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Magnins Fussball kann glücklich machen
Warum der FCZ ein neues Stadion braucht

Captain Kevin

Ist er nicht eben noch Junior gewesen? Einer mit dem Traum, Profi zu werden, am liebsten beim FCZ? Und was hat er jetzt schon alles erlebt in den vergangenen 20 Monaten: Debüt in der ersten Mannschaft, Aufstieg in die Super League, Cupsieg, Premiere in der Europa League, Captain - «megaviel» ist das, um es in seinen Worten auszudrücken, megaviel für Kevin Rüegg.

Er ist 18, als diese Geschichte beginnt. Er ist 20, als er sagt: «Die Zeit fliegt nur so vorbei.» Manchmal würde er sie gern anhalten, um in aller Ruhe die Gedanken zu ordnen und die Ereignisse aufzuarbeiten. Aber die Geschichte geht weiter, das nächste Kapitel besteht aus der Reise nach Deutschland, Europa League gegen Bayer Leverkusen unter Flutlicht. Rüegg meldet: «Wir sind Erster der Gruppe, das soll so bleiben.» So viel Selbstbewusstsein darf sein.

Wieder bei Lehrer Magnin

Aber es wäre verkehrt, daraus abzuleiten, dass der Rechtsverteidiger dazu neigt, ein Lautsprecher zu sein. Er steckt weiterhin in seiner fussballerischen Ausbildung, und Ludovic Magnin ist wieder sein Lehrer, wie schon bei der U-18. Der FCZ-Trainer sagt: «Seit Monaten überzeugt Kevin mit guten Leistungen. Jetzt geht es darum, die Persönlichkeit zu stärken.»

Magnin macht ihn bewusst zum Captain, als Victor Palsson verletzt ausfällt und Alain Nef nicht erste Wahl ist. Es ist sein Signal an ihn, Verantwortung zu übernehmen, voranzugehen, mitzureissen, ein Vorbild zu sein. Und wenn Rüegg wie jüngst in St. Gallen in der ersten Halbzeit verwarnt wird, verzichtet der Trainer darauf, ihn vorsichtshalber auszuwechseln. In der Pause macht er ihm klar, dass er sich geschickt verhalten muss, um Gelb-Rot zu vermeiden. Rüegg versteht die Botschaft. Magnin gefällt die Einstellung, er gibt ihm «sehr gute Chancen auf einen Transfer ins Ausland», wenn er so weitermacht.

Mit der S-Bahn ins Training

Noch ist Rüegg beim FCZ, noch fährt er meistens mit der S-Bahn aus Nänikon ins Training oder wird von Teamkollege Toni Domgjoni chauffiert, der in Wetzikon wohnt. Die Fahrprüfung steht ihm in diesem Monat bevor.

Rüegg lebt bei seinen Eltern, am Greifensee ist er aufgewachsen. Als Knirps begleitet er seinen Vater, einen Handballschiedsrichter, oft in Turnhallen. Er tastet sich an die Sportart heran, aber sein Interesse verfliegt schnell. Er kickt lieber mit Freunden beim FC Greifensee, er ist Stürmer, schiesst viele Tore, seine Idole heissen Samuel Etoo, Thierry Henry und Fernando Torres. Seiner Mutter gefällt diese Leidenschaft. Als Kamerunerin ist ihr Fussball auch näher als Handball.

Kevin, das Talent, zieht vorübergehend von daheim aus, zumindest unter der Woche. Als hoffnungsvoller Nachwuchsspieler des FC Zürich wird er in Emmen, an einem Stützpunkt des Schweizerischen Fussballverbandes, gefördert. Er besucht die Sekundarschule A, trainiert mit Gleichaltrigen täglich, im zweiten Jahr lebt er bei einer Gastfamilie auf einem Bauernhof und fährt jeden Freitag nach Schwamendingen, um sich mit seiner Mannschaft auf den Match am Wochenende vorzubereiten.

