DE FR EN
Hekuran Kryeziu hat sich im FC Zürich prächtig eingelebt
Bitte einmal alles mit scharf

Um 15.17 Uhr bricht Jubel aus - und Spekulationen schiessen ins Kraut

«Der Kreis 6 hat Ja gesagt, das ist gut!», ruft einer in den Saal des edlen Cafés Metropol. Dort haben sich gestern Sonntagnachmittag die Befürworter der Stadionvorlage versammelt. Der Kreis 6 bildet jeweils recht gut das städtische Schlussresultat ab. Auch gestern, aber das wissen die Stadionfans noch nicht. Es kommt denn auch noch keine Feststimmung auf. FCZ-Präsident Ancillo Canepa hat die ersten Resultate - auch der Kreis 9 stimmte zu - fast etwas ungläubig zur Kenntnis genommen. «Ich bleibe vorsichtig», sagt er. «Das Spiel wird erst in der 95. Minute abgepfiffen», sagt neben ihm GC-Präsident Stephan Anliker.

Dann trudeln die Resultate der Kreise 11 und 1+2 ein, beide positiv. Es folgt der erste Dämpfer. Der Kreis 10 - Höngg und Wipkingen - sagt Nein. «War ja klar», sagt jemand. Die Höngger wollen sich die Sicht auf das Alpenpanorama nicht von zwei Wohntürmen verstellen lassen. Dann kommt das Resultat des Kreises 7+8, mit fast 58 Prozent Ja. Ein paar ballen die Faust, die Ersten klatschen. Canepa bleibt skeptisch.

Um 15.17 Uhr bricht Jubel aus. Der linke Kreis 3 hat zugestimmt - und folgt damit der SP und den Grünen nicht, welche die Vorlage bekämpften. «Jetzt kann nichts mehr passieren», meint Martin Kull, CEO der Baufirma HRS, die alle geplanten Bauten erstellen wird: Stadion mit 18 000 Plätzen für den FC Zürich und die Grasshoppers, 174 gemeinnützige Wohnungen, zwei 137-Meter-Hochhäuser mit 570 Wohnungen. Es folgt noch der linkste Wahlkreis der Schweiz, der Kreis 4+5, der eher überraschend zustimmt. Im Kreis 5, auf dem Hardturmareal, soll das neue Fussballstadion stehen. Kurz vor 15.30 Uhr ist alles klar. Total 67590 Stimmende haben dem Stadionprojekt Ensemble zugestimmt, 58078 haben es abgelehnt. Das ergibt 53,8 Prozent Ja, bei einer hohen Stimmbeteiligung von fast 56 Prozent. Nur ein Kreis sagte Nein.

Brisante Planspiele

Besonders GC-Präsident Stephan Anliker ist die Erleichterung anzusehen. «Es ist eine Freude, das gibt unserem Verein eine Perspektive», sagt er. «So richtig jubeln werde ich aber erst am ersten Match, dem Derby in vier oder fünf Jahren.» «Und dann teilen wir die Einnahmen, egal wer Heimrecht hat», ruft der euphorisierte FCZ-Boss Ancillo Canepa ins Gespräch hinein.

Dann äussert Canepa eine brisante Idee. «Ich denke, es sollte möglich sein, das Stadion vor den Wohntürmen zu bauen», sagt er. Der juristische Widerstand richte sich ja nur gegen die Hochhäuser. Die Idee ist offenbar nicht neu. Im Saal gibt es Beteiligte, die ebenfalls sagen, dass eine Aufsplittung von Ensemble in drei Teilprojekte es der HRS ermöglichen würde, die 105-Millionen-Arena zu bauen, bevor die Türme bewilligt sind. Voraussetzung wäre, dass die Gerichte den Gestaltungsplan, der zuvor zur Debatte steht, wasserdicht durchwinken. Damit wäre das Risiko für die HRS überschaubar, zu bauen, bevor die Finanzierung durch die Mieten in den Wohntürmen gesichert ist.

Martin Munz ist aber mehr als skeptisch. Der Leiter Entwicklung und Bau bei der Credit Suisse erachtet dieses Risiko als «sehr gross», wie er sagt. «Das Stadion kann nicht ohne Hochhäuser gebaut werden, die Quersubventionierung wäre nicht gesichert.»

