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Der FC Zürich ist eine Mannschaft der Verheissung: sie verspricht viel und kann es nicht immer halten

Auf diese letzten Bilder der Vorrunde hätte der FC Zürich gern verzichtet: auf die Glasflasche zum Beispiel, die aus der Fankurve in Richtung des Lugano-Spielers Alexander Gerndt geworfen wurde. Vor einer Woche eine Banane in Basel, nun eine Flasche im Letzigrund – es sind nicht die besten Tage der Zürcher Kurve. Auch Benjamin Kololli zeigte nach seiner Auswechslung, dass er Probleme mit der Aggressionskontrolle hat, als er mit der Faust so lange auf das Dach der Spielerbank schlug, bis sich das Plexiglas traurig nach oben wölbte. Vor allem aber hätte der FCZ auch auf dieses 0:0 gegen Lugano verzichten können. «Es war kein guter Fussball», sagte der Trainer Ludovic Magnin. Dabei waren es eigentlich gute sechs Monate.

Irgendwann in dieser Winterpause wird Ancillo Canepa vielleicht am Wohnzimmertisch sitzen, Geld und Punkte zählen, und er wird zu dem Schluss kommen, dass er von einem eher zu wenig hat: Punkte. 30 hatte der Sportchef Thomas Bickel erst kürzlich gefordert. 25 sind es geworden. Geld aber hat der FC Zürich in den letzten Monaten so viel verdient wie seit Jahren nicht mehr. Rund 17 Millionen Franken brachten ihm die Einnahmen aus der Europa League und die Verkäufe der zwei Stürmer Raphael Dwamena und Michael Frey ein. Punkte aber hat der FCZ in diesem halben Jahr nicht genug eingespielt – nicht genug, wenn man sich daran erinnert, wozu die Mannschaft in diesem Herbst in der Lage war, in diesen Spielen daheim gegen Leverkusen oder auswärts in Luzern. Der FCZ erlebte da seinen ganz eigenen Indian Summer, der für ihn immer hätte weitergehen dürfen und dann doch irgendwie zu Ende ging. Denn zuletzt wurden die besonderen Momente weniger, gegen Larnaka, in Basel oder gegen Lugano, als die Zürcher wieder spielten wie eine ganz gewöhnliche Mannschaft oder sogar noch bescheidener.

Der FC Zürich ist weiterhin eine Mannschaft der Verheissung, sie verspricht viel und kann es nicht immer halten. Vielleicht ist das nicht anders als bei einer Rockband, die mit zwei, drei Singles begeistern, aber noch kein ganzes Album einspielen kann. Das Unverständnis über den FCZ ist an schlechten Tagen so gross, weil man weiss, dass er es eigentlich besser kann.

Der FCZ überwintert mit zehn gewonnenen Punkten als einzige Schweizer Mannschaft im Europacup, und auch weichere Faktoren sprechen für ihn: Er hat Spieler deutlich vorwärtsgebracht, so wie den Verteidiger Kevin Rüegg zum Beispiel; manchmal hat er eine kleine Talentshow auf dem Platz aufgeführt und viele junge Spieler vorgestellt, auch wenn man noch bei keinem die Begabung von Ricardo Rodríguez, Josip Drmic oder Admir Mehmedi sehen konnte; und vor allem hat der FCZ einen Stil gefunden, der zu ihm passt. Das liegt an Magnins Ideen, aber auch an neu verpflichteten Spielern wie Kololli, Salim Khelifi oder Hekuran Kryeziu, die den FCZ zu einer Mannschaft machen können, der man gerne zusieht.

Wenn Magnin über sich und seinen Fussball spricht, hört man immer ihn reden. Er spricht keinen PR-Slang und sagt, wenn ein Spiel schlecht war. Der FCZ federt Probleme besser ab als früher. Beim Transfer Michael Freys nach Istanbul gab es zwar ein paar böse Worte, aber man erinnert sich an andere Fälle, als solche Streite regelmässig eskaliert sind. Auch dass ein langjähriger Spieler wie Marco Schönbächler keine Rolle beim FCZ spielt und keine Unruhe um ihn entsteht, zeigt: Der Klub moderiert Konflikte clever. Über den «Fall Kololli» hat Magnin am Sonntag erst gelacht. Dann sagte er, Kololli werde bestraft.

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