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Die Lektion des Meisters – YB bezwingt den FCZ 4:0
«Die Qual der Wahl? Das ist Quatsch»

Die FCZ-Horrorshow bei 42 Grad

Dann kam die 82. Minute. Und mit ihr so etwas wie der Gipfel der Zürcher Absurditäten. Völlig unbedrängt, komplett freistehend und aus 20 Metern drosch Mirlind Kryeziu den Ball über die eigene Grundlinie. Eckball für YB und Hohn und Spott für den jungen Innenverteidiger. Die Szene passte perfekt zum Auftritt der Zürcher: Der FCZ zeigte sich im Stade de Suisse von seiner fehlerhaften Seite und erlebte ein zünftiges bisschen Horrorshow.

Angekündigt hatte sich der Match als Spitzenkampf, als Reprise des Cupfinals, als Supercup gar (einen solchen gab es in der Schweiz übrigens von 1986 bis 1990). Bei Rasentemperaturen von 42 Grad leistete jedoch nur ein Team seinen Beitrag zur verheissungsvollen Affiche: YB. Der Meister erteilte dem Cupsieger eine Lehrstunde in Sachen Effizienz (vor der Pause) und Spielkontrolle (danach). 3:0 stand es zur Halbzeit, 4:0 am Ende, und über noch mehr Gegentore hätten sich die Zürcher nicht einmal beklagen können - auch wenn einige von ihnen tatsächlich befanden, das Resultat sei zu hoch ausgefallen. Allen voran dachte Trainer Ludovic Magnin so.

Aber auch ihm war bewusst: «Wir haben gravierende Fehler begangen.» Und zwar, ergänzte Sportchef Thomas Bickel: «individuelle und taktische Fehler». Für Magnin war einiges vom Erlebten «unerklärlich».

Vor dem 0:1 verlor Adrian Winter den Ball in der Vorwärtsbewegung und liess dann Torschütze Miralem Sulejmani entwischen (12.). Drei Minuten später war es wieder Winter, der langsamer war als Loris Benito, ehe Sulejmani mit einem Seitenwechsel FCZ-Aussenverteidiger Pa Modou beim Tiefschlaf erwischte - Christian Fassnacht traf zum 2:0. Und als in der 45.Minute Sulejmani flankte, liess ihn mit Kevin Rüegg der andere Aussenverteidiger unbehelligt. Goalie Yanick Brecher hätte den Ball trotzdem nicht direkt auf den Kopf von Guillaume Hoarau lenken müssen.

Magnin blieb einfach sitzen

«Mit dem 3:0 war das Spiel tot», sagte Magnin im Anschluss, «drei Tore holst du in Bern und bei dieser Hitze nicht auf.» Für ihn selbst war die Konsequenz, dass er während der gesamten zweiten Halbzeit auf der Trainerbank sitzen blieb. Auch aus der Zürcher Fanecke, die das Heimpublikum vor dem Anpfiff mit einem überdimensionierten Stoffpokal noch hatte wissen lassen, wer denn aktueller Cupsieger ist, kam nicht mehr viel. Zu deutlich die Differenz, ein Klassenunterschied, eine Lehrstunde für den verjüngten FCZ.

Mit dem Punktemaximum waren die Zürcher in die Saison gestartet, hatten neben Thun vor allem im Stadtderby die Grasshoppers bezwungen. 90 weitere Minuten später bleiben ihnen zwei Erkenntnisse: dass bislang gegen GC noch jeder gewann. Und dass, so sagte es Magnin, «wir auf dem Weg sind, aber noch lange nicht dort, wo wir hinwollen». Sein Chef Bickel benutzte ähnliche Worte, mahnte aber auch zur Ruhe: «Wir sind auf einem Weg, und auf diesem gibt es eben Rückschläge.»

Das Blöde am Konjunktiv

Nach dem Spiel reklamierten die Zürcher für sich, die Startphase im Griff gehabt zu haben. Oder auch die eine oder andere sehr gute Möglichkeit. Stimmt alles. Nach einem Aussetzer von Steve von Bergen schon in der ersten Minute hätte es 1:0 für den FCZ stehen können. Und falls Stürmer Michael Frey in der 20. Minute der 1:2-Anschluss gelungen wäre, «hätte es nochmals heiss werden können», fand Magnin. Doch auch ihm war bewusst: «Mit hätte, wäre und könnte kann man sich im Fussball ja sowieso nichts kaufen.»

Am Ende zählte nur dies: Bis auf die ersten zehn Minuten war Frey nicht zu sehen, er hastete den Bällen erfolglos hinterher. Selbst die ständigen Pfiffe des Berner Anhangs trieben ihn - im Gegensatz zum Cupfinal - diesmal nicht zu einer Höchstleistung. Neuzugang Benjamin Kololli war bescheidener als noch bei seinem Debüt im FCZ-Dress vor einer Woche. Winter und Modou waren ständig überfordert und Hekuran Kryeziu und Toni Domgjoni im Zentrum viel zu schmalbrüstig für das erfahrene YB-Mittelfeld um Sékou Sanogo und die herausragenden Sulejmani und Fassnacht.

«Gegen dieses YB sind Fehler verboten», sagte Bickel abschliessend. Der Match zeigte eindrücklich warum.

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