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Ein historischer Sieg für den FC Zürich
Rudi Völler sagt: «Wenn Sie heute ins Ausland fahren, wird jeder Bayer Leverkusen kennen. Das haben wir uns erarbeitet»

Spektakel mit verrücktem Ende

Als alles vorbei ist, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat, da schaut Ludovic Magnin kurz zum Himmel. Er muss lachen, ungläubig - kann ja gar nicht sein! Seine Spieler jubeln, die Zuschauer stehen. Sie haben gerade das Ende eines Spiels gesehen, das die letzte Wendung nicht genommen hat. Leverkusen schiesst in der 94. Minute den Ausgleich - Tristesse, Schrecken überall, doch halt! Der Schiedsrichter pfeift ab, er hat ein Foul an Kryeziu gesehen, das nur in den kühnsten Zürcher Träumen eines war. Der FCZ profitiert vom Glück, das er sich 90Minuten lang erspielt hat. «Verdienter Sieg», sagt Magnin, randvoll mit Stolz.

Tatsächlich, es ist eine Leistung, die beeindruckt. Es ist ein Spiel, das zum Spektakel wird und hin- und hergeht. Der FCZ führt eine erste Halbzeit auf, die mit mächtig Pomp endet. Rüegg, der starke und nimmermüde Rüegg, bekommt am rechten Flügel den Ball. Erst überläuft er den ersten Gegner, dann tunnelt er den zweiten und spielt den idealen Pass in die Mitte, zwischen Torhüter und Verteidigung, Marchesano muss nur den Fuss hinhalten. Es ist die Führung, das Tor, das die Zürcher schon früher hätten schiessen müssen.

Doch dann: Systemstörung

Magnin jubelt, er klatscht und hämmert sich mit dem Zeigfinger an den Kopf. Aufpassen will das heissen, jetzt nicht nachlassen. Doch das ist an diesem Abend unangebracht, scheint es. Seine Mannschaft hat das Spiel bis zur Pause im Griff, kontrolliert es, ja sie spielt mit Freude und Zuversicht, sie müsste zwei Tore mehr geschossen haben.

Doch dann: Systemstörung. Acht Minuten lang. Der FCZ ist irgendwo zwischen Kabine und Rasen verloren gegangen. Bellarabi trifft aus spitzem Winkel. Drei Minuten später: Bellarabi trifft aus spitzem Winkel. Eine Kopie des ersten Tores, beide Male sehen Brecher und Pa Modou unglücklich aus. Der FCZ wackelt, doch er hält sich irgendwie auf den Beinen, wenig später ist die Störung behoben.

Die Zürcher spielen wieder, verteidigen wieder, attackieren wieder. «Klick hat es im Kopf gemacht», sagt Antonio Marchesano. Und weil der Mittelfeldspieler der beste Mann auf dem Platz ist und immer wieder sinnvolle Ideen hat und kluge Pässe spielt, kommt Domgjoni im Strafraum zum Schuss. Ausgleich. Spätestens jetzt läuft die Maschine FCZ wieder auf höchsten Touren, Magnin überdreht gar für Momente. Er führt eine dringliche Unterredung mit der Leverkusener Bank und weist sie sehr bestimmt darauf hin, künftig auf Wortmeldungen zu verzichten. Minuten später verstummen tatsächlich alle Leverkusener. Stephen Odey hat sie zum Schweigen gebracht, der Stürmer schliesst eine Kombination ab, die so vieles ist: stark gespielt, schnell dazu, sehr schön anzusehen. Wieder wird sie eingeleitet durch: Marchesano.

Für Magnin ist der Sieg besonders, er hat seinen ehemaligen Kollegen in Deutschland gezeigt, dass er ein erfolgreicher Trainer sein kann, «trotz Milch hinter den Ohren», wie er sagt. Magnin sieht sich noch immer als Lehrling, der mitten in einem Prozess steckt.

Die nächste Reifeprüfung

Tatsächlich ist das Spiel gegen Leverkusen so etwas wie eine Reifeprüfung. Eine erste hat die Mannschaft vergangenen Mai bestanden, mit dem Cupsieg gegen YB. Doch nun steht ein Gegner auf dem Feld, dessen Mannschaft 19-mal mehr Wert hat als jene des FC Zürich. Doch der FCZ besteht. Wegen seines Mutes, wegen seines Willens, aber auch wegen seiner Qualität. Wie er nach vorne spielt, wie er die Vertikale sucht und immer wieder findet, zeugt von einer Entwicklung der Mannschaft.

Es ist ein Spiel, das zu einem neuen Höhepunkt auf der Reise mit Ludovic Magnin wird. Der Trainer selbst sagt, es sei alles rasant vorwärtsgegangen in den vergangenen Monaten. Er sagt: «Wenn der Zug kommt, musst du entscheiden, ob du einsteigst oder ob du ihn vorbeifahren lässt.» Magnin stieg ein.

Und es gibt gerade sehr viele Menschen, die ihm folgen wollen. So liest sich auch die Choreografie der Zürcher Fans vor dem Spiel. Ein FCZ-Bus ist da zu sehen, am Steuer Magnin, daneben ein Schriftzug: «Fahr vorus, mir reised nah.» Und es sieht ganz danach aus, als ob die Reise weitergeht. Die Konkurrenten aus Ludogorez und Larnaka spielten gestern unentschieden. Die Zürcher führen ihre Gruppe an und haben acht Punkte Vorsprung auf den Drittplatzierten.

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