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Der FCZ weckt Fantasien
Eine Frage der Klasse

Zürcher Derby: Streitsache Magnin gegen Fink

Am Ende dieses so einseitigen Derbys, in dem die Grasshoppers chancenlos gewesen waren wie ein paar Jogger gegen ordentlich trainierte Rennläufer, stritten sich die beiden Trainer heftiger, als es die Spieler vorher auf dem Rasen getan hatten. Und weil sich im Grundsatz ja alle einig waren, dass der FC Zürich verdient 2:0 gewonnen hatte, verhandelten sie eben andere Dinge: den Stil des anderen zum Beispiel.

Dem FCZ-Coach Ludovic Magnin war ganz zum Schluss vor den Medien noch dieser allerletzte Satz eingefallen: «Wir hätten höher gewinnen müssen.» Das war nun nicht gerade eine polemische Bemerkung, und vor allem entsprach es der Wahrheit. Aber das genügte für einen kleinen Eklat. Denn Thorsten Fink verletzte daraufhin ein ungeschriebenes Gesetz: Er reagierte an der Pressekonferenz direkt auf Magnins Worte und meinte, das sei jetzt «zu viel des Guten». Er erinnerte daran, dass der FC Zürich das Spiel nicht zu elft zu Ende hätte spielen dürfen, weil Hekuran Kryeziu nach einer Stunde mit der gelbroten Karte hätte vom Feld verwiesen werden müssen (was stimmte); und er berichtete von einem «klaren Penalty» nach einem Handspiel von Pa Modou (was diskutabel war). Und weil Fink gerade so schön in Fahrt war, fiel ihm auch noch ein, etwas zu erwähnen, was ihn nun wirklich nichts angeht: Der FC Zürich habe ja auch keine jungen Spieler auf dem Platz gehabt, «zumindest nicht so viele».

Magnin spazierte daraufhin achtlos an Fink vorbei und rief ihm noch etwas von «Stil und Klasse, wenn man verliert» hinterher. Und Fink fand, man dürfe ja wohl noch etwas sagen, und zweifelte gleichzeitig Magnins Stil als Gewinner an. Damit hatte ein eher kaltes Derby doch noch ein paar heisse Gefühle geweckt. Bei den Spielern sah das ein wenig anders aus: Der GC-Goalie Heinz Lindner sagte, er habe bei seinem Team «den Willen nie gesehen». Und der FCZ-Torhüter Yanick Brecher meinte, er habe in der ersten Halbzeit keinen einzigen Ball halten müssen, «ich war heute in der Zuschauerrolle». Es fehlte bloss noch, dass er gesagt hätte, ihm sei langweilig gewesen, weil er sich von den Grasshoppers schlecht unterhalten gefühlt habe.

Die Grasshoppers wirkten tatsächlich so, als ob ihnen niemand gesagt hätte, dass sie schon längst im Rückstand lagen. Sie spielten einfach immer gleich weiter. Sie waren nach dem 0:1 durch Salim Khelifi und dem 0:2 durch Stephen Odey genauso schlecht wie vorher. Eine richtige Torchance verzeichneten sie.

Natürlich sah Fink auch, wie wenig an diesem Tag in Ordnung war bei seiner Mannschaft. Aber er fand wohl, Magnin hätte ihm das nicht unbedingt unter die Nase halten müssen. «Magnin und ich verstehen uns gut», sagte Fink kurz nach dem Wortwechsel. Er hatte sich bereits wieder beruhigt. Und eigentlich wollte er ja bloss dies erreichen: etwas Verständnis für seine Mannschaft. Sieben U-21-Spieler seien auf dem Platz gestanden, «und wenn viele Topspieler fehlen, merkt man dies schon in einem Derby». Bei den Grasshoppers ist tatsächlich mehr als eine halbe Mannschaft verletzt. Das Problem ist nur: Mit diesen Spielern waren sie vorher auch nicht viel besser.

«Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir bis zur Winterpause 30 Punkte haben.»

Bei alldem ging fast vergessen, wie gut der FCZ an diesem Sonntag gewesen war. «Fussball und Leidenschaft» habe er wieder gesehen, sagte Magnin. Und einer dachte schon wieder an die Zukunft. Der Sportchef Thomas Bickel sagte: «Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir bis zur Winterpause 30 Punkte haben.» Der Auftrag lautet also: zwei Meisterschaftssiege bis zu den Ferien.

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