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Der bisher beste Vorschlag
Magnins Fussball kann glücklich machen

Der FCZ verliert und jubelt trotzdem

Er hatte noch einen Freistoss an der Strafraumgrenze und einen Schuss von Kololli. Er hatte auch die laute Unterstützung von 2000 angereisten Fans, weite Bälle nach vorne und Dribbelversuche. Doch was der FCZ nicht hatte, war das Tor, das er benötigte. 0:1 lag er in Leverkusen zurück. Das Spielende kam immer näher. Und irgendwann war es da.

Nach drei Siegen in den ersten drei Gruppenspielen hätte den Zürchern gestern ein Unentschieden genügt, um sich aus eigener Kraft vorzeitig für den Sechzehntelfinal im Februar zu qualifizieren. «Wir wissen, dass wir wieder an die Grenze gehen müssen», sagte Ludovic Magnin am Tag vor dem Match. Und kündigte an: «Wir wollen Leverkusen erneut ärgern.»

Die Worte des Trainers zeigen, dass sich der FCZ in den vergangenen Wochen wieder Mut und Zuversicht erspielt hat: Diese Mannschaft mag auch zuletzt nicht alles perfekt gemacht haben, dafür stehen das Unentschieden gegen Thun nach einer 2:0-Führung oder das 2:3 in St.Gallen Ende Oktober. Doch sie leidet nicht mehr so unter den Abgängen der beiden Topskorer Dwamena und Frey vom Sommer. Nur zehn Tore hatte der FCZ in den ersten elf Super- und Europa-League-Spielen dieser Saison geschafft. Jüngst aber hat er sich mit 15 Treffern in fünf Partien wieder Mut und Zuversicht erspielt. Am Sonntag überzeugte er beim 5:2 in Luzern.

Nef zurück im Team

Nur: Bayer Leverkusen ist nicht Luzern. Leverkusen ist 1. Bundesliga. Die Mannschaft steht nach einem enttäuschenden Saisonstart zwar nur auf Rang 13. Aber sie verfügt über Spieler, die mehr möglich machen müssten: Etwa die Jung-Offensivspieler Havertz (19, gestern geschont), Bailey (21) und Brandt (22), jeder mit geschätztem Marktwert im 50-Millionen-Euro-Bereich.

Der FCZ begann mit einer Dreierabwehr und dem kopfballstarken Routinier Alain Nef in der Stammformation. Er startete mit ordentlicher Dynamik, hatte wenig Ballverluste und suchte den Weg nach vorne, wenn sich die Möglichkeit bot. Richtige Torchancen allerdings konnte er sich nicht erspielen. Und dann verlor er nach den ersten 10, 15 Minuten den Zug nach vorne und war offensiv bis zum Seitenwechsel völlig harmlos.

In der Defensive stand der FCZ 25 Minuten lang sicher. Der Match bot den 16197 Zuschauern in der nur zur Hälfte gefüllten Arena deshalb nicht die spektakulären Züge wie noch vor zwei in Zürich. Doch dann häuften sich beim FCZ die Fehlerchen. Und das wirkte sich aus. Leverkusen wurde halbwegs gefährlich durch Bailey, der eine Flanke von Brandt nur knapp verfehlte. Sowie durch Kohr, der seinen Schuss ein paar Zentimeter am Tor vorbeizog. Und dann konnte unmittelbar vor der Pause Alario losziehen. Der argentinische Mittelstürmer lief ungestört auf Yanick Brecher zu, scheiterte aber am stark reagierenden FCZ-Goalie.

Es konnte niemand erwarten, dass die Zürcher ganz ohne Sorgen durch den Match kommen. Deshalb stimmte ihre Bilanz zur Pause. Sie stimmte auch noch in der 58. Minute, aber nicht mehr nach einer Stunde. Da führte Leverkusen dank Jedvajs Kopfball. Der kroatische Innenverteidiger hatte sich nach Brandts Eckball von FCZ-Verteidiger Bangura lösen können.

Rüeggs Ausgleichschance

Zwei Minuten nach dem Gegentreffer hätte der FC Zürich ins Spiel zurückkehren können - wenn Rüegg den Ball aus wenigen Metern nicht am Tor vorbeigeschoben hätte. Mit Leverkusens Vorsprung wurde der Match lebendiger. Der FCZ zeigte auch wieder Lust auf Offensive, was aber blieb war seine Mühe, sich wirklich knackige Torchancen zu erspielen.

Deshalb blieb es beim 0:1. Und trotzdem konnten am Ende die FCZ-Spieler vor der Kurve mit ihren Fans jubeln. Dank dem Unentschieden im anderen Gruppenspiel zwischen Rasgrad und Larnaca wird der FCZ die Gruppe mindestens auf Rang 2 abschliessen und europäisch überwintern. Das ist sportlich ein schöner Erfolg. Zum letzten Mal gelang das dem Verein in der Saison 2007/08, damals scheiterte er im Uefa-Cup-Sechzehntelfinal am HSV. Und die Europa League ist auch finanziell ein gutes Geschäft. Fast drei Millionen Euro betrug die Startgage. Dazu kamen bisher 570000 Euro für jeden der drei Siege. Der Einzug unter die letzten 32 Mannschaften des Wettbewerbs bringt noch einmal mindestens 1 Million Euro, bei einem Gruppensieg wären es sogar 1,5 Millionen.

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