Hannu

 

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Samstag, 20. Februar 2010
Berner Zeitung

«Fussball ist meine Liebe, mein Leben!»

Er ist keiner, der grosse Sprüche klopft. Wenn er spricht, dann tut er dies ruhig und überlegt. Die Wörter wählt er mit Bedacht. Und dabei zählt Stjepan Kukuruzovic gerade erst 20 Lenze. Den Traum von der grossen Fussballkarriere in Griffnähne, gibt sich der talentierte Ballartist bemerkenswert unaufgeregt. «Eine Garantie, dass ich es schaffe, gibt es nicht.» Ein Trainer, der nicht auf ihn setzt, schlechte Berater, eine schwere Verletzung oder die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass seine Fähigkeiten doch nicht reichen: Der Gefahren lauern viele. Kukuruzovic, der in dieser Saison den Durchbruch beim FC Thun geschafft hat, sieht denn auch seinen Wechsel zum Schweizermeister FC Zürich im Sommer lediglich als «weiteren Schritt» in einem langen Prozess.

Dass es sich dabei um keine Worthülse handelt, beweist ein Blick auf den bisherigen Karriereverlauf. So ist der FC Thun nach dem FC Lerchenfeld erst die zweite Station des Kroaten. Die Liste mit den bisherigen Vereinen liest sich bei anderen in seinem Alter oft viel abenteuerlicher. «Wenn ich mich irgendwo wohl fühle, dann sehe ich keinen Grund, zu wechseln», sagt Kukuruzovic.

Seine ersten Lebensjahre hat er in Schwanden ob Sigriswil verbracht. Eine Stauballergie des Dreikäsehochs Stjepan bewog die Familie, vom Bauernhaus in eine Mietwohnung im Lerchenfeld zu ziehen. Fortan frönte er seiner Leidenschaft beim FC Lerchenfeld. Täglich hechelte er einem Ball nach, sonst war er nicht glücklich. Das hat sich bis heute nicht geändert. «Fussball ist meine Liebe, mein Leben.» Wenn er einen Ball in seiner Nähe weiss, ist er zufrieden.

Talent früh gefördert

Das Talent des Linksfusses blieb den Verantwortlichen im Lerchenfeld nicht lange verborgen. Alfred Däppen, der Stjepan drei Jahre lang trainierte, erinnert sich gut an den Teenager Kukuruzovic. «Gut war für ihn nicht gut genug. er wollte immer besser werden.» Däppen hat seinen Schützling mit individuellen Trainings gefördert. «Das war für für mich ein Glücksfall», sagt Kukuruzovic heute. Gerne erinnert er sich an die Zeit beim FC Lerchenfeld zurück. «Es waren schöne und erfolgreiche Zeiten.» Kukuruzovic lässt es sich nicht nehmen, ab und an ein Spiel der ersten Mannschaft des FCL auf der «Waldeck» zu besuchen.

2003 folgte er dann dem Ruf des FC Thun, wo er die restlichen Nachwuchsstufen durchlief. Via U21 schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft. Daneben absolvierte er die KV-Lehre bei der Swisscom. «Mir war es wichtig, einen Lehrabschluss in den Händen zu halten», sagt er. Die Freizeit sei zwar rar gewesen, umso mehr schätzt er nun die Freiheiten als Profi, die er seit dem Sommer hat.

Den Kopf hat der bescheidene Fussballer ob der Popularität nicht verloren. «Es ist schön, wenn ich erkannt werde oder jemand ein FCT-Shirt mit meinem Namen trägt.» Zu Beginn habe er aber einen Moment gebraucht, um sich daran zu gewöhnen. Heute nimmt er sich viel Zeit für die Fans. «Ihre Unterstützung ist mir wichtig. Sie gibt mir Selbstvertrauen.» Seiner Vorbildfunktion ist er sich trotz jungen Jahren bewusst. «Als Fussballprofi bin ich immer im Fokus. Dementsprechend habe ich mich auch zu verhalten.» Eingeschränkt fühlt er sich deswegen aber nicht. Er braucht nicht dauernd Partys und Action. Seine Freizeit verbringt er gerne in einer gemütlichen Runde mit seinen Kollegen. Oder er geht spazieren. «Am See gefällt es mir sehr gut. Dort kann ich abschalten, meine Gedanken fliessen lassen», sagt Kukuruzovic. Ein Langweiler ist er deswegen aber nicht. «Ich bin für verrückte Ideen zu begeistern.»

Aufstieg zum Abschied?

Für die Rückrunde, die morgen gegen Wil (Lachen, 14.30 Uhr) beginnt, hat sich Kukuruzovic viel vorgen0mmen. «Ich will meine Leistungen von der Vorrunde bestätigen.» Die gute Ausgangslage lässt sogar vom Aufstieg träumen. Davon will der zentrale Mittelfeldspieler nichts wissen. «Wir nehmen Spiel für Spiel», sagt er und ergänzt schelmisch: «Kein Spieler wäre aber traurig, wenn wir im Sommer ganz oben stehen würden.»

 

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