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Die Zürcher Turboponys galoppieren durch Luzern
Hallo Nachbar

Die Sensation verschlafen

Robert Weber ist nervös. An normalen Spieltagen kommt er am Nachmittag auf die Allmend, um alles vorzubereiten. Heute war der Red-Star-Materialwart aber schon am Morgen da. Denn heute ist kein normaler Spieltag. Heute kommt der FC Zürich. Sein FC Zürich. «Seit ich denken kann, bin ich FCZ-Fan», sagt der Pensionär in Red-Star-Jacke. Noch zwei Stunden, dann beginnt sein Kampf gegen die Gewohnheit, bei FCZ-Toren zu jubeln.

Weber steht in der viel zu kleinen Garderobe und prüft, ob er an alles gedacht hat. Getränke, Verpflegung, Frotteetücher. Alles da. Auch die zusätzlichen Bänke am Spielfeldrand, die der FCZ wünschte, damit auch ja niemand vom Staff 90 Minuten stehen muss. Weber ist seit 16 Jahren die gute Seele der Red Stars. Seither träumt er von einem grossen Spiel für den Verein. Jetzt kriegt er es. Ausgerechnet gegen jenen Club, für den Webers Frau dieselbe Arbeit verrichtet. Sie assistiert dem FCZ-Materialchef.

Überraschen - ohne Erfolg

Dieser Mittwochabend ist mehr als ein gewöhnliches Cup-Spiel zwischen einem Super-Ligisten und einem Unterklassigen. Es ist ein Duell zweier Vereine, die sich Trainingsplätze teilen, auf gewisser Stufe auch die Junioren. Kurzum: Man kennt sich.

Der Nachbar FC Zürich hat an diesem Abend keine fünf Minuten Anreiseweg. Die Profis grüssen bekannte Gesichter, dann verziehen sie sich in die Garderobe. Weber kann durchatmen. Keine Beanstandungen. In der anderen Kabine skizziert Red-Star-Trainer Simon Roduner den Matchplan. Unter Punkt1 steht: In der Startviertelstunde überraschen, Respekt verschaffen. Punkt2: Die anschliessende Angriffswelle überstehen. Doch schon Punkt1 kann der Underdog nicht umsetzen. In der zweiten Minute unterläuft Red Star ein Fehler im Aufbau, der Ball kommt zu Salim Khelifi, dessen Schuss wird unglücklich abgelenkt. 1:0 für den FCZ. Und als der Stadtclub nach 27 Minuten schon 3:0 führt, schwindet beim Quartierclub die Hoffnung auf einen magischen Cup-Abend. Nach dem Anschlusstreffer von Argjend Gashi steht es zur Pause 3:1 für den FCZ.

«Schade», meint Walter Gossweiler. Der Pensionär und frühere Red-Star-Spieler friert auf der provisorischen Stehtribüne und wärmt die Herzen seiner Mitmenschen mit Red-Star-Anekdoten. Er erzählt von der legendären Weltreise 1965. Damals charterte der Club für drei Wochen ein Flugzeug und flog für Freundschaftsspiele an exotische Orte. In Bagdad spielten sie gegen die irakische Militärmannschaft, in Bangkok gegen die thailändische Nationalmannschaft. «Wir verloren meist, aber es war eine grosse Geschichte», sagt Gossweiler.

Am Ende lächeln sie alle

Eine grosse Geschichte hätte er sich auch für diesen Cup-Abend gewünscht. Aus der Sensation wird am Ende nichts. Der FCZ setzt sich durch. Doch weil sich Red Star nach der Pause steigert und durch Cyrill Graf gar zum zweiten Tor kommt, zittert der Super-Ligist bis zum Schlusspfiff. Und so lächeln am Ende dieses bitterkalten Abends dennoch alle auf der Allmend. Die FCZ-Spieler, weil sie die Pflicht erfüllt haben. Die Amateure, weil sie sich nicht niederkantern liessen. Und Red-Star-Materialwart Weber, der hadert zum einen, «weil ohne Fehlstart vielleicht mehr möglich gewesen wäre». Zum anderen aber freut er sich, dass sein FC Zürich im Wettbewerb verbleibt.

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