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Was ist nun ein gutes Los?
Aus Grinta wird Müdigkeit

Die Wattwilerin Lorena Baumann ist Verteidigerin beim FC Zürich

Mit 2:1 bezwang der Tabellenführer FC Zürich im letzten Match des Jahres Verfolger Lugano. Die Wattwilerin Lorena Baumann kam beim Serienmeister von Beginn weg zum Einsatz. Die ungeschlagenen Zürcherinnen führen die Rangliste nun vor der Winterpause mit 15 Verlustpunkten Vorsprung an und stehen zudem im Cup-Halbfinal, in dem sie auf den B-Ligisten St. Gallen-Staad treffen. Das erneute Double dürfte demnach für 2018/19 aufgegleist sein.

Für die 21-jährige Aussenverteidigerin wäre dies der insgesamt sechste Meistertitel und fünfte Cupsieg. 2017 gewann sie das Double bei einem Abstecher ins Klettgau mit dem FC Neunkirch und gehörte jener U19-Nationalmannschaft an, welche an der Europameisterschaft erst im Halbfinal scheiterte. Wäre Lorena ein Loreno, ihr Bekanntheitsgrad und Einkommen entsprächen zumindest landesweit jenem eines gefeierten männlichen Internationalen. Im Toggenburg wäre jeder Junior Fan des in der grossen weiten Champions-League-Welt kickenden Toggenburgers.

Amateure sind gegen die Profis chancenlos

Die Realität sieht anders aus. Lorena Baumann arbeitet 50 Prozent als Kauffrau, besucht zwei Tage die Berufsmittelschule und spielt daneben in der Nationalliga A Fussball. Seit sie 2013 von St. Gallen zum FC Zürich transferiert wurde, stand sie in zwölf Champions-League-Partien auf dem Feld. Dieses Jahr kämpfte das laufstarke Leichtgewicht (163 cm/52 kg) zweimal 90 Minuten gegen Bayern München (0:2/0:3), zuvor war im Stadion Letzigrund auch schon Barcelona der überlegene Gegner.

Grösser könnte die Diskrepanz nicht sein. «In der Meisterschaft sind wir überlegen, werden kaum gefordert, international vermögen wir Amateure gegen die Profis nicht mitzuhalten», fasst Lorena Baumann die sportliche Situation zusammen. Das Problem ist offensichtlich: «In der Schweiz fehlt im Frauenfussball das Geld für einen Profibetrieb. Die meisten Spielerinnen müssen arbeiten. Sonst ginge es finanziell nicht.»

Der erhoffte Aufschwung scheint trotz der Erfolge des Frauen-Nationalteams auszubleiben. «Die besten Spielerinnen», so Baumann, die durch ihre Brüder zum Fussball gekommen ist, «wechseln wie bei den Männern ins Ausland. Dort finden sie Profibedingungen vor, können vom Fussball leben. Dadurch ist in unserer Meisterschaft kein Aufwärtstrend erkennbar.» Stagnation statt Boom. Sowohl beim Publikumsaufmarsch, der medialen Bedeutung als auch dem Niveau der einzelnen Teams. Gegen Bayern München kamen immerhin 4400 Zuschauer ins Stadion.

«Leistung in jedem Match bestätigen»

Sportliche Perspektiven bietet demnach vor allem das Ausland. Eine Wattwilerin in Deutschland, Frankreich, Spanien oder England? Das wär doch was. Sollte Baumann irgendwann den Sprung über die Grenze wagen wollen, führt der Weg über konstante Leistungen beim FCZ. «Die Frage, ob ich jetzt bereits Stammspielerin bin oder nicht, stelle ich mir nicht. Ich schaue Match für Match und möchte immer zum Einsatz kommen. In dieser Saison läuft es bisher gut, ich hatte viele Einsätze», zieht sie trotz eines Schlüsselbeinbruchs im Februar eine positive Zwischenbilanz.

Athletisch und kämpferisch muss sich die über den FC Wattwil, Wil und St. Gallen nach Zürich gekommene Nachbarin von Langläufer Beda Klee nicht verstecken, technisch hat sie weitere Fortschritte erzielt. Im 1:0 gewonnen Stadtderby gegen GC gehörte die Schwester des Salto Wattwil-Geräteturners Mario Baumann im Team von Trainer Andy Ladner – Spieler bei GC, Basel und Lugano – auf ihrer Lieblingsposition hinten rechts zu den Aktivposten. Die eigene Leistung analysieren, aus den Fehlern lernen, sich dadurch stets verbessern, lautet die persönliche Zielsetzung. Vielleicht irgendwann nicht mehr beim FCZ, sondern im Ausland.

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