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Leiden mit Ancillo Canepa
Wer gewinnt, erntet Kritik, wer verliert, Lob – oder wie war das nochmals?

Der FCZ feiert in Thun ein Remis – dank einem Penaltytor in der Nachspielzeit

Es brauchte mehr als 90 Minuten und das ungefähr 1000. Kapitel der endlosen Abhandlung, wann im Strafraum ein Handspiel vorliegt, damit der FC Zürich in Thun wenigstens einen Punkt rettete. Der Schiedsrichter Alain Bieri sprach hinterher von einem «schwierigen Entscheid», von einer «Vergrösserung des Körpers», als der Ball dem Thuner Stefan Glarner in voller Bewegung und aus Nahdistanz an die Seite des Körpers flog. «Was soll ich tun?», entgegnete der Spieler, «der Ball kam aus zwei Metern».

Ob in der Champions League um zweistellige Millionenbeträge oder in der Super League um Punkte, Anschluss, Wiedergutmachung und Ehre gespielt wird – man wird noch in zehn Jahren über solche Entscheide debattieren. «Die Schiedsrichter werden Szenen wie diese künftig strenger beurteilen», sagte Bieri, auf Weisungen der Uefa abzielend. Benjamin Kololli nutzte die ihm gebotene Chance. 2:2 in der Nachspielzeit.

Der unterhaltsame und offene Match bot nicht nur wegen des Handselfmeters reichlich Gesprächsstoff, was für die Super League schon einmal nicht schlecht ist, obschon sich die Thuner Verantwortlichen die Frage stellen müssen, warum in der Phase des Erfolgs nicht mehr Publikum angelockt wird. Gegen den FCZ waren 5116 zugegen, was den Schnitt auf etwas mehr als 5900 und auf das Niveau der letzten Saison drückt. Das sind Alarmzeichen im Kleinen, die zu denken geben müssen. Wann hat der die Liga belebende FC Thun Publikum, wenn nicht jetzt?

Der Thun-Trainer Marc Schneider suchte nach dem Spiel Experten, die ihm die Hands-Regel im Strafraum erklären können, «weil sich die Spieler ja nicht wie Pinguine bewegen können». Die Arme am Körper, auch im dynamischen Bewegungsablauf? Unmöglich. Die Berner Oberländer waren nahe dran, den Gegner auf nicht weniger als 10 Punkte zu distanzieren. Doch irgendwann wurde dem FCZ-Trainer Ludovic Magnin etwas zu viel über Thun und das Handspiel geredet, und er wies auf eine Penaltyszene beim Stand von 0:0 in der ersten Halbzeit hin, die «aus 500 Metern» zu erkennen gewesen sei. Der Thuner Goalie Guillaume Faivre hatte Kololli zu Fall gebracht.

Der erstaunliche Parcours des FC Thun wäre wahrscheinlich auch durch einen 0:1-Rückstand nicht zum Stillstand gekommen, dafür war dessen Performance zu solidarisch, gefestigt, von Selbstvertrauen getragen und nach vorwärts orientiert. Obschon sich der FC Zürich in besserer Verfassung als zuletzt präsentierte, war in keiner Weise erkennbar, welche Mannschaft für sich zumindest den 3. Rang beansprucht und welche sich unverdrossen den Ligaerhalt zum Ziel setzt. Magnin hob die Intensität hervor und lobte «die Moral und den Charakter» des Teams. Nach den Rückschlägen in den letzten Wochen war dem Trainer anzumerken, wie wohl ihm der mit dem letzten Zwick erreichte Punktgewinn tut.

Trotzdem fragte man sich, wie leicht die Thuner in der ersten Halbzeit zum 2:1-Vorsprung kamen, zur Stelle war für einmal nicht der Topskorer Dejan Sorgic, sondern Basil Stillhart mit seinen Saisontoren 2 und 3. Die Zürcher Verteidigung war viel zu lasch und musste dem Widersacher ein Chancenplus zugestehen. Natürlich sind die Zürcher jung und hatten zum Beispiel mit Simon Sohm einen noch nicht 18-Jährigen im zentralen Mittelfeld. Dennoch verflüchtigt sich bei ihnen der Verdacht nicht, dass schon länger mehr geredet und angekündigt und weniger geleistet wird. Ganz im Gegensatz zum FC Thun, der sich einen Gegner wie den FCZ vom Leib hält, als könnte das selbstverständlicher nicht sein.

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