Grasshoppers bleiben ohne Punkte
Magnin verlangt vom FCZ eine Steigerung

Winters Tor rettet das Derby

Nach der ersten Halbzeit sagt Adrian Winter: «Wir spielen keinen Fussball.» Zwei Minuten nach Wiederbeginn dieses Derbys beweist der Spieler des FC Zürich gleich selbst, was er unter Fussballspielen versteht.

Als er am GC-Sechzehner steht, kommt ein hoher Ball auf ihn zugeflogen. Er überlegt sich im ersten Moment, zu einem Fallrückzieher anzusetzen, im zweiten Moment denkt er um, nimmt den Ball kurz an, dreht sich, schiesst und sieht, wie der Ball hoch ins Tor fliegt. «Eine Riesenkiste», sagt er im Überschwang.

Es ist das 1:0 für den FCZ, es ist das Tor, das dieses Spiel nach der Lethargie der ersten Hälfte so dringend nötig gehabt hat, und es ist das Tor, das die Grasshoppers entscheidend in Rücklage bringt. Sie verlieren die Orientierung und werden von einem Gegner überlaufen, der seine Spiellaune findet. Schönbächler trifft den Pfosten und Marchesano den Aussenpfosten. Odey gelingt nach einer guten Stunde das 2:0, als er Lindner mit seinem Schuss zwischen den Beinen erwischt. Kololli, der Debütant, setzt den Schlusspunkt, als er Cvetkovic tunnelt und mit seinem harten Schuss die Latte trifft.

«Wer die Tore macht, hat es verdient zu siegen», sagt GC-Coach Thorsten Fink. So ähnlich äusserte er sich schon vor einer Woche, nach dem 0:2 bei Meister YB. Und darum heisst es nach zwei Spielen für GC: 0:6 Punkte, 0:4 Tore. Finks persönliche Bilanz seit seinem Debüt Ende April liest sich noch trostloser: sieben Spiele, fünf Niederlagen, nur ein Sieg.

Finks Erkenntnis: «Wir sind im Abschluss zu schlecht»

Das grosse Problem seiner Mannschaft ist die Offensive, «wir haben viel mehr den Ball, mehr Flanken, mehr Eckbälle», sagt Fink, «aber wir sind im Abschluss einfach zu schlecht». In der ersten Halbzeit haben seine Spieler zwei halbwegs gefährliche Aktionen durch Bahoui und Djuricin, mehr nicht. Nach der Pause haben sie nach dem 0:1 zwei Chancen zum Ausgleich, durch einen 45-m-Lob von Rückkehrer Tarashaj und einen Schuss von Sigurjonsson. Beide Male ist Brecher zur Stelle. Mehr ist der FCZ-Goalie nicht gefordert. Seine Vorderleute stehen kompakt, GC fällt dagegen nichts ein, es fehlt an Tempo, Initiative und Durchschlagskraft. Djuricin gelingt so wenig wie Bahoui, Sigurjonsson und Holzhauser, das ist nicht zu verkraften.

Fink sucht in der Enttäuschung das Gute und sagt, in der ersten Halbzeit seien sie besser gewesen. Ludovic Magnin sagt, bis zur Pause sei das Spiel ausgeglichen gewesen. So ganz deckungsgleich urteilen sie nicht. Magnin sagt in die Journalistenrunde: «Sie können entscheiden, wer recht hat, Thorsten Fink oder ich. Sie sind alle gross genug dafür.»

Die erste Halbzeit ist zäh, keiner will einen Fehler machen. Darum ist es ein Spiel, in dem keiner besser ist, sondern sich die taktische Disziplin beider Teams durchsetzt. Es ist ein Patt, das für Emotionslosigkeit und Langeweile sorgt.

Dwamena will weg, Frey ist verletzt - und da kommt Odey

Winter durchschlägt den Knoten, und dann ist ein FCZ zu sehen, der den Moment geniesst und Spielfreude zeigt. Dass Stephen Odey für das zweite Tor besorgt ist, gehört zu den wenigen Besonderheiten dieses Derbys. Odey darf spielen, weil sich Michael Frey am Freitag mit einer Wadenverletzung abmeldet und weil Raphael Dwamena mit dem Kopf nicht mehr ganz bei der Sache ist. Dwamena steht vor einem Wechsel, Levante und Lokomotiv Moskau sollen am Ghanaer interessiert sein.

Das also wird zur Chance für den 20-jährigen Nigerianer Odey. Zum ersten Mal seit Februar gelingt ihm ein Tor. Magnin sieht das als Qualität seines Kaders: «Wenn zwei ausfallen, kommen eben die nächsten beiden. Die Kunst ist, dass niemand beleidigt ist, wenn er einmal nicht spielt.»

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