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Die Captains von Zürich und St. Gallen leiden - einer freut sich am Ende
Wenn selbst der Mahner schwärmt

Nur ein bisschen Ärger

Ludovic Magnin muss selten um Worte ringen, er ist jemand, der gerne in die Details geht. Aber manchmal ist das gar nicht nötig, dann lässt sich auch für ihn ein Spiel mit einem Satz zusammenfassen: «Solche Tage gibt es halt.» Klingt fast wie: Halb so wild. Hinter ihm und seinem FCZ liegt ein kalter, nasser Nachmittag, an dem die Mannschaft wieder einmal erlebt, wie sich eine Niederlage anfühlt. Das 2:3 in St. Gallen ist das erste verlorene Spiel seit dem 1. September und dem 0:1 in Lugano. Danach blieben die Zürcher wettbewerbsübergreifend in neun Partien ungeschlagen.

Bevor es in die Ostschweiz geht, fordert Magnin Mut von seinen Fussballern, Mut, der nach dem starken 3:2 gegen Leverkusen zum perfekten Wochenabschluss verhelfen soll. Der FCZ entgeht zuerst einem frühen Rückstand, als Buess die Latte trifft, und nähert sich danach in einem Spiel auf mässigem Niveau dem 1:0. Marchesano bietet sich die erste vorzügliche Chance, Odey die nächste.

Zeidler, der Turnende

Es sieht nicht danach aus, als könnten die Ostschweizer gefährlich werden. Deren Trainer Peter Zeidler turnt an der Seitenlinie wie verrückt, mit seinem Verhalten drückt er Unzufriedenheit aus. «Unsere erste Hälfte war nicht gut», wird er später melden. Und doch führt St. Gallen zur Pause, weil Sierro vor dem Strafraum an den Ball kommt, das Auge hat und genügend Gefühl im Fuss, um Goalie Brecher mit einem wunderbaren Schuss zu bezwingen. Das trägt ihm auch von Magnin Anerkennung ein: «Ein sensationelles Tor. Da muss man Bravo sagen.»

Es ist nicht das letzte Lob, das verteilt wird. Weil Altmeister Barnetta in der zweiten Halbzeit auf dem Platz steht und mit zwei klugen Aktionen in den Mittelpunkt rückt. Nach 51 Minuten leitet er das 2:0 von Ashimeru mit einem Querpass ein. Und als der Gast glaubt, nach Kolollis 1:2 vielleicht doch noch das kleine Jubiläum feiern zu können, raubt ihm Barnetta die Hoffnung auf einen Punkt. Zuerst überzeugt er mit einem Zuspiel auf Ashimeru, rennt in den Zürcher Sechzehner, signalisiert, dass er den Ball gern zurückbekäme - und dann sorgt er mit dem Kopf für das entscheidende 3:1. Er hat das Glück, dass sich kein Gegner um ihn kümmert. Als Rüegg realisiert, dass Gefahr aufkommen könnte, ist es zu spät. «Phänomenal!», frohlockt Zeidler, «das ist Barnetta!» Es ist jener Barnetta, der Ende September gegen GC nach seiner Einwechslung mit zwei Toren geglänzt hat.

Magnin, der Irritierte

Der Treffer fällt in die Phase, in der die Gäste den Stil geändert haben. Das irritiert Magnin, weil er das nicht angeordnet hat. Nach der Einwechslung von Ceesay haben sie zwar nun zwei Stürmer auf dem Platz, aber sie setzen auf hohe Bälle. «Wir haben kaum mehr Fussball gespielt», findet Magnin und sieht darin - neben mangelhafter Effizienz in der ersten Halbzeit - den zweiten Kritikpunkt. Odeys 2:3 tut nichts mehr zur Sache. Gleich danach pfeift der Schiedsrichter ab. Und Zeidler ist entzückt: «Ich war am Donnerstag begeistert vom FCZ in der Europa League. Jetzt haben wir dieses Team geschlagen. Da kann unsere Leistung nicht so schlecht gewesen sein.»

Aber eben: Beim Verlierer hält sich der Ärger in Grenzen. «Wir haben nicht alles falsch gemacht», sagt Magnin, «ich bin zufrieden mit dem Biss und dem Engagement.» Bemerkenswert ist, dass Magnin auf eine grosse personelle Rochade verzichtet hat. Khelifi ist gegen St. Gallen der einzige Neue in der Startaufstellung, weil Hekuran Kryeziu gesperrt fehlt. Bemerkenswert ist auch, dass der offensive Winter die rechte Abwehrseite besetzt. Eine Dauerlösung sieht Magnin darin aber nicht.

Noch in St. Gallen ist er gedanklich schon beim Mittwoch, beim Cup-Achtelfinal bei Red Star: «Das ist ein Derby, das müssen wir gut vorbereiten.» Es ist nicht einfach dahergeredet. Ein Aus gegen einen Erstligisten liesse sich nicht so gelassen bilanzieren wie ein 2:3 in St. Gallen.

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