Nur noch desolat

Basel gewinnt 4:0 und zeigt dem FC Zürich die Grenzen auf

Da war nichts mehr. Nur Sekunden der Leere. Die Hände in den Hosentaschen der engen Jeans, stapfte er von der Trainerbank in Richtung Kabine. 0:4 hatte seine Mannschaft verloren, der FCZ-Trainer Ludovic Magnin war still und stiller geworden in der zweiten Halbzeit, als sein Team auseinandergefallen war. Magnin verschwand in den Katakomben.

Schwache FCZ-Defensive

Angefangen hatte es in der 51. Minute, als Magnin noch voller Energie und Temperament war. Bua hatte Sohm von hinten gefoult, der FCB-Angreifer wurde dafür nur verwarnt. Magnin wollte die Rote Karte sehen, nicht ganz zu Unrecht, Bua hatte Sohm an der Achillesferse getroffen und eine Verletzung in Kauf genommen.

Magnin schrie, fuchtelte und verlangte den VAR vom vierten Offiziellen. Es nützte nichts. Als nach dem Freistoss der FCZ-Verteidiger Rüegg sogleich einen Fehlpass zu Xhaka spielte, rannte der FCB-Spieler los, lancierte Campo, der einen schönen Pass in den Laufweg von Bua spielte – der zuvor Verwarnte traf zum 2:0.

«Das hat uns mental ein wenig das Genick gebrochen», sagte Magnin nach dem Spiel. Er meinte den zweiten Gegentreffer, aber auch den Fehlentscheid aus seiner Sicht. Nicht einmal zehn Minuten hatte das Spiel gedauert, bis der FC Basel in Führung ging. Das Tor hatte sich angekündigt. Der FCZ hatte dem Gastgeber viel Raum und Zeit zur Entfaltung gegeben und liess sich in der eigenen Platzhälfte einschnüren.

Der FCB kam ohne grossen Aufwand zum Treffer. Bangura und Mirlind Kryeziu verloren Cabral nach einer Flanke von Xhaka aus den Augen, der frisch verpflichtete Brasilianer traf mühelos mit dem Kopf. Es war ein Tor, das dem FCZ einmal mehr ein schlechtes Zeugnis in der Defensive ausstellte.

Auch das FCZ-Spiel nach vorne harzt

Auch der dritte Basler Treffer fiel in diese Kategorie. Der eingewechselte Zhegrova setzte sich gegen vier FCZ-Verteidiger durch. Die defensive Schwäche ist nichts Neues im FCZ. Die Mannschaft von Ludovic Magnin hatte schon vor dem Match in Basel in jedem Spiel durchschnittlich zwei Gegentreffer zugelassen, und Magnin hatte nach der Nationalmannschaftspause gesagt, man habe sich im Abwehrverhalten verbessert. Nach dem 2:0 gegen Thun am letzten Wochenende war davon in Basel nichts mehr zu sehen.

Aber auch das FCZ-Spiel nach vorne stockt und harzt. Magnin musste konstatieren, dass sich seine Mannschaft «eigentlich keine Chance erarbeitet» habe. Zu wirr spielte Popovic, zu limitiert erwies sich der Stürmer Kramer, zu sehr wich Magnins Mannschaft den Zweikämpfen aus. «Wir haben gesehen, dass der FCB derzeit die viel bessere Mannschaft ist, und wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.» Magnin hatte an der Pressekonferenz nach dem Match die Sprache wieder gefunden. Der FCZ hinkt weiter den eigenen Ansprüchen hinterher.

Basel nicht gefordert

So hatten die 22 760 Zuschauer einen FC Basel gesehen, der gegen die biederen Zürcher nie an seine Grenzen gehen musste. Die Mannschaft von Trainer Marcel Koller wurde zu keinem Zeitpunkt gefordert und war in jeder Phase das bessere Team. Nach dem Remis von YB und der Niederlage von Sitten ist der FC Basel nun mit drei Punkten Vorsprung Leader. «Die Saison ist noch jung», sagte der zufriedene Koller, «man kann noch nicht viel sagen – aber so soll es natürlich weitergehen.» Am Sonntag spielt der FCB gegen Luzern, der FCZ muss nach Genf zu Servette.

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