Der FCZ bleibt in Luzern ohne Gegentor – und sieht sich wieder in der Opferrolle
«Lächerlich»: Wie der FCZ auf den missglückten Saisonstart reagiert

Der FCZ kämpft mit sich und der Welt

Nicht verloren, wenigstens das. Es ist ein erstes Fazit, das die Spieler des FC Zürich nach dem 0:0 gegen Luzern in die Kabine nehmen. «Einen Schritt vorwärts», nennt es Captain Yanick Brecher. «Eine Reaktion», meint Marco Schönbächler und denkt an das 0:4 gegen Lugano in der ertsen Runde. «Ich bin etwas beruhigt», sagt Trainer Ludovic Magnin und verweist auf das Auf und Ab während des Spiels.

Vielleicht ist es nur eