Magnin fehlt die Mayonnaise
Europa League: Napoli belebt sich mit der Hilfe des FC Zürich

Der FCZ hat Hemmungen

Dreizehn Stunden nach dem 1:3 gegen Napoli sass Ludovic Magnin im Trainingsanzug in der Zürcher Saalsporthalle und beschäftigte sich mit einem psychologischen Problem: Hemmungen. So wie der Berner Sänger Mani Matter in seinem berühmten Lied. Magnin sagte: «Die Hemmungen meiner Mannschaft zu erklären, fällt mir noch schwer.» Mit der Niederlage hatte er sich abgefunden, weil diese Partie eine Grenzerfahrung für die Spieler war. Mit der Art und Weise des Verlierens hingegen war Magnin nicht einverstanden.

Für einmal sah der Trainer für die grossen Spiele in einem grossen Spiel eine kleine Mannschaft. Noch nie hatte Magnin den FCZ in einer bedeutenden Partie so eingeschüchtert erlebt wie an diesem Abend. Er war bisher der Coach für die magischen Momente, so wie gegen Leverkusen, in den Zürcher Derbys oder im Cup-Final gegen YB. Aber diese Nacht war nicht magisch, es war eine verwunschene Nacht zum Vergessen.

«Nichts schönreden»

Der Sportchef Thomas Bickel stand nach dem Spiel vor dem Letzigrundstadion, rauchte eine Zigarette und sagte, er habe keine Mannschaft gesehen, «die erste Halbzeit war enttäuschend, das muss man nicht schönreden». Wenn es etwas gab, was der FCZ in dieser Nacht wirklich gut machte, dann dies: Er hatte Mut zur Selbstkritik. «Katastrophal» habe man vor der Pause gespielt, sagte der Goalie Yanick Brecher, «total überfordert» seien sie gewesen. Und der Captain Alain Nef meinte, nein, das Spiel sei nicht schwierig gewesen, «es war bloss sehr schlecht, ohne Mut und Aggressivität». Etwas von dieser radikalen Ansprache hätte man dem FC Zürich auch zuvor im Spiel gewünscht.

Der FCZ-Präsident Ancillo Canepa hatte vor ein paar Tagen in einem Fernsehstudio gesagt, er wünsche sich gegen Napoli nichts Besonderes, «bloss keinen Angsthasen-Fussball». So weit muss man nicht gehen. Aber das wirklich Enttäuschende aus Sicht der Zürcher war, dass sie nicht so spielten, wie sie es in guten Momenten eigentlich können, dass sie nichts von dem umsetzten, was sie sich zu Beginn vorgenommen hatten. Es war, als ob die Spieler eine Vereinbarung gebrochen hätten. «Sie haben zu Beginn des Spiels überhaupt nicht gemacht, was abgemacht war», sagte Magnin.

Der Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu stand nach dem Spiel vor den Medien und sagte: «Wir haben gesehen, wie hervorragend Napoli Fussball spielt.» Unabsichtlich drückte er damit aus, was man dem FCZ am ehesten zum Vorwurf machen musste: die Zuschauerrolle, die er in diesem Spiel lange Zeit einnahm. Als ob die Spieler aus einem fahrenden Zug die Landschaft bewunderten.

Mit Napolis Erlaubnis

Erst in der zweiten Halbzeit, als das Spiel entschieden war, «haben wir ein bisschen besser gespielt», sagte Magnin. Sie taten dies mit der stillen Erlaubnis der SSC Napoli, den Gegner ein wenig besser aussehen zu lassen.

Magnin war in den ersten Momenten nach dem Spiel gar nicht einmal wütend oder aufbrausend, eher ernüchtert von seiner Mannschaft, die er nicht verstehen konnte. Manchmal stand er an diesem Abend an der Seitenlinie und schaute so aufs Feld, als ob er diese Spieler gar nicht kennte. So fremd waren sie ihm. Der Sportchef Bickel sagte, bei aller Qualität Napolis habe er ein Problem in der Mentalität des FCZ festgestellt. «Wenn man die nicht auf den Platz bringt, muss man das sehr kritisch hinterfragen.» Irgendwann spät am Abend wurde Magnin von einem italienischen Journalisten gefragt, wie gross er die Qualifikationschancen nun noch einschätze. Er sagte: «Wir sind nicht verrückt.» Das bedeutet in der Übersetzung: Sie sind nicht mehr gross.

Aber zuerst trifft der FCZ am Sonntag in Bern auf die Young Boys. Benjamin Kololli und Hekuran Kryeziu sind gesperrt. Vermutlich wird der neu verpflichtete 29-jährige französische Mittelfeldspieler Grégory Sertic erstmals spielen. Von ihm erhofft sich Magnin, dass er der Mannschaft die Hektik austreibt. Und die Hemmungen.

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