Walter Iselin, der früher für den FCZ spielte, ist Rüeggs Trainer, dem eines rasch auffällt: «Er fällt nicht beim ersten Gegenwind um. Kevin ist robust, er kann sich durchbeissen.» In der Schule mag er ein Minimalist sein, auf dem Platz dreht er auf. Iselin ist beeindruckt von den läuferischen Qualitäten, er hat Rüegg nie lustlos gesehen. Das deckt sich mit den Eindrücken von Kurt Wiprächtiger, dem damaligen Leiter des Ausbildungszentrums. «Fleissig», «eifrig», «dynamisch» sind Adjektive, die fallen: «Um ihn mussten wir uns nie Sorgen zu machen.»

Bis zur U-14 ist Rüegg einer von vielen, bei weitem nicht alle trauen ihm den Durchbruch zu. Erst als Albert Hohl beim FCZ sein Trainer wird, ändert sich das. Der Zürcher Oberländer schert auf die Überholspur aus und wird Junioren-Nationalspieler. Aber er muss auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Mit 17 macht ihm eine Blockade im Rücken zu schaffen. Kein Arzt findet heraus, worum es sich handelt, selbst der Wechsel seiner Schlafmatratze hilft nichts. Nach langer Suche findet er eine Spezialistin, die seine Verletzung wirksam behandelt.

Rüegg bringt genügend Disziplin auf, um in der Phase ohne Wettkampf an sich zu arbeiten, die Technik zu verfeinern, an Muskelmasse zuzulegen. Hohl sagt heute: «Kevin ist ein Topathlet mit einer aussergewöhnlichen Mentalität geworden.»

Zwei Bayern imponieren ihm

Nichts tut er lieber, als Fussball zu spielen. Aber ihm und seinen Eltern ist es auch ein Anliegen, die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Also besucht er die United School of Sports und schliesst die kaufmännische Lehre diesen Sommer erfolgreich ab. Ihm gibt das ein gutes Gefühl: «Es ist eine Absicherung neben dem Fussball.» Im Jahr zuvor schon gibt er seinen Einstand in der ersten Mannschaft des FCZ, im Februar in der Challenge League unter Trainer Uli Forte. Aus dem Stürmer bei den Junioren wird ein Verteidiger, dem David Alaba und Joshua Kimmich vom FC Bayern imponieren. Inzwischen ist er nicht nur Stammspieler in der Super League, sondern in der Hierarchie bereits weit oben. Als er das Bändeli beim 3:3 gegen die Young Boys zum ersten Mal am Oberarm trägt, fallen ein paar Sprüche von seinen Kollegen.

Er nimmt es gelassen, zumal es für ihn ebenso gewöhnungsbedürftig ist: Kevin, 20, Captain. Obwohl er weiss, dass Palsson das Amt vielleicht schon heute wieder übernehmen könnte. Er hat den Anspruch, ein Leader zu bleiben. Rüegg wirkt im Gespräch zurückhaltend, ja brav, und man denkt: Kann er überhaupt laut werden? Anweisungen geben? Doch, doch, das könne er schon, versichert er, das Temperament habe er von seiner Mutter.

Und er hat klare Gedanken, auch wenn die Pläne noch eher an Träume erinnern. Zusammengefasst bestehen sie aus einem weiteren Pokalgewinn mit dem FCZ, einem Wechsel in die Bundesliga, bevor es in England weitergeht. Und als U-21-Nationalspieler muss das A-Team irgendwann ein Thema sein. Unterstützen soll ihn dabei die Beraterfirma von Philipp und David Degen. Sobald er es aber mit dem Träumen übertreibt und abzuheben droht, schreiten die Eltern ein: «Sie schauen, dass ich realistisch bleibe.»

Und sonst ist da ja immer noch Ludovic Magnin, der unzimperlich sein kann, wenn er nur schon leise Anzeichen von Genügsamkeit und Überheblichkeit ausmacht.

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