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Magnin verlangt vom FCZ eine Steigerung
Für den FCZ stimmt nur das Resultat

Den Gegner und sich selbst starkreden

Ludovic Magnin schüttelt den Kopf - nicht sein Stil, hätte er nie gemacht. Sein Kollege Thorsten Fink aber, der Trainer der Grasshoppers, hat es gemacht, er hat das Zürcher Derby öffentlich angeheizt. Er sagt: «Wir wollen Ende Saison vor dem FCZ stehen, nur schon wegen unserer Fans.» FCZ-Trainer Magnin verdreht darob die Augen.

Fink setzt noch einen drauf und wettet darum, dass er Ende Saison vor dem Stadtrivalen steht. Sein Wetteinsatz, vollen deutschen Edelmuts: eine Kiste Bier. Magnin zeigt auf seine Spieler und sagt, denen müsse man das Derby nicht erklären. Er will sagen, die sind alle schon lange dabei, viele seit Juniorenzeiten, die werden bereit sein. Eine kleine Spitze nun doch noch vom FCZ-Trainer, irgendwo versteckt zwischen den Zeilen: GC, diese zusammengewürfelte Mannschaft, braucht vielleicht dieses orchestrierte Scharfmachen.

Das Geplänkel hat einen Grund, es ist wieder einmal Derby, und man weiss in der Stadt Zürich nicht, welche die bessere Mannschaft ist. Letzte Saison gewann der FCZ den Cup und qualifizierte sich direkt für die Europa League, GC dagegen träumte nur von der Europa League und landete schliesslich einen Platz vor Absteiger Lausanne.

Keine Ferien für Magnin

Der Trainer des FCZ redet nun den Gegner stark, wie man das vor wichtigen Spielen macht. Er habe starke Dinge von GC gesehen, gute Spielzüge, sowohl gegen YB als auch in den Vorbereitungsspielen. Aber, und so schliesst Magnin seine generöse Gegneranalyse, man schaue auf sich selbst.

Als hätte das Fink gehört, sagt er ein paar Kilometer ausserhalb von Zürich, in der Abgeschiedenheit von Niederhasli: «Wir konzentrieren uns auf unsere Leistung.» Natürlich, auch er spricht vom Gegner, wie das zum guten Ton unter Berufskollegen gehört. Er erinnert daran, der FCZ sei Cupsieger und habe gute Qualität. «Aber», sagt er, «wir stellen unser Licht nicht unter den Scheffel.»

Ludovic Magnin sitzt in der Saalsporthalle und will sich also auf seine Mannschaft besinnen. Das erste Spiel gegen Thun war besonders. Besonders insofern, als es der FCZ gewonnen hat. Die Abwehr schwächelte, gerade bei hohen Bällen, vorne kombinierte man gefällig, doch Topchancen ergaben sich kaum aus dem eigenen Spiel. 2:1 hiess es am Ende, dank Rettungstaten in höchster Not, wie von Alain Nef auf der Torlinie.

Magnin hat 16 (!) Mittelfeldspieler in seinem Kader, das ist bemerkenswert viel und führt selbst bei grosszügigem Rotieren zu Überkapazitäten. Also hat er im Sommer Gespräche geführt, unbequeme Gespräche: «Dafür ist nun mein Leben einfacher.» Er hat also Spielern gesagt, dass sie es kommende Saison schwer hätten, dass sie sich vielleicht umsehen sollen. Namen nennt Magnin nicht, doch ein Blick auf das Matchblatt vom Spiel gegen Thun zeigt, dass die fehlenden Roberto Rodrguez und ein Sangoné Sarr es künftig schwer haben werden.

Ein Fragezeichen ist auch Raphael Dwamena. Ein Mann mit einer Geschichte, vor allem in der Transferzeit. Vor einem Jahr zerbrach der Wechsel nach Brighton in die Premier League an einem Problem an seinem Herzen, nun hat er wieder Sorgen. Dwamena habe seine Ansprüche, er wolle spielen, so sagt es Magnin. Es hat im aktuellen System nur Platz für einen Stürmer, und zugleich zeigen Espanyol Barcelona und Lokomotiv Moskau Interesse an ihm, auch seine Berater, die Degen-Zwillinge, sind nicht abgeneigt. Die Angebote waren bisher zu tief, die Canepas wurden nicht schwach.

Trotz dieser Unsicherheiten ist Magnin hochzufrieden mit seinem Kader. Er hat auf Ferien verzichtet, weil er mitreden wollte bei den Transfers, weil er seine Wunschspieler überzeugen wollte, nach Zürich zu kommen. Wie etwa den ehemaligen Lausanner Benjamin Kololli. «Er hat es verstanden: Wenn er explodiert, dann spielt er bei ganz anderen Vereinen als dem FCZ», sagt er. Die Zürcher haben ihn wie auch Khelifi mit einer Bühne gelockt: der Europa League.

Achtung Abstieg, GC!

Ja, wer ist denn nun besser? Der FCZ oder GC? Markus Frei, Trainer der U-17-Europameister von 2002, Teleclub-Experte und aufmerksamer Beobachter, sieht den FCZ vorne. «Ludovic Magnin hatte in der Vorbereitung viel Zeit, seine Spielidee mit den Spielern einzuüben. Der FCZ hat grosses Potenzial», sagt er. Auch wenn die Mannschaft noch zeigen müsse, was sie wirklich könne, sieht er sie bereits auf einer ähnlichen Stufe wie Basel. Nur YB sei deutlich stärker.

GC traut er dank Trainer Fink einiges zu. Bedingung sei, dass die Konstanz zurückkehre. Frei setzt den Rekordmeister auf einen Mittelfeldplatz, denn: «GC ist längst nicht mehr das GC von vor 20 Jahren.» Allerdings müsse es gleichzeitig auch aufpassen, dass es nichts mit dem Abstieg zu tun habe. Das Kader sei schliesslich über den Sommer nicht entscheidend besser geworden.

Bei den Grasshoppers urteilt man anders, Sportchef Mathias Walther sagt: «Ich habe einen Top-Trainer, und ich habe eine Top-Mannschaft.» Der Trainer ist auch mit ein paar Tagen Distanz noch sehr angetan vom Auftritt zum Saisonstart gegen YB. Gut, sie verloren beim Meister 0:2, aber Fink weist darauf hin, dass sie die Gegentore erst in den letzten 20 Minuten erhielten, als sie wegen des Platzverweises von Doumbia in Unterzahl gewesen seien. «Nur so konnte uns YB besiegen», sagt Fink.

Nathan heisst der neueste Zuzug von GC, Nathan Raphael Pelae Cardoso mit ganzem Namen. Der Brasilianer bringt mit seinen 23 Jahren vom Alter her nicht die Routine mit, die nach den Abgängen von Milan Vilotic und Emil Bergström gefragt wäre. Aber Sportchef Walther lobt seinen jüngsten Transfer und bezeichnet ihn als «auch im Zweikampf starken modernen Innenverteidiger». Was das nun auch immer heisst: modern.

GC hat seine Qualitäten, wenn es in Bestbesetzung antreten kann und alle in Bestform sind. Ob das aber reicht, um unter die Top 4 zu kommen, wie es das Ziel ist? Ob es reicht, von frechem und offensivem Fussball zu reden, wie Fink das vorschwebt? Ob das Kader nicht zu dünn besetzt ist? Fink sagt: «Ich habe noch immer meine Ziele erreicht.»

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