Der FCZ vor dem Duell mit YB:Frey brennt, Dwamena suspendiert
Grasshoppers bleiben ohne Punkte

Zwischen Frust und Frustlöser

Etwas will sich Ludovic Magnin an diesem Samstagabend doch noch gönnen. Den Teletext einschalten, Seite 203, und die Tabelle der Super League anschauen. Da steht: 1. Zürich, 4:1 Tore, 6 Punkte. «Ein schönes Bild», sagt Magnin.

2:0 gewinnt Magnins FCZ das Derby gegen die Grasshoppers. Es ist ein logisches Resultat nach einem Spiel, das in der 47. Minute mit dem Tor von Adrian Winter seine entscheidende Szene hat. Magnin kann danach sagen: «Im Moment kippen die Spiele auf unsere Seite.» GC-Trainer Thorsten Fink dagegen muss sagen: «Wir müssen ruhig bleiben.»

Die zweite Minute der zweiten Halbzeit also, dieses Tor von Winter. Der FCZ kommt tief in der GC-Platzhälfte zu einem Freistoss. Marchesano schlägt den Ball weit in den Strafraum, Rüegg legt ihn mit dem Kopf zurück, Merlind Kryeziu verlängert ihn irgendwie noch einmal ein paar Meter zurück zu Winter. «Heute Morgen ist mein Assistent mit dieser Variante zu mir gekommen», erzählt Magnin und klopft Zoltan Kadar dafür auf die Schultern.

Was Winter gelingt, das hat dann allerdings mit einer einstudierten Variante nichts mehr zu tun. Winter nimmt, am Strafraum von Djuricin nicht bedrängt, den Ball mit dem Rücken zum Tor an, dreht sich und schiesst, alles in einer flüssigen Bewegung. Und er trifft unter die Latte. «Eine Riesenkiste», sagt Winter. Keiner widerspricht.

Die starke Phase des FCZ

Das 1:0 reisst den FCZ aus seiner Lethargie der ersten 45 Minuten. Die ist zwar selbstbestimmt, weil er keine Lust hat, sich einen Fehler zu leisten, auf Abwarten spielt und meist mit langen Bällen dem Pressing von GC ausweicht. «Wir spielen keinen Fussball», bilanziert Winter zur Pause. Er tönt frustriert. Es ist frustrierend, diesem Derby zuzuschauen, diesem FCZ, diesem GC.

Aufs Winters Geniestreich folgen ein paar Tempoangriffe des FCZ, der Pfostenschuss von Schönbächler, der Schuss an den Aussenpfosten von Marchesano und nach 62 Minuten das 2:0 durch Stephen Odey. Der 20-jährige Nigerianer spielt nur, weil Michael Frey an der Wade verletzt ist und Raphael Dwamena in erster Linie einen Transfer nach Spanien (Levante?) oder Russland (Lokomotive Moskau?) im Kopf hat.

Nach Odeys Goal kann es sich der FCZ leisten, sich aufs Verteidigen zu verlegen. Er hat im Tor Yanick Brecher, der anders als sechs Tage zuvor gegen Thun fehlerfrei agiert und bei den Schüssen von Tarashaj und Sigurjonsson glänzend reagiert.

Der FCZ hat ein ganz anderes Kader als GC. Allein im Mittelfeld führt er 16 Spieler auf, etliche sind polyvalent wie Captain Palsson und der junge Rüegg, die derzeit in der Abwehr auflaufen. 30 Spieler umfasst das Kader derzeit, das ist sehr viel, selbst angesichts der anstehenden Gruppenspiele in der Europa League. «Unsere Aufgabe als Trainer ist es, sie alle auf dem Boden zu halten», sagt Magnin, «die Mannschaft ist charakterlich einwandfrei, niemand ist beleidigt, wenn er nicht spielt.»

GC leckt die Wunden. Trainer Fink redet von viel mehr Ballbesitz, mehr Flanken, mehr Eckbällen, als könnte er so eine Überlegenheit seiner Mannschaft suggerieren. Mehr Eckbälle? Ja, 8:0. Mehr Flanken? Vielleicht. Mehr Ballbesitz? Die Statistik sieht den FCZ mit 55:45 Prozent im Vorteil.

Das ist ohnehin nur oberflächlich. Wesentlich ist, dass GC wieder verloren hat: zum fünften Mal im siebten Spiel seit Finks Debüt am 28. April bei einem glückhaften 1:0 in Lausanne, vor allem zum zweiten Mal zum Start in diese Saison, in der so alles wieder anders werden soll und GC die Europacup-Plätze anpeilen will.

«Die Saison ist noch lang», sagt Fink. Was banal ist, ist der Versuch, die Lage zu beruhigen. In Bern, beim 0:2 gegen Meister YB, hatte GC noch das Pech, beim Stand von 0:0 keinen Elfmeter zu bekommen. Nach dem Platzverweis gegen Doumbia war es dann verloren. Gegen den FCZ ist es vor der Pause nie wirklich gefährlich und danach erst, als es mit zwei Toren zurückliegt.

Die Hoffnung von GC

«Wir sind im Abschluss einfach zu schlecht», stellt Fink fest. Es ist eine schonungslose Analyse des Offensivspiels seiner Mannschaft. Die Mängel beginnen schon ganz hinten, bei den Aussenverteidigern Lika und Rhyner, die nicht mehr als Notbesetzungen sind und keinen Druck nach vorn entwickeln.

Vor allem muss Finks Kritik für Jeffrén, Sigurjonsson, Holzhauser, Bahoui und Djuricin gelten. Von ihnen muss viel mehr kommen, wenn GC seine Ziele erreichen will, nur schon einmal viel mehr Leidenschaft und Feuer, als sie gegen den FCZ zeigen. Wenn ihnen mit dem Ball am Fuss auch noch etwas einfallen würde, wäre das auch nicht so schlecht.

Sigurjonsson, der neue Captain, entlädt seinen Frust nach einer Stunde, als er den davonstürmenden Rüegg übel von den Beinen holt und einen kurzen Moment lang für giftige Derbystimmung sorgt. Sigurjonsson kommt mit einer Verwarnung davon, er ist damit gut bedient.

Fink hat in den letzten Tagen wiederholt vom heimgekehrten Shani Tarashaj geschwärmt, er hält sein Talent für überragend. Tarashaj muss nach einem Jahr mit vielen gesundheitlichen Problemen zuerst einmal körperlich wieder in Form kommen. Aber wer die Abschlussschwächen von GC sieht, kann die Hoffnung, die Fink in Tarashaj setzt, durchaus nachvollziehen.

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