«Keine tote Truppe»
Der FCZ verschenkt Punkte

Mit viel Drang nach vorne

Das Lob kommt von ganz oben. «Die traut sich was – und hat Zug zum Tor», sagt Martina Voss-Tecklenburg, die Schweizer Nationaltrainerin. Sie spricht von Naomi Mégroz, die sich bei den FCZ-Frauen in dieser Saison zur festen Grösse entwickelt hat. 18 Jahre jung ist die Greifenseerin erst und konnte im Januar während des Trainingslagers in Valencia erstmalig im Kreis des Nationalteams neben all den arrivierten Grössen schnuppern. «Die Zweikämpfe werden härter geführt, und das spielerische Niveau ist hoch. Es geht alles einfach einen Tick schneller», hat Mégroz festgestellt und trotzdem gleich den Rhythmus gefunden. Dorjee Tsawa, ihren Trainer beim FC Zürich, wundert es nicht: «Das Potenzial von Naomi ist gross.» Er streicht ihre Polyvalenz, «den unheimlichen Drang in die Offensive» und «das läuferische Tempo» seiner Aussenspielerin heraus.

Schon länger auf dem Radar

Nationalcoach Voss-Tecklenburg will Mégroz jetzt am Cyprus Cup ein erstes Mal auch unter Wettkampfbedingungen testen. Die Schweiz wird am Turnier auf Zypern vom 27. Februar bis 9. März insgesamt vier Länderspiele bestreiten. «Naomi kann da zeigen, ob sie schon eine Alternative für die EM in Holland ist», sagt die 49-jährige Deutsche. Sie hat Mégroz schon länger auf dem Radar. Voss-Tecklenburg beobachtete das Ausnahmetalent regelmässig bei den Stützpunkteinheiten im Rahmen des Footura-Programms des Verbands und natürlich im letzten Juli an der U-19-EM in der Slowakei. Dort beeindruckte Mégroz nicht nur als Torschützin beim 4:2- Sieg über Deutschland, sondern leistete überhaupt einen wesentlichen Beitrag zur Qualifikation für die Halbfinals.
Es war nicht selbstverständlich. Erst Ende Mai hatte sie ihr Comeback im NLA-Team des FC Zürich nach einem Kreuzbandriss gegeben – gleich mit einem Tor gegen Luzern. Ausgerechnet Luzern, der Klub, bei dem Mégroz zuvor unter Vertrag gestanden war und sie sich die schwere Verletzung zugezogen hatte. «Wir haben Naomi behutsam aufgebaut», sagt FCZ-Trainer Tsawa. Nur eine halbe Saison war Mégroz in der Zentralschweiz. Nicht zuletzt, weil sich für sie das stete Pendeln zwischen ihrem Wohnort Greifensee und Luzern mit Fortdauer als doch zu anstrengend erwies.

Im zweiten Anlauf beim FCZ

Interesse an der Junioren-Nationalspielerin hatte der FC Zürich schon vor ihrem Wechsel von ihrem Jugendklub GC zum FCL im Sommer 2015. «Konkret wurde es damals nicht», sagt Mégroz. Vielleicht auch, weil sie es sich damals noch nicht zutraute, sich dem grossen Konkurrenzkampf im erfolgreichsten Schweizer Frauenteam zu stellen. So denn: Im zweiten Anlauf klappte es dann – auf und neben dem Feld. Sie trägt nämlich nicht nur das FCZ-Trikot auf dem Rasen, sondern bestreitet nach zwei Jahren an der United School of Sports auch den praktischen Teil ihrer Ausbildung auf der Geschäftsstelle des Vereins. Mégroz dürfte somit noch mindestens bis im Sommer 2018 für die Zürcherinnen spielen. Das Fernziel von ihr ist aber ein Wechsel ins Ausland, um für einige Jahre professionell Fussball spielen zu können – so, wie die meisten Nationalspielerinnen. Der FCZ diente in der Vergangenheit schon öfters als Sprungbrett – insbesondere für die deutsche Bundesliga, wo es auch Mégroz hinzieht.

Der Meistertitel in Gefahr

Die sportliche Realität ist derzeit aber noch die NLA, und dort durchlebt der Zürcher Serienmeister (acht von neun Titeln seit 2008) die wohl schwierigste Saison seit langer Zeit. Zwar gewann er am Samstag das Nachtragsspiel auswärts mit Mégroz in der Startaufstellung gegen Luzern 2:0. Für den Tabellendritten beträgt der Rückstand auf den verlustpunktlosen Leader Neunkirch trotzdem noch immer neun Punkte. «Die Konkurrenz hat auf diese Saison hin ziemlich aufgerüstet», findet Mégroz, die beim Auftaktspiel gleich die Vorarbeit zum Führungstor leistete. Die Hypothek hat sich der FC Zürich vor allem im Spätherbst 2016 eingehandelt – als er sich zusätzlich in der Champions League gegen Sturm Graz und Olympique Lyon messen durfte. «Wir waren am Ende ziemlich platt», sagt Trainer Tsawa, dessen Vertrag nach sechseinhalb Jahren Tätigkeit zum Ende der Saison vom Verein nicht mehr verlängert wurde. Einen Titel will der 40-Jährige aber mindestens noch holen, wie er betont. Dies könnte für einmal «nur» der Schweizer Cup sein. Dort empfangen die Zürcherinnen Mitte März in den Viertelfinals den FC Basel mit der Ustermer Torfrau Stenia Michel.

Bild: freshfocus/FCZ
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