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Die Sensation verschlafen
Mehrheit der Zürcher ist für das neue Stadion

Hallo Nachbar

Der Besucher, der im Kafi Usglich auftaucht, schüttelt manche Hand, ihn schaut keiner schräg an. Er ist für alle nur «der Alain», man kennt sich, und Alain kennt sich hier bestens aus: In der vergangenen Saison hat er mitgeholfen, Knirpsen das Kicken beizubringen, an diesem Abend bringt er seinen Sohn ins Training der E-Junioren von Red Star.

Alain Nef schaut hinaus auf den Platz, der im Dunkeln liegt, er frotzelt: «Ich bin ja gespannt, was ihr mit dem noch anstellt, bis wir kommen.» Heute kehrt Nef zurück, begleitet von seinen Kollegen des FC Zürich, wobei sich die Profis für dieses Auswärtsspiel nicht in einen Teambus setzen müssen: Sie brauchen nur ein paar Meter weiter zu gehen als zu ihrem Trainingsplatz, dann betreten sie bereits das Revier von Red Star - ihrem Gegner im Cup-Achtelfinal. Der Club meldet am Vortag der Begegnung auf dem Sportplatz Allmend Brunau: Alle 3500 Tickets sind im Vorverkauf abgesetzt worden, die Abendkasse bleibt geschlossen.

Trainer Roduner:Der perfekte Auftritt

Die Annäherung an das grosse Spiel beginnt für die Amateure heute nicht in ihrer Kabine. Sie treffen sich um 18 Uhr in der Quartierbeiz Rietberg zu Kaffee, Kuchen und Teamsitzung, «da haben wir Ruhe», sagt Simon Roduner. Er ist 34, in leitender Funktion bei einer Grossbank im Seefeld tätig - und seit Sommer Trainer von Erstligist Red Star, aktuell Fünfter in der Gruppe 3. Um mehr Zeit für den Fussball zu haben, hat er sein berufliches Pensum um zehn Prozent reduziert.

Einen Teil seiner Trainerausbildung absolvierte er gemeinsam mit Ludovic Magnin, und die Prüfung für das A-Diplom bestand er wie sein Kollege beim FCZ mit der Bestnote. Der ehemalige GC-Junior Roduner hat auch eine Verbindung zu Magnins Assistenten René van Eck: Unter dem Holländer spielte er bei Wohlen in der Challenge League.

Nur gleichzeitige Trainings sind eine Rarität. Die Red Stars beginnen dreimal wöchentlich um 19 Uhr, die FCZler haben für ihre Einheiten Zeit am Morgen oder am Nachmittag. Einmal haben die zwei Mannschaften nebeneinander auf zwei benachbarten Plätzen trainiert - am Morgen des 1. August.

Roduner fasziniert der Job des Trainers schon seit langem, er hat einmal mitgeholfen, eine App zu entwickeln, mit der sich Ballbesitz messen lässt. Aber um nun den FCZ in Schwierigkeiten zu bringen, braucht es mehr als eine App, dafür muss ziemlich viel zusammenpassen - und der Gegner sehr grosszügig sein. Roduner sagt: «Bei uns denkt keiner: Die hauen wir 5:0 weg. Wir sind schon Realisten. Aber wenn der FCZ uns unterschätzt, wenn uns ein perfekter Abend gelingt, dann . . .» Glaubt er tatsächlich an eine Chance? «Wenn das nicht der Fall wäre, könnten wir Forfait geben.» Vorsichtshalber hat Roduner im Büro angekündigt, dass es am Donnerstagmorgen etwas später werden dürfte.

Goalie Beeler:Trainings mit Taini

Es ist anzunehmen, dass der Goalie von Red Star eine Hauptrolle übernehmen wird. Jan Beeler heisst er, sein Bruder Nico ist Profi-Beachvolleyballer, sein Vater Marco ehemaliger Volleyball-Nationalspieler. Jan war U-17-Junior bei GC, als Roman Bürki in der ersten Mannschaft im Tor stand, er bekam Tipps von Davide Taini, der inzwischen Goalietrainer beim FCZ ist. Beeler kehrte zu seinem Stammclub Rapperswil-Jona zurück, wechselte zu Thalwil und begegnete dort Andris Vanins. Der lettische Goalie des FCZ leitete die Goalietrainings.

Seit Januar ist Beeler bei Red Star, an der Universität Zürich studiert er Wirtschaft, er möchte einmal «irgendetwas im Finanzwesen» machen. Er liebt seinen Sport, aber er wird sein Hobby bleiben, wenn auch ein zeitintensives. «Wenn mein Alltag nur aus Fussball bestünde, wäre das zu wenig», sagt er.

In diesen Tagen aber ist der FCZ, ist der Cup das dominante Thema. Beeler hat sich gleichwohl keine Spiele des Gegners in voller Länge angeschaut, er weiss auch so, was auf ihn zukommt: «Das ist ein anderes Kaliber als die Gegner, auf die wir in der Meisterschaft treffen.» Er freut sich einfach auf «ein tolles Fest». Beeler sagt in seiner Unbeschwertheit: «Wir haben mit dem SC Cham einen Höherklassigen eliminiert. Wieso soll das kein zweites Mal gelingen?» Was spricht denn für Red Star? «Gewinnen muss der FCZ, wir haben als Aussenseiter nicht diesen Druck. Und wir spielen nicht auf einem Wembley-Rasen, das könnte ein Vorteil für uns sein. Aber wenn es nicht klappt . . . halb so schlimm.»

Coach Magnin: Seriöse Vorbereitung

Am Dienstagmorgen wird die Bühne hergerichtet. Hinter einem Tor ist eine Stehtribüne aufgebaut worden, es ist der Sektor der FCZ-Anhänger. Aus dem Sportplatz wird ein Stadiönchen. Nebenan ist der FCZ an der Arbeit, Ludovic Magnin bittet seine Fussballer zu einer Einheit bei unfreundlicher Witterung.

Zwei Stunden später redet er im Foyer der Saalsporthalle darüber, was er am Mittwoch erwartet: «Einen Gegner, für den es nicht das Spiel des Jahres ist, sondern des Jahrhunderts.» Und: «Red Star hat nicht den Fehler gemacht, für den Cup in den Letzigrund auszuweichen. Die Mannschaft tritt da an, wo sie daheim ist, und die Spieler wissen: Mit einem Sieg gegen uns werden sie Clublegenden.» Magnin erwartet eine «richtige Cup-Ambiance». Ihm gefällt das. Der Gegner mag aus Amateuren bestehen, die am Mittwoch noch in ihren Jobs beschäftigt sind: Magnin ist es wichtig, dass die Aufgabe seriös angegangen wird. Darum erwartet er seine Spieler bereits vor Mittag, die Stunden vor dem Anpfiff verbringen sie wie gewohnt in einem Hotel in der Nähe der Allmend Brunau, bevor sie rüber zum Nachbarn spazieren.

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