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Die Lektion des Meisters – YB bezwingt den FCZ 4:0

Der FC Zürich mag mit maximaler Punkteausbeute und gleichauf mit dem Meister Young Boys in dessen Stadion gefahren sein. Was dann aber auf dem Platz zu sehen war, hatte mit Gleichwertigkeit oder Augenhöhe nichts mehr zu tun. Die Zürcher, in den ersten beiden Spielen im Verhältnis zu ihren Leistungen ohnehin reichlich belohnt, hatten nicht den Hauch einer Chance. Das Ergebnis, ein 0:4 nach einem frühen 0:2 schon, war keinesfalls zu hoch.

Die erste Halbzeit geriet gar zur Lektion der Berner, die den Zürchern in den entscheidenden Punkten eines Fussballspiels klar überlegen waren. Trainer Ludovic Magnin erwähnte später gleich zu Beginn seiner analytischen Ausführungen, sein FCZ sei «in den ersten zehn Minuten die bessere Mannschaft» gewesen. Aber dann sei sie aus «unerklärlichen Gründen» und durch «individuelle Fehler» in Rückstand geraten. Zwar habe sie sich, auch nach taktischen Umstellungen, wieder erholt, «aber dann zog uns das dritte Tor gleich vor der Pause den Boden unter den Füssen weg». Also brauche er über die zweite Halbzeit nicht mehr viel zu sagen.

Zehn mühevolle Minuten

Zwar anerkannte hinterher auch Gerardo Seoane nach dem dritten Sieg in seinem dritten Ligaspiel als YB-Trainer, dass sein Team anfangs etwas Mühe gehabt habe. Doch zehn Minuten sind in einem über 90-minütigen Fussballspiel halt doch eine sehr beschränkte Zeitspanne, vor allem, wenn man sie nicht zu Zählbarem wie etwa einem Tor nutzt. Und wenn dann der Gegner bei Ablauf der 12. Minute das 1:0 und zweieinhalb Minuten später das 2:0 schiesst, sind eben die Differenzen an kollektiver und individueller Klasse eindeutig. So offensichtlich, dass man die paar vorangegangenen Minuten nicht allzu ausführlich erwähnen sollte.

Seoane nannte es «gnadenlose Effizienz», wie seine Mannschaft die zwei ersten Tore geschossen habe. Es waren eindrückliche Spielzüge. Mal nutzte Miralem Sulejmani ein perfektes direktes Kurzpässchen Guillaume Hoaraus, mal stand Christian Fassnacht nach öffnendem Zuspiel Sulejmanis alleine vor Torhüter Yanick Brecher. Das war halt etwas anderes als die Art, mit der FCZ-Routinier Adrian Winter nach 20 Minuten mit der Chance umging, die den Rückstand auf 1:2 hätte verkürzen können und die Magnin später ebenfalls erwähnen sollte. Winter konnte alleine aufs Berner Tor zulaufen, aber er liess sich dann so viel Zeit, dass ihn Gregory Wüthrich von weit her einholen und stoppen konnte.

YB – ein Meister in Form

Das waren eben die Unterschiede. Wo es wirklich darauf ankam, waren die Berner eindeutig besser. Wie ihr Rechtsverteidiger Kevin Mbabu das Spiel des erstmals in die Zürcher Startformation gerückten Benjamin Kololli schon im Keim erstickte, war ein typisches Beispiel. Genauso wie sich auf der andern Seite der junge Rechtsverteidiger Kevin Rüegg von Sulejmani auf engstem Raum düpieren liess. Nach Sulejmanis Flanke brauchte Hoarau den Ball nur noch ins verlassene Tor zu lenken – es war jenes 3:0, das den Match dann selbst für Magnin entschied.

«Wenn man gegen die Young Boys gewinnen will, muss schon alles zusammenpassen», sagte Zürichs zentraler Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu. Und selbst mit gebührender Würdigung der ersten Minuten passte beim FCZ einfach zu wenig zusammen. Er ist, seine ersten drei Spiele insgesamt gesehen, weiterhin deutlich von den Young Boys entfernt, deren Auftritt in diesem ersten Spitzenspiel sehr wohl der eines Meisters in Form war. Eines Meisters, der sich bald schon mit einer anderen Ebene befassen darf: wenn er seinen Gegner in den Play-offs zur Champions League kennenlernt.

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