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Der FC Zürich schlägt sich selber
Der Chef regt sich auf

Ein Sittener Glücksbringer namens Fortune

Es schien, als würde er das Ungemach vorausahnen. Ludovic Magnin wechselte zehn Minuten vor Schluss in den «Rumpelstilzchen-Modus». Zuerst bedeutete der FCZ-Trainer Assan Ceesay gestenreich, wie er sich dessen Abwehrarbeit nicht vorstelle, danach tat er seinen Unmut gegenüber dem vierten Schiedsrichter kund. Es stand 1:1, ein Skore, das die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen aus Zürcher Sicht überhaupt nicht korrekt widerspiegelte.

Die Frage nach dem Sieger hätte zu diesem Zeitpunkt längst geklärt sein müssen. In der 62. Minute hatte Antonio Marchesano den überfälligen Führungstreffer erzielt, nach magistralem Zuspiel des zuvor eingewechselten Salim Khelifi. Der FCZ war überlegen, das Beste für die Walliser war noch das knappe Defizit, ein höherer Vorsprung wäre nicht unverdient gewesen. Magnin beschrieb es so: «3:0 hätte es stehen müssen, adieu, merci.»

Doch wer die Tore nicht macht, der wird bestraft. Eine Wahrheit, so alt wie der Fussball und immer wieder von Neuem zutreffend. Zuerst konterte Sion nach einem FCZ-Angriff überfallartig, und der starke Pajtim Kasami glich aus (71.). Es war das dritte Tor des launischen, aber hoch begabten Offensivmannes, er machte auch in der Defensive viel.

Glück mit Einwechselspielern

Und dann kam eben der Moment, als Magnins Laune noch schlechter wurde. Adryan, der kurz vorher schon den Pfosten getroffen hatte, insistierte, der Ball blieb im Strafraum, und der Franzose Yassin Fortune reagierte am schnellsten. Es war eine Co-Produktion zweier Einwechselspieler, und Murat Yakin konnte konstatieren, dass «das sehr schön und positiv ist. Heute hatten wir sicher auch das Glück, das uns zuvor oft fehlte.» Dass ein Spieler mit Namen Fortune bestens zum Glücksbringer taugt, erwähnte er nicht.

Magnins Sichtweise war gleich: «Als wir vor einigen Wochen in Sion drei Punkte holten, sagte ich zu Muri, ich wisse nicht, wie wir sie geholt hätten. Heute weiss ich nicht, wie wir die drei Punkte nicht holen konnten.» Schon das 0:0 zur Pause hatte den Gästen aus dem Wallis geschmeichelt. 6:1 lautete das Cornerverhältnis für den FCZ in den ersten 45 Minuten, richtig gefährlich wurde es vor Kevin Fickentscher aber nur zweimal (16./28.). Beide Male war Stephen Odey beteiligt, zuerst wurde er nach einem katastrophalen Fehlpass von Jan Bamert in letzter Sekunde abgedrängt, anschliessend scheiterte er solo. Verteidiger Alain Nef war nach Spielende selbstkritisch: «Wir haben uns selber geschlagen. Wir hätten die Partie in der ersten Halbzeit entscheiden müssen.»

Odey vom Platz getragen

Odey gebührt auch der Pech-vogelpreis. Kurz nach dem Seitenwechsel liess der Nigerianer auch die dritte erstklassige Chance aus und verletzte sich dabei so schwer, dass er ausgewechselt werden musste. Den Knöchel bandagiert, humpelte er um den halben Platz. Bei der Auswechselbank erbarmte sich ein hünenhafter Masseur seiner und trug ihn in die Katakomben. Auszufallen droht auch Kevin Rüegg. In der Entstehung zum 1:2 wurde der Verteidiger am Knie getroffen, Magnin sah ein klares Foul, wollte sich aber nicht zu stark ereifern: «Ich kann die Schuld nicht anderswo suchen, wir hätten die Tore machen müssen.»

Zum zweiten Mal resultierte also drei Tage nach dem Europa-League-Spiel gegen Leverkusen eine Niederlage. «In St. Gallen und heute haben wir den Spagat nicht geschafft», sagte Magnin, «aber die Niederlage wird uns nicht aus der Bahn werfen.»

Bevor es am 24. November in Neuenburg weitergeht, steht nun eine Pause an, ausser für jene zwölf Spieler, die in einer der verschiedenen Auswahlen sind. Für die anderen steht diese Woche Erholung an, im Training gibt es auch polysportive Elemente. «Uns vom Staff tut diese Pause auch gut», fand Magnin.

Dank des Erfolges dürfte auch im Wallis die Pause gesittet ablaufen. Es war Murat Yakins zweiter Sieg im achten Ligaspiel, und auch wenn ihn Christian Constantin bei seiner Verpflichtung als besten Schweizer Trainer bezeichnete, weiss der frühere Nationalspieler, dass vor allem Siege Kredit bringen. Und dem Totomat ist egal, wie diese zustande kommen.

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