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Urs Fischer in der FCZ-Kabine
13 Sekunden als Sinnbild für den FCZ

Den FCZ zum Zuschauer degradiert

Es war in der 72. Minute, als sich vor dem FCZ-Stürmer Assan Ceesay der freie Raum öffnete. Der Gambier rannte los und trieb den Ball Richtung Strafraum der Young Boys, bis ihn der YB-Verteidiger Mohamed Ali Camara an der Schulter leicht touchierte und Ceesay umfiel, als wäre er böse gefoult worden. Ceesay wälzte sich am Boden, legte sich auf den Rücken und schaute in den grauen Himmel. Und wie er so am Boden lag, schoss YB das 1:0: weiter Abstoss von Goalie von Ballmoos, Kopfball-Verlängerung Hoaraus auf Nsame, zwei unsortierte FCZ-Verteidiger – Tor.

Es war nicht nur die Szene, die den Match entschied. Es war auch die Szene, die den Zustand des FCZ in diesem Jahr gut zusammenfasst. Die Zürcher sind am Boden. Wenig passt zusammen. Ein kleiner Schubser, und sie fallen um. Und auch der Schiedsrichter mag wieder einmal eine Situation, die man auch hätte pfeifen können, nicht zugunsten des FCZ entscheiden. Aber der FCZ hätte es auch nicht verdient gehabt.

«Man hat schon gespürt, dass YB gefühlt fünfzig Punkte mehr hat als wir.»

«Ich rede nicht mehr über den Schiedsrichter, das würde Seiten füllen», sagte der FCZ-Trainer Ludovic Magnin über die Szene. Schon in der Vorwoche hatte den FCZ im Derby gegen GC ein Offsidetor zwei Punkte gekostet. Der FCZ-Trainer gab sich nicht dazu her, den Unparteiischen die Schuld an der Niederlage gegen den Meister in die Schuhe zu schieben. «Wir wurden von YB dominiert, aber wir hatten auch unsere Chancen», sagte Magnin.

Es waren vielleicht zwei oder drei Situationen, in denen seine Mannschaft in die Nähe eines Torerfolges gekommen war. YB dagegen hatte Chancen im zweistelligen Bereich. YB degradierte den FCZ zum Zuschauer, der die Gelb-Schwarzen artig zu begleiten schien, wenn YB nach Belieben das Geschehen diktierte. Magnin sagte: «Man hat schon gespürt, dass YB gefühlt fünfzig Punkte mehr hat als wir.»

Ganz so gross ist der Vorsprung von YB nicht, 44 Punkte beträgt er derzeit. Ob 44, 50 oder 100, das kann Magnin derzeit nicht kümmern. Sorgen muss sich der FCZ-Trainer über den Vorsprung machen, der seiner Mannschaft noch auf den Barrage-Platz bleibt. Auf gerade noch 5 Zähler ist er zusammengeschmolzen, nachdem Xamax am Samstag in Luzern gewonnen hatte. «Ich schaue in der Tabelle immer nach hinten», sagte Magnin, «aber ich schaue immer auch nach vorne.» Also nochmals: Ist er beunruhigt? «Nein, ich spüre, dass die Mannschaft wieder Tritt fasst und einige unserer verletzten Führungsspieler daran sind, zurückzukehren», sagte er.

So bezeichnete Magnin die verbleibenden sechs Partien als «Finalspiele», das erste am kommenden Freitag in Lugano. Danach folgt der Cup-Halbfinal im eigenen Stadion gegen den FC Basel. Es wird jenes Spiel, mit dem der FCZ die enttäuschende Meisterschaft noch retten kann. Der einstige Wunsch, den Platz hinter YB und Basel zu erreichen, liegt derzeit in weiter Ferne.

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