Erkenntnisse wiederkäuen
Bald entschärfen sich die Probleme vielleicht etwas: Der gegen Xamax gesperrte Alphonse wird gegen Sitten am Sonntag spielen können, die verletzten Hassli und Chikhaoui brauchen dagegen bis im März Zeit, bis sie wieder fit sind. Rätselhaft ist die Knieverletzung von Vonlanthen, die keine Prognose zulässt. Der FC Zürich muss wohl noch eine Weile damit leben, auch ohne seine gefährlichsten und treffsichersten Torschützen irgendwie zum Torerfolg zu finden.
Mehmedi war am Samstag der einzige Stürmer, der den Zürchern zur Verfügung stand. Er allein hätte gleich mehrere Treffer schiessen können. Aber auch ihm blieb am Ende nur, eine Erkenntnis wiederzukäuen: «Wir haben wieder einmal sehr gut gespielt.» Hoffentlich für den FC Zürich wird das nicht zum tragischen «ceterum censeo» des Meisters in dieser Saison.







