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Ein Trinkhorn voller Geschich te(n)
Als der FCZ auftaut, ist das Spiel vorbei

Der FC Zürich geht im Nebel von St. Gallen unter

Nach 54 Minuten hatte das Schiedsrichtergespann genug: Es schickte Ludovic Magnin auf die Zuschauertribüne. Der Trainer des FC Zürich hatte seit Spielbeginn fast pausenlos lamentiert. Magnin meinte hinterher, es hätte in dieser Saison Partien gegeben, in denen er das eher verdient gehabt hätte, denn diesmal habe er einen «anständigen Wortschatz» verwendet.

Manchmal können solche Ereignisse ein Team aufwecken, aber in diesem Fall blieb eine positive Reaktion aus. Magnin hatte sich kaum hingesetzt auf seinen neuen Platz auf der Tribüne, da fiel die Vorentscheidung im Match. Simone Rapp schloss für die St. Galler einen Konter zum 2:0 ab.

Rapps Odyssee in Lausanne

Rapp war auch am Ursprung von Magnins emotionalen Ausbrüchen gestanden. Der Stürmer war in der 13. Minute in die Tiefe gesprintet und lieferte sich ein Gerangel mit dem hintersten Zürcher Feldspieler Andreas Maxsö. Rapp setzte sich durch, prallte in den Torhüter Yanick Brecher und erzielte im Sitzen das 1:0. «Foul», ertönte es aus vielen Zürcher Kehlen, aber der Schiedsrichter Alain Bieri liess das Tor zählen. Man musste in diesem Moment bereits Böses für den FCZ befürchten. In Partien, in denen er 0:1 in Rückstand geraten ist, hat er in der gegenwärtigen Meisterschaft erst zwei Punkte gewonnen.

Rapp also war der Mann des Abends, ausgerechnet er, ein Spieler, von dem man denken konnte, seine Karriere habe früh stagniert wegen eines unbedachten Transfers. Vor einem Jahr hatte Rapp von Thun nach Lausanne gewechselt. Es hiess, die Waadtländer hätten rund eine Million Franken bezahlt, die klammen Berner Oberländer brauchten das Geld. Doch Rapp fand am neuen Ort nie in den Tritt; alsbald haftete ihm das Etikett des teuren Fehleinkaufs an – und Lausanne stieg mit ihm in die Challenge League ab.

Auf tieferer Stufe wurde es nicht besser. Der Trainer Giorgio Contini setzte je länger, je weniger auf Rapp, und so wurde der Weg frei für ein Leihgeschäft im Winter. Schon nach dem ersten Match kann festgehalten werden, dass Rapp für die St. Galler zum grossen Glücksgriff werden könnte. Solch ein durchsetzungsstarker Spieler im Angriffszentrum fehlte der Equipe, nachdem sich Cedric Itten im Herbst eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte.

Schönbächler: «Abend zum Vergessen»

Für den FCZ war es ein «Abend zum Vergessen», wie es Marco Schönbächler formulierte. Der Offensivspieler vermisste Aggressivität und Präsenz. Magnin sprach sogar von fehlender Mentalität. Dabei waren die Zürcher einigermassen gut ins Spiel gestartet. Sie hatten ein klares Plus an Ballbesitz und zeigten die flüssigeren Kombinationen, doch mit dem 0:1 kam der grosse Bruch. Viele Zürcher tauchten richtiggehend ab in der kalten St. Galler Nebelsuppe, sie wirkten wie Gespenster und schlichen eher im Trüben herum, als dass sie spielten. Die neuen Aussenverteidiger Charabadse und Untersee hatten Drang nach vorne, blieben aber oft hängen.

Der FCZ verpasste es, Druck aufzubauen auf eine St. Galler Innenverteidigung, die aus dem 21-jährigen Silvan Hefti und dem 16-jährigen Leonidas Stergiou bestand. Letztgenannter gab sein Super-League-Debüt. Er hatte erst kurz vor dem Match den ersten Profivertrag unterschrieben.

Und so sagte der Zürcher Schönbächler auch: «Am Samstag müssen wir ein anderes Gesicht zeigen.» Am Samstag findet das Derby gegen GC statt. Der von Magnin ins Auge gefasste 2. Rang liegt schon 8 Punkte entfernt.

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