Die Krise ist Tatsache – der FCZ verliert zu Hause gegen Lugano 0:1
«Die Saison kann auch in der Sackgasse enden»

Auch 45 Minuten in Überzahl bringen dem FCZ nichts

Wenn ein alter Haudegen wie Alain Nef in der 80. Minute eingewechselt wird, geht es normalerweise darum, mit Ach und Krach einen Vorsprung über die Zeit zu retten. Gestern Sonntag im Letzigrund war das Gegenteil der Fall. FCZ-Trainer Ludovic Magnin schickte den 37-Jährigen auf die Mittelstürmerposition, wo er mit seinen 1,91 Metern wenigstens noch den Ausgleich erzwingen sollte – am ehesten mit dem Kopf. Oder auch sonst irgendwie. Hauptsache, Tor.

Die Bälle flogen danach auch reihenweise hoch in den Strafraum von Lugano. Häufig war zwar ein Tessiner zuerst am Ball. Doch zweimal kam Nef zum Abschluss. Beim ersten Mal war sein Versuch gut, aber nicht gut genug (83.). Nach dem zweiten Mal lag der Ball tatsächlich im Netz von Lugano (89.) – nur störte der Linienrichter die FCZ-Freude. Er streckte seine Fahne in die Höhe, weil er Nef im Abseits gesehen hatte. Es war eine Zentimeterentscheidung, auch die TV-Bilder brachten keine Klarheit.

Die Sympathien sind weg

Magnin nahm den Offsidepfiff sportlich, auch wenn sein FCZ mit der nächsten Niederlage langsam alle Sympathien verspielt hat, die er sich mit dem Cupsieg im vergangenen Frühsommer und dem Europacup-Hoch im Frühherbst verdiente. Seit Anfang November hat die Mannschaft nur noch drei von 16 Spielen gewonnen.Als der Match gegen Lugano vorbei war, schritten die Spieler zwar Richtung Südkurve, behielten aber einen Sicherheitsabstand. Die Stimmung ist schon besser gewesen. Es gab Pfiffe wie schon am Donnerstag im Cup beim sportlich total missratenen Auftritt gegen den Challenge-LeagueClub Kriens, der nur mit Glück siegreich endete.

Ob der FCZ in der Krise sei, wurde Magnin nach dem Match gefragt. «Es gibt Mannschaften, die gerne unsere Krise hätten», antwortete der Romand. Das mag stimmen, der FCZ liegt noch auf Rang 5. In Abstiegsgefahr dürfte er kaum geraten, dafür sind GC und Xamax zu schwach. Doch Platz 8 mit Lugano ist nur noch drei Punkte entfernt. Und seine eigenen Ansprüche erfüllt der Club bei weitem nicht.

«Wenn wir gut verteidigen und arbeiten, dann werden wir belohnt», hatte Magnin vor dem Lugano-Match gesagt. Doch seine Mannschaft verteidigte nicht gut, vor allem nicht in der 30. Minute, als sie ein Tor zuliess, ob wohl sie mit zehn Spielern gegen vier Luganesi deutlich in Überzahl war: Winter verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball und tat danach nichts mehr, um ihn zurückzugewinnen. Rüegg und Bangura stoppten Gerndts Lauf nach dem Doppelpass mit Sadiku auch nicht. Und Goalie Brecher sah beim Abschluss des schwedischen Stürmers auch nicht besonders gut aus.

«So darf nie ein Tor fallen», kommentierte Magnin. Sein Team konnte das Resultat nach der diskreten ersten Hälfte nicht korrigieren, obwohl es nach GelbRot gegen Kecskes (45.) die zweite Halbzeit in Überzahl agierte. Der FCZ spielte nach der Pause zwar vorwärts, optisch sah das gar nicht schlecht aus. Er kam auch zu mehreren Chancen. Doch die Mannschaft hat schon lange Mühe, Tore zu erzielen, und verlor sich auch dieses Mal in ihrer Harmlosigkeit. Nur GC und Xamax haben seltener getroffen.

Magnin hatte sich bereits nach der Partie gegen Kriens auf Gegenwind eingestellt. Er kann die Kritik am FCZ nachvollziehen nach 16 Partien mit nur drei Siegen. Seine Position ist aufgrund der jüngsten Resultate nicht in Gefahr. Das ist nachvollziehbar, der FC Zürich leidet auch an der Unterform von Spielern wie Bangura, Hekuran Kryeziu oder Odey. Er hat viele Verletzte. Er leistet sich individuelle Fehler. Und trotzdem gilt auch: Geht es weiter wie zuletzt, wird es sicher nicht ruhiger.

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