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Der FCZ verliert und jubelt trotzdem
Captain Kevin

Magnins Fussball kann glücklich machen

Es ist schon sehr spät am Abend in der FCZ-Beiz «Schlachthof», als Ludovic Magnins gerötetes Gesicht ganz gross auf dem Fernsehschirm erscheint. Wie auf ein geheimes Kommando strecken ihm die Männer an den Biertischen ihre Humpen und Fäuste entgegen, «Ludo!», rufen sie alle sehr laut. Es ist die Nacht nach dem Sieg gegen Leverkusen, und seit diesen Tagen merkt man immer mehr: Es geschieht gerade etwas mit dem FC Zürich, etwas Gutes. Das hat vor allem mit ihm zu tun, mit Ludovic Magnin, 39, und seinem Fussball.

Der FCZ war vor seiner Zeit ja nicht schlecht, aber kaum jemand war von der Mannschaft begeistert, sie spielte oft einfach so vor sich hin, dass man ihr gegenüber leicht gleichgültig werden konnte. Mit Magnin darf man wieder mehr träumen oder staunen, mit ihm könnten wieder aufregende Dinge geschehen. Zum Beispiel dies: Mit einem Punkt am Donnerstag in der Europa League in Leverkusen würde sich der FCZ vorzeitig für die Sechzehntelfinals qualifizieren. In guten Momenten macht Magnins Fussball glücklich, und diese Momente wurden zuletzt häufiger. Das ist wichtig in einem Verein, in dem der Präsident Ancillo Canepa sagt: «Magnin und ich denken gleich über Fussball. Er lässt so spielen, wie ich mir den FCZ vorstelle: offensiv und intelligent. Das war auch ein Grund für seine Anstellung.» Es war damals im Februar ein Vernunftsentscheid und nicht eine Verpflichtung in der Not. Das ist selten im Fussball. Und es sind oft die guten Entscheide.

Magnin sitzt am Steuer des FCZ

Seit neun Monaten erst ist Magnin Trainer des FC Zürich, es kommt einem schon länger vor, er ist den Menschen hier vertrauter als viele seiner Vorgänger, die länger beim FCZ waren – vertrauter als der geduldete Uli Forte, der unverstandene Sami Hyypiä, der unterschätzte Urs Meier oder der gar nie angekommene Rolf Fringer. Magnin ist der erste FCZ-Trainer seit Jahren, mit dem sie sich mehr als nur arrangieren und den auch die Kurve mag. Vor zwei Wochen hing ein Plakat dort mit der Aufschrift: «Fahr voraus, wir reisen nach.» Es zeigte ein Bild mit zwei Autobussen, und im vorderen sass Magnin am Steuer.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass Magnin bereits jetzt beliebter ist, als er es als FCZ-Spieler je war. Vielleicht hatte er die Anerkennung damals zu sehr eingefordert und wollte etwas angestrengt zur Kultfigur werden. Vor allem spielte er einfach nicht gut genug. Jetzt könnte er der nächste Trainer sein, der sich in die welsche Tradition des FCZ einreiht, in diesen schwer erklärbaren Sonderbund zwischen Romands und Zürich; die letzten Meistertrainer des FCZ waren alle Welsche, Daniel Jeandupeux, Lucien Favre, Bernard Challandes. Zuletzt war die Geschichte des FCZ einfach nur Vergangenheit, aber mit Magnin könnte der Klub an die Erzählung von früher anschliessen. Aber dafür muss man den Verein verstehen, man muss seine Kultur, seine Fans, seine Geschichte und das Ehepaar Canepa verstehen.

Magnin ist als Trainer im FCZ sozialisiert worden, acht Jahre lang im Nachwuchs. «Man braucht Phantasie und Trainer-Intelligenz, um zu reüssieren», sagt Canepa, «sowie etwas Leichtigkeit und Menschlichkeit.» Und man muss wissen, dass es in diesem Klub immer auch um mehr geht als nur um Resultate, als nur um gewinnen oder verlieren. Magnins Vorgänger Uli Forte hat bis heute nicht verstanden, warum er im Februar entlassen worden ist. Das kann man ihm gar nicht zum Vorwurf machen, Fussball ist für ihn etwas anderes, ein seriöses Resultatspiel, ihm fehlt das Gespür für weiche Faktoren.

Der Trainer zeigt auch Eitelkeit

Magnin interessiert sich für die Ästhetik des Spiels, obwohl dies Abwehrspielern oft weniger zugetraut wird. Aber von seinem Naturell her war Magnin immer ein Stürmer im Körper eines Verteidigers. Und nun definiert er sich als Trainer auch über sein Spiel und will darin erkannt werden. Wenn er das nicht spürt, kann er beleidigt sein. Als deutsche Journalisten nach dem Sieg gegen Leverkusen fragten, ob er froh sei, dass der Erfolg nun in die Bundesliga getragen werde, sagte er, er hoffe vielmehr, dass die Schweizer Journalisten nun erkennten, «dass Magnins Mannschaften mehr können als nur verteidigen». In dieser Hinsicht kann er eitel sein.

Magnin war schon als Jugendlicher ein Bewunderer Lucien Favres («mein zweiter Vater») und ist es bis heute geblieben. Es ist die schönste und gefährlichste Erb-Linie im Zürcher Fussball, einen höheren Anspruch, als sich an Favre zu orientieren, kann man nicht formulieren. Man kann eigentlich fast nur verlieren. Doch die Fallhöhe scheint Magnin nicht zu kümmern; schon als er Chefcoach wurde, sagte er sofort, er sei ein Trainer für die grossen Spiele, und tatsächlich hat er die wichtigsten bisher alle gewonnen, den Cup-Final gegen YB und alle internationalen Partien. Er hat die Selbstsicherheit, seine Taktik grundsätzlich für richtig zu halten. Magnin sagt: «Es nützt nichts, wenn ich die perfekte Strategie im Kopf habe, aber die Mannschaft sie nicht umsetzen kann. Zuletzt hat es die Mannschaft geschafft, endlich unberechenbar zu sein.» 18 Tore erzielte sie in den letzten sechs Spielen.

In besonderen Momenten ist Magnins Fussball jenem von Favre wirklich ähnlich, man sah es am letzten Sonntag in Luzern. Er sah nicht aus wie der Favre-Fussball vor elf, zwölf Jahren beim FCZ. Er sah moderner aus, schneller – so wie Favre heute in Dortmund spielen lassen möchte. Bloss stehen Magnin weniger gute Spieler zur Verfügung. Aber die Haltung ist gleich. Der grosse Unterschied ist: Magnin hat eine talentierte Mannschaft, er hat mit Kololli und Khelifi Technik und Tempo. Aber Favre hatte Inler, Dzemaili, Raffael oder Cesar.

Grosser Glaube

Der Präsident Canepa sagt: «Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir hinwollen. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg.» Er hat das schon oft gesagt. Aber so sehr geglaubt wie dieses Mal hat er es schon lange nicht mehr.

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