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Wenn selbst der Mahner schwärmt
Spektakel mit verrücktem Ende

Ein historischer Sieg für den FC Zürich

Als dieses kleine Drama nach langen Nachspielminuten vorbei war, kam der Moment der Ruhe, um die grossen Gefühle für die Ewigkeit festzuhalten. Schliesslich war Aussergewöhnliches geschehen an diesem Abend im Letzigrund. Also fotografierte der FCZ-Präsident Ancillo Canepa die Südkurve und schüttelte ungläubig den Kopf, als könne er immer noch nicht recht glauben, was er gerade gesehen und erlebt hatte.

Canepa, dieser überschwängliche Fan der deutschen Bundesliga, hatte es mit seinem FC Zürich endlich geschafft: Erstmals konnte der FCZ ein Pflichtspiel gegen einen Bundesligaverein gewinnen, und dieses 3:2 gegen Bayer Leverkusen war verdient und etwas vom Besten, was die Mannschaft unter dem Trainer Ludovic Magnin bisher gezeigt hat. Und wenn dies der versprochene Magnin-Fussball ist, dann ist er ein Erlebnis. Als Magnin im Februar FCZ-Trainer wurde, sagte er, er sei ein Trainer für die grossen Spiele. Später wollte er das so zwar nicht gesagt haben, es klang etwas zu selbstgefällig. Aber vielleicht sprach er damals tatsächlich einfach nur die Wahrheit aus.

Es gab bisher zwei grosse Partien in Magnins Profitrainerkarriere: den Cup-Final gegen die Young Boys und nun dieses Spiel in der Europa League gegen Leverkusen. Und in beiden Spielen zeigte der FCZ den besten Fussball, zu dem er fähig ist. Er hatte an diesem Abend alles, was nötig war, um einen kriselnden Favoriten zu bezwingen: das Glück, dass der Schiedsrichter in der 94. Minute auf Hekuran Kryezius Schauspielerei hereinfiel und das Ausgleichstor annullierte; die Mentalität, nach dem 1:2-Rückstand nicht auseinanderzufallen, wie es anderen Teams vielleicht passiert wäre; den Mut und die Klasse, wieder so aussergewöhnlich gut Fussball zu spielen wie zuletzt im Frühling im Cup-Final gegen YB. Und einen Gegner, der ausser drei goldenen Minuten und zwei Toren durch Bellarabi vieles an diesem Abend schuldig blieb.

Magnin war es erneut gelungen, seine Emotionen auf die Mannschaft zu übertragen. Es war wie so oft bei Magnin: Es gibt bei ihm gute und schlechte Emotionen, und im Schlüsselmoment dieser Partie fielen sie zusammen. Es war der Moment, als Magnin sich mit dem Leverkusener Sportdirektor Jonas Boldt ein Wortgefecht lieferte und diesem recht eindringlich und nicht unbedingt gentlemanlike mitteilte, er solle endlich ruhig sein. Etwas Entertainment müsse sein, sagte Magnin nach der Partie zu dieser Szene. Ein paar wenige Sekunden nach der Schimpftirade gelang Stephen Odey der 3:2-Siegtreffer – und jetzt sah man den mit offenem Mund lachenden Magnin, der auf und ab tanzte, als sei er auf einem Discoparkett. Er hüpfte in diesem Moment fast so schön wie die Präsidentengattin Heliane Canepa in ihrer Loge im blauweiss gestreiften Pullover. Aber bei ihr ist es mit den Gefühlen etwas anders als bei ihrem Trainer. Sie kennt nur gute Emotionen und ist beim Fussball eigentlich immer fröhlich.

«Als Team waren wir besser», sagte Magnin nach dem Spiel. Der FCZ hatte die besseren und mehr Chancen, «wir haben verdient gesiegt», urteilte er. Der FCZ ist ein Versprechen, wenn er in dieser Art und Weise auftritt, mit dem jungen Captain Kevin Rüegg, der das Tor von Antonio Marchesano wunderbar vorbereitete; mit Toni Domgjoni, dem ein ausgesprochen gutes Spiel und ein Treffer gelang. Canepa hat nicht nur die Südkurve fotografiert. Das Mannschaftsbild dieses FCZ wird er sich einrahmen.

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