Magnin und die blöden Fragen
Dank Traumtor und Rückkehrer

Das Herz des FCZ schlägt wieder

Mit Frust am Flughafen beginnt es. Dann die ständigen Schmerzen, der Rücken, er plagt chronisch. Später die Botschaft, die schwer zu verdauen ist: Der Club will ihn nicht mehr. Vertrags verlängerung? Nicht mit diesem ramponierten Körper. Es folgt die erfolglose Vereinssuche, Arbeitslosigkeit mit erst 29 Jahren, zuletzt ist er nicht einmal mehr daheim in der Nationalmannschaft gesetzt. Das Jahr des Pa Modou: Es ist zum Verzweifeln.

Bis diesen Samstag. Bis zum Cupmatch des FC Zürich gegen Wil aus der Challenge League. 1:1 steht es, der FCZ taumelt, als in der 52. Minute dieser Pa Modou mit dem Kopf an den Ball kommt. Der bullige Verteidiger muss dazu nicht besonders hoch springen, und der Ball kullert vielmehr an zwei oder drei Gegnern vorbei, als dass er fliegt. Doch Tor ist Tor, der FCZ gewinnt und erreicht den Achtelfinal - YB heisst dort der Gegner.

Damit Pa Modou zum Matchwinner für die Zürcher werden konnte, war eine weitere unvorhersehbare Wendung in diesem so turbulenten Jahr nötig. Der Gambier hatte sich in den letzten Wochen immerhin bei der U-21 des FCZ fit halten dürfen, bis die Verantwortlichen erkannten: Sein Rücken hält ja. Immer wieder im Laufe der vergangenen Saison hatte Pa Modou deswegen gefehlt, wochenlang, im Winter verzichteten sie deshalb sogar darauf, ihn mit ins Trainings lager zu nehmen. Für seinen Geschmack hätten sie ihm dies etwas früher mitteilen dürfen als beim Check-in am Flughafen.

Und die Verantwortlichen beim FCZ erkannten noch etwas anderes: Einer wie Pa Modou fehlte, spürbar gar, genau wie der ebenfalls ausgemusterte Alain Nef, denn er war in seinen zwei Zürcher Jahren wichtig geworden für die Garderobe, als Frohnatur, als Leader, als Integrationsfigur für die afrikanischen Teamkollegen. «Ich bin zwar erst zwei Jahre hier, aber ich fühle mich beim FCZ einfach zu Hause», sagt er.

Nach dem schlechten Saisonstart war der Club gefordert, sie müssten über die Bücher, hatte Sportchef Thomas Bickel vor der Länderspielpause angekündigt. Und so kam es, dass sich die beiden Parteien vor knapp zwei Wochen auf einen neuen Vertrag einigten, bis Ende dieser Saison, und Bickel sagt: «Es ist eine Win-win-Situation.» Er spricht von «einer neuen Situation», doch das könnte man auch anders umschreiben. Man sagt dem auch: sich einen Fehler eingestehen.

«Bestes Gefühl überhaupt»

Erst am Donnerstag kehrt Pa Modou von einer Länderspielreise aus Angola zurück zu seinem neuen, alten Verein, gegen die Südwestafrikaner bestritt Gambia zwei Spiele im Rahmen der Qualifikation zum Afrika-Cup - ohne Pa Modou, der sass 180 Minuten auf der Bank. Zweimal trainiert er daraufhin mit seiner neuen, alten Mannschaft, und weil Levan Charabadse kurzfristig wegen Krankheit Forfait geben muss für den Cupmatch in Wil, braucht Ludovic Magnin gleich seinen neuen, alten Aussenverteidiger. «Ich wusste, dass ich ihm vertrauen kann. Ich weiss das bei ihm zu 100 Prozent», sagt der Trainer nach dem 2:1.

«Es ist das beste Gefühl überhaupt», freut sich Pa Modou, der ein paar Meter weiter steht und die letzten acht Monate mit einem Lachen im Gesicht rekapituliert. Er beteuert, dass er nie die Zuversicht oder Hoffnung verloren habe. «Ich bin mental so stark, dass ich nie Angst hatte. Generell habe ich nie Angst - nur wenn es um meine Familie geht», sagt er, wohl auch mit Gedanken an seinen Teamkollegen Umaru Bangura, der nach einem Penalty-Fehlschuss mit dem sierra-leonischen Nationalteam in seinem Haus von aufgebrachten Fans bedroht wurde. Auch Bangura spielt trotz der Turbulenzen am Samstag gegen Wil - und trägt eine Mitschuld am 0:1 der St. Galler durch Valon Fazliu schon in der 15. Minute.

Mit einem Traumtreffer aus der Distanz in der 36. Minute leitet Marco Schönbächler die Wende ein, die Pa Modou auf der anderen Seite der Halbzeitpause perfekt macht. «Eine sensationelle Geschichte», jubelt Trainer Magnin hinterher, dessen Lage nach einem frühen Out im Schweizer Cup nicht gemütlicher geworden wäre. Aber er freue sich weniger für sich als für Pa Modou: «Er hat ein riesiges Herz und tut der Mannschaft mit seiner Mentalität richtig gut.»

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