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Um 15.17 Uhr bricht Jubel aus - und Spekulationen schiessen ins Kraut
Der FC Zürich schlägt sich selber

Bitte einmal alles mit scharf

Und dann, nach rund einer Stunde, verabschiedeten sich beide Mannschaften von all ihren Plänen. So sie denn welche dabeigehabt hatten. Wild wurde es auf der Maladière, emotional und hektisch.

Es war vielleicht kein 3-Stern-Menü, das Neuchâtel Xamax und der FC Zürich kredenzten. Eher eine Art Strassenverpflegung nach dem Motto «Bitte einmal alles mit scharf». Aber wer schon einmal frühmorgens nach dem Ausgang diese Bestellung aufgegeben hat, der weiss, wie viel Vergnügen auch diese Sorte Essen bereiten kann.

Und so war in dieser Partie vieles davon enthalten, was ein unterhaltsames Fussballspiel braucht. Angefangen bei einem krassen Goaliefehler von Yanick Brecher, der nach 25 Minuten ein Verlegenheitsschüsschen derart ungeschickt durch die Hände ins Tor rutschen liess, dass sich Schütze Max Veloso gar nicht zu jubeln getraute. Es gab Traumtore wie die beiden Weitschüsse Hekuran Kryezius, strittige Schiedsrichterentscheidungen, die FCZ-Trainer Ludovic Magnin danach wiederholt erklären liessen, wie sehr er sich auf den Videoschiedsrichter freue, der ab kommender Saison eingesetzt wird. Und am Ende stand ein 3:3, mit dem beide Trainer irgendwie leben konnten.

Das anerkennende Brummen des Xamax-Trainers

Der FCZ, weil er sich erst von einem 0:2 und danach auch noch einem 2:3 zurückgekämpft hatte. Und Xamax, «weil drei Tore gegen die beste Verteidigung der Liga nicht so schlecht sind», wie Trainer Michel Decastel in seinem sonoren Bass nach dem Spiel anerkennend brummte. Wobei sich das mit der besten Abwehr in letzter Zeit sehr relativiert. Sechs Ligaspiele in Serie haben die Zürcher nun jeweils mindestens zwei Gegentore erhalten.

Vor dem Anpfiff hätte man die Begegnung der beiden jüngsten Aufsteiger aus der Challenge League so beschreiben können: Die einen, die Zürcher, haben eine Mannschaft mit einem für die Super League gehobenen Niveau. Und die anderen, die Xamaxiens, haben ein hübsches, modernes Stadion am See, für das das Zürcher Präsidenten-Ehepaar Canepa vermutlich sogar mit Rauchen aufhören würde.

Nach dem Schlusspfiff reichten sich zwei Mannschaften die Hände, die dasselbe Problem haben: Sie gewinnen in letzter Zeit kaum oder gleich gar nicht. Fünfmal hat Xamax in den letzten sieben Ligaspielen zwar nicht mehr verloren. Aber dabei halt auch bloss fünf Punkte gewonnen. Ohne Siege wird es schwierig, den Abstieg zu vermeiden. Und beim FCZ sind sieben Punkte aus ebenso vielen Partien auch nicht genug, um seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden, eine Spitzenmannschaft zu sein.

Das wichtigste Resultat für den FC Zürich folgt erst heute

Die Partie in Neuchâtel mochte den Puls auf beiden Seiten in die Höhe getrieben haben. Und doch war sich Magnin nach der Partie sicher, dass sein Präsident heute «angespannter sein wird als an jedem Spiel». Heute entscheidet sich, ob die Zürcher Bevölkerung für oder gegen das Projekt eines neuen Zürcher Fussballstadions stimmt.

Ob er ein gutes Gefühl habe, einen Tag vor dieser wichtigen Entscheidung, wurde Magnin vor der Rückreise nach Zürich gefragt. «Ich habe gelernt, dass einen Gefühle täuschen können», sagte der Trainer, «aber es wird ein historischer Tag für den FCZ.»

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