Auch HRS-CEO Martin Kull erteilt eine Absage: «Das Szenario ist nicht opportun», sagt er. Zwar werde es drei Baugesuche geben, aber alles sei ineinander verwoben. «Alle drei Gesuche müssen bewilligt sein, bevor wir bauen», stellt er klar. GC-Chef Anliker, Inhaber eines Bauunternehmens, winkt ebenfalls ab: «Ensemble hat gewonnen, zusammen ziehen wir es durch.»

Hans Rupp will sich zu derartigen Planspielen nicht äussern. Der Geschäftsführer der Genossenschaft ABZ, welche die 174 günstigen Wohnungen baut, freut sich vor allem, dass der Kreis 4+5 zugestimmt hat. «Mit diesem Projekt leisten wir einen Beitrag für einen lebendigen äusseren Kreis 5», sagt er. Rupp meint, mit diesem deutlichen Resultat sollte es nun schnell vorwärtsgehen. Stadtrat André Odermatt (SP) haut in dieselbe Kerbe, wenn er an die Adresse möglicher Rekurrenten sagt: «Es gibt einen klaren Volkswillen, und das bei einer hohen Stimmbeteiligung.»

Tatsächlich richtet sich nun das Interesse auf die Männer des Höngger Komitees gegen den Höhenwahn, welche juristischen Widerstand angekündigt haben. HRS-CEO Kull verspricht: «Wir werden sie einladen und eine Auslegeordnung vornehmen.»

Zweite Abstimmung möglich

Zunächst ist aber nochmals die Politik am Zug. Im ersten Quartal 2019 wird der Stadtrat den Ensemble-Gestaltungsplan dem Gemeinderat überweisen. Dieser könnte schon im Spätsommer sein Okay geben. Widerstand aus dem Parlament ist nicht zu erwarten, obwohl eigentlich eine Mehrheit gegen das Stadion war. Da der Gestaltungsplan aber referendumsfähig ist, könnten 2000 Stimmbürger eine zweite Volksabstimmung erzwingen. Das ergäbe eine Verzögerung von etwa einem halben Jahr.

Wenn das Projekt auch die zweite Abstimmung übersteht, sind Rekurse möglich. Zunächst beim Baurekursgericht, dann Beschwerden beim kantonalen Verwaltungsgericht und schliesslich beim Bundesgericht. Das kann zwei bis vier Jahre dauern, da immer wieder juristische Pirouetten möglich sind. Dann schreiben wir das Jahr 2022 oder 2023.

Siegen die Bauherren, kommt die Baubewilligungsphase. Der Stadtrat erteilt die Bewilligung, doch auch hier können Betroffene drei Gerichtsinstanzen anrufen. Wieder kann es zwei oder mehr Jahre dauern. Es ist also 2025. Verlieren die Rekurrenten durchs Band, kann mit dem Bau der Arena begonnen werden. Die Bauzeit beträgt rund drei Jahre. Der erste Anpfiff erfolgte etwa im Jahr 2028.

Das ist aber nicht der Zeitplan des Stadtrats. Hochbauvorsteher Odermatt sagte an der Medienkonferenz gestern, die Arena könne 2022 bezogen werden, die Wohnungen in der Genossenschaftssiedlung und in den Hochhäusern 2023.

News

Der FC Zürich ist eine Mannschaft der Verheissung: sie verspricht viel und kann es nicht immer halten

Der FC Zürich ist eine Mannschaft der Verheissung: sie verspricht viel und kann es nicht immer halten

Punkte hat der FCZ in der Hinrunde nicht genug eingespielt – nicht genug, wenn man sich daran erinnert, wozu die Mannschaft in diesem Herbst in der Lage war.

Für den FCZ kommt die Pause keinen Tag zu früh

Für den FCZ kommt die Pause keinen Tag zu früh

FCZ-Analyse Zu viele Spieler und doch zu wenig Tiefe: Das Kader ist ein Paradoxon.
von Florian Raz

Magnin glüht

Magnin glüht

Porträt Mit der Winterpause endet für Ludovic Magnin ein lehrreiches Jahr als FCZ-Trainer. Er hat in diesem Spuren hinterlassen - aus Freude und Zorn.

Was ist nun ein gutes Los?

Was ist nun ein gutes Los?

Als einziger Schweizer Club überwintert der FCZ europäisch. Dank dem zweiten Platz in der Europa League flossen bisher 5,8 Mio. Euro Prämien in die Vereinskasse. Das ist die Ausgangslage für die Auslosung der Sechzehntelfinals am Montag (13 Uhr)

Alle News