Wieder Black Stars - und Erinnerungen an 1986
Der FCZ kann doch noch gewinnen

Beruhigungsmittel für den FC Zürich – 2:1-Sieg gegen St. Gallen

Am Spielfeldrand war zu sehen, wie sehr sich der FC Zürich und dessen Trainer Ludovic Magnin nach einem Sieg gesehnt hatten, wie gross der Ballast gewesen sein muss, den sie abwarfen, als die 94 Minuten gegen den FC St. Gallen vorbei waren. Magnin riss die Arme in die Höhe und herzte die erstbeste Person, die in greifbare Nähe kam. Der Speaker brüllte, als hätten die über 9000 Zuschauer im Letzigrund einen Abend erlebt, den sie so schnell nicht vergessen werden. «Jetzt haben sie wieder einmal gewonnen», resümierte ein langjähriger Beobachter, als er das Stadion verliess. 3 Punkte, deren 5 insgesamt, das liest sich jetzt etwas besser. Zudem ist die Gefahr des schlechtesten Saisonstarts seit 2012 gebannt.

Immerhin.

Die pure Statistik ist das eine nach diesem allerhöchstens mässigen und über weite Strecken langweiligen Super-League-Spiel. Immerhin drei Tore, dazu überraschend viele Verwarnungen und zwei Platzverweise, die allerdings auf mehr Leben hindeuten, als da tatsächlich gewesen ist. Als nach der Pause der St. Galler Miro Muheim des Platzes verwiesen wurde, meinte der eine oder andere, ein Déjà-vu zu haben. Wie war das doch in den Spielen in Sitten (1:3) und gegen Xamax (2:2) gewesen? Der FCZ lange mit einem Spieler mehr auf dem Platz und doch ohne Sieg. Man ahnte, dass abermals Verunsicherung um sich greifen könnte. Doch dem war schon deshalb nicht so, weil bald darauf auch der Zürcher Mirlind Kryeziu die rote Karte sah. Somit Gleichstand, 10:10. Kein Déjà-vu.

Die Paraden des FCZ-Goalies

Am Ende wäre ein Remis das gerechte Verdikt gewesen, doch der FCZ-Goalie Yanick Brecher tilgte in der Schlussphase mit bravourösen Paraden seinen Fehler, der in der ersten Hälfte nach einem Freistoss Jordi Quintillàs zum 1:1-Ausgleich geführt hatte. Brecher sprach hinterher von einem «big safe». Erst wehrte er den Schuss Moreno Costanzos ab, in der Nachspielzeit jenen Cedric Ittens. Das war’s. Magnin war sichtlich erleichtert und sagte, dass «sich die Mannschaft früher hätte belohnen müssen». Nicht im Spiel gegen St. Gallen, sondern zuvor gegen den FC Sion und Xamax. Er sprach seinem Team ein Kompliment aus, «wie es unter Druck gespielt hat und trotz einem erneuten Rückschlag nicht zusammengebrochen ist». Nicht mehr und nicht weniger als ein möglicher Zusammenbruch blitzte durch den Kopf des Trainers. So schnell kann das gehen.

Natürlich war nicht zu erwarten, einen federleichten FC Zürich spielen zu sehen, dafür war in den letzten Wochen viel zu viel schiefgegangen. Manchmal irritierte, wie wenig zu merken war, dass der FCZ im eigenen Stadion spielte, wie wenig er gegen einen Widersacher zu dominieren vermochte, der vor allem dank spanischem Einfluss spielstärker wirkt als auch schon. Der St.-Gallen-Trainer Peter Zeidler äusserte sich erstaunlich selbstkritisch. Er nominierte zu Beginn ein Team, das im Durchschnitt 22 Jahre jung ist, und eine Abwehrreihe, die es auf nicht mehr als 20 Jahre bringt. So etwas gibt es auch in der Schweizer Ausbildungsliga selten. Doch die Ostschweizer, die jüngst gegen YB trotz der Heimniederlage (2:3) gut bewertet worden waren, taten sich ebenso schwer wie der Gegner.

Keine Schönheit

Es ist nicht gut, wenn sich auf der Tribüne zwei langjährige Beobachter darüber unterhalten, dass in dieser Saison das Challenge-League-Spiel zwischen dem FC Aarau und den Grasshoppers besser gewesen sei, «lustiger». Aber das kann vor allem Magnin egal sein. Für den FCZ kann es derzeit nicht um Schönheitspreise gehen. Da müssen Punkte her, sonst weiten sich Debatten über die Schlagkraft der Mannschaft allzu schnell zum systemimmanenten «Trainer-Play-off» aus.

Am Samstag folgt der Cup-Match in Basel bei den unterklassigen Black Stars. Das wird der nächste Test für den FCZ sein. Er kann zeigen, dass er Stabilität gewonnen hat. Das Publikum wartet darauf zu sehen, dass Spieler wie Mimoun Mahi und Denis Popovic tatsächlich Verstärkungen sind. Vor allem wollte der FCZ erst einmal aus einem gefährlichen Fahrwasser paddeln. Das gelang ihm. Zumindest in der Statistik.

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