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«Wir erfüllen unsere Ansprüche nicht»
Der FCZ hilft sich und GC mit einem Doppelschlag

Aus dem FC Zürich wird man derzeit nicht schlau – Favre ist weit weg

Wenig braucht es, damit man sich Erleichterung verschafft. Der FC Zürich hat soeben den Aufsteiger und Tabellenvorletzten aus Neuenburg 2:1 besiegt, und im Kabinengang des Stadions hallt ein Schrei. Gedanken an hohe Zielsetzungen und an einen Spielstil à la Lucien Favre, den früheren FCZ-Trainer, sind indessen Welten entfernt. Draussen regnet es, drinnen sagt der FCZ-Goalie Yanick Brecher, dass zwischendurch «gar nichts mehr gegangen» sei und «einzig der Sieg» zähle. Egal wie. Und das zu Hause gegen Xamax. Einfach irgendwie.

Seit Wochen, nein, seit Monaten hat der FC Zürich einzig gegen GC gewonnen, was in der laufenden Saison kein Kunststück ist. Und er krampfte sich gegen den unterklassigen SC Kriens trotz einer haarsträubenden Performance in den Cup-Halbfinal. Sonst hat er seit Anfang November 2018 nicht mehr gewonnen, weder international noch national, weder gegen die SSC Napoli noch gegen Thun, Lugano, Luzern, YB, St. Gallen, Basel, Xamax und Sitten.

Was würde Uli Forte denken?

Bis zu diesem Sonntagnachmittag und dem 2:1-Erfolg gegen Xamax, der vor der Länderspielpause das wenig schmeichelhafte Fazit zurücklässt: Der FC Zürich lässt weiterhin wenig erkennen, was Optimismus provozieren würde und auf eine Entwicklung in eine positive Richtung schliessen liesse. Das ist nicht viel und führt direkt zum Gedankenspiel, was wohl der frühere und im Februar 2018 entlassene FCZ-Trainer Uli Forte denkt, wenn er den Zürchern vor dem Fernsehgerät zuschaut.

Zwei Mitglieder des Xamax-Staff verfolgten den Match auf der Tribüne. Ihre Äusserungen bildeten das Spiel ab. In der Anfangsphase sagten sie «calme, calme», nachher bei entsprechenden Spielsituationen und mutigerer Spielweise der Neuenburger mehrfach «vas-y», was in der 55. Minute prompt zur 1:0-Führung durch Pietro Di Nardo führte. Doch die Zürcher gaben wie schon vor Wochenfrist in Thun nicht auf und kehrten den dürftigen Match bis zur 76. Minute dank zwei Toren Benjamin Kolollis, des besten FCZ-Spielers, und Stephen Odeys, der von der Vorarbeit ebendieses Kololli profitierte. «Non, non, non», war auf der Tribüne von den Xamax-Beobachtern zu hören.

Da habe «ein bisschen etwas gefehlt», sagte der Xamax-Trainer Stéphane Henchoz, der mit seinem Team nahe dran war, die Grasshoppers weiter zu distanzieren – mit den defensiven Mitteln, die den Neuenburgern zur Verfügung stehen. Die Bilanz Henchoz’ ist jetzt ausgeglichen: Drei Siegen stehen drei Niederlagen gegenüber. Auf der anderen Seite führte der Coach Ludovic Magnin die problematische und für alle sichtbare Zähheit des FCZ-Spiels auf die frühe Verletzung Hekuran Kryezius zurück, wonach er den als Innenverteidiger nominierten Grégory Sertic ins Zentrum des Mittelfelds beorderte. Das sei ein Fehler gewesen und habe die Mannschaft «total aus der Bahn geworfen», sagte Magnin, aber er habe in der Mitte nicht mit zwei Jungen spielen wollen. Der Trainer war mit sich erst zufrieden, als er nach der Pause Kevin Rüegg ins Zentrum verschob.

12:2 Corner

Am Ende gilt es branchenüblich, das Glas halb voll zu sehen. Der FCZ gewann wieder einmal, auch in der Corner-Statistik 12:2. Er bleibt in Sichtweite des 3. Ranges und hat jetzt immerhin 11 Punkte zwischen sich und dem von Xamax gehaltenen Barrage-Platz. Er hat einen durchaus selbstkritischen Trainer und gottlob Benjamin Kololli, der Verdrängung, Wille und Übersicht mitbringt.

Die 8562 Zuschauer drücken zwar den Schnitt auf 10 426, aber immerhin wurde in der Fankurve kein Pyro-Material gezündet, und es flogen keine Fackeln auf das Spielfeld. Das kann an einem Wochenende wie diesem durchaus als Erfolg gewertet werden. Manchmal muss man mit wenig zufrieden sein. Das ändert nichts daran, dass man aus dem Projekt FCZ zurzeit nicht schlau wird.

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