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Zürcher Derby: Streitsache Magnin gegen Fink
Nach den Fehlern das Derby

Eine Frage der Klasse

Eigentlich mögen sich Ludovic Magnin und Thorsten Fink. Zumindest Fink sagt, er habe keine Probleme mit Magnin. Das ist deshalb wichtig zu wissen, weil das nach diesem Derby nicht eben danach aussieht. Da geraten sich die Trainer vom FCZ und von GC kurz in die Haare.

Sie sind im Presseraum des Letzigrunds damit beschäftigt, den Nachmittag aufzuarbeiten. Magnin wird gefragt: Was ist seit Donnerstag passiert, seit diesem schwachen Auftritt in der Europa League gegen Larnaca? Hat die Mannschaft von sich aus gespürt, dass es so nicht geht? Magnin erzählt von der Aufarbeitung dieses Spiels und wie sehr er vor dem Derby spürte, dass die Mannschaft «unter Strom» gestanden habe. Die Antwort beendet er mit dem Fazit: «Ich denke, wir hätten noch höher gewinnen können.»

Er hat kaum ausgeredet, als Fink dazwischengeht. «Das ist zu viel des Guten!», gibt er zurück und brummelt davon, dass Zürich ja gar keine Jungen auf dem Platz gehabt habe, zumindest nicht so viele.

Damit ist der offizielle Teil der PK zu Ende. Magnin stolziert an Fink vorbei, schüttelt den Kopf und lästert: «Stil und Klasse hat man, wenn man verliert.» Fink hört das wohl. Und hält dagegen: «Das habe ich ja. Man darf doch auch mal noch was sagen. Man kann auch mit Stil und Klasse gewinnen.»

Magnin und Fink sind hoch emotional veranlagt. Und das drückt nach einem solchen Derby erst recht durch, einem Derby, das für beide wichtig ist, um die eigenen Ansprüche zu erfüllen. Im Vorfeld war klar: Der FCZ braucht die Punkte, weil er an der Spitze mithalten will, genauer: weil er im Feld hinter YB eine Spitzenposition einnehmen will. Und GC braucht sie, um sich vom Tabellenende zu lösen.

Finks Verteidigung

2:0 steht es am Ende für den FCZ. Und wenn Magnin dann dazu ansetzt, die eigene Stärke herauszuarbeiten, dann tut das Fink weh und wühlt ihn auf. Und dann sieht er sich herausgefordert, seine Mannschaft zu verteidigen und die Ereignisse des Nachmittags in ein Licht zu rücken, das ihm angemessen erscheint. Also redet er vom Elfmeter, den GC nach einem Hands von Pa Modou nicht erhält; da steht es noch 0:0. Und er denkt an den Kopfball von Zesiger gleich nach der Pause, als noch immer kein Tor gefallen ist. Und er verweist auf das Foul von Hekuran Kryeziu, der Bajrami zurückreisst und dabei mit viel Glück um eine Gelb-Rote Karte herumkommt; da liegt GC erst mit einem Tor zurück.

Fink hat damit seine Argumente, die ihn denken lassen: Der Match hätte auch anders ausgehen können. Das ist die Sicht eines Trainers, dem gleich sieben potenzielle Stammspieler wegen Verletzungen nicht zur Verfügungen stehen; und der darum auf sieben Spieler zurückgreifen muss, die zwischen 19 und 22 sind.

Das Chancenplus des FCZ

Das ist die personelle Realität bei diesem GC. Da gibt es keine Reserven. Früher oder später drückt sich das in einem deutlichen Chancenplus für den FCZ aus. Noch scheitert Nef an Lindner und dann auch Pa Modou, Winter setzt den Ball aus elf Metern übers Tor, Khelifi schiesst Lindner aus elf Metern an. 11:0 heisst das Schussverhältnis in der ersten Halbzeit, weil GC in der Offensive unglaublich harmlos ist.

Ohne Hilfe der gegnerischen Verteidiger kommt der FCZ nicht aus, um zu gewinnen. Zesiger und Doumbia sehen schlecht aus, als Khelifi in der 52. Minute das 1:0 erzielt. Sukacev und Zesiger sehen schlecht aus, als Odey in der 83. Minute das 2:0 gelingt.

Das sind die Tore, welche die Stärkeverhältnisse an diesem Nachmittag zum Ausdruck bringen - Fehler des Schiedsrichters hin oder her. Er hätte sonst auch noch einen Elfmeter gegen Ajeti pfeifen können, weil der Nef im eigenen Sechzehner in den Rücken gestossen hat. Der FCZ besitzt von allem mehr als GC, von der Wucht, der Kraft, der Dynamik, der Geradlinigkeit und spielerischen Qualität her. Er reagiert damit überzeugend auf eine Phase mit nur einem Sieg in sieben Meisterschaftsspielen. Und deutet an, wozu er an einem guten Tag fähig ist. Er zeigt Leidenschaft, gewinnt Zweikämpfe und macht, worauf er drei Tage zuvor gegen Larnaca grosszügig verzichtete. Benjamin Kololli und Salim Khelifi, die beiden Flügelstürmer, verdienen dabei Bestnoten.

30 Punkte sind das Ziel, das Sportchef Thomas Bickel bis zum Jahresende setzt. Dafür braucht der FCZ in den letzten beiden Runden gegen Basel auswärts und Lugano daheim Siege. Mit der Mentalität vom Derby ist das möglich. Aber wie sagt Magnin auch: «Wenn wir nur ein paar Prozent nachlassen, stossen wir an unsere Grenzen.»

Und GC? Braucht gegen Luzern und in Thun jeden Punkt, um nicht auf dem Barrage-Platz zu überwintern. Dafür allerdings muss er anders auftreten als gegen den FCZ, ganz anders.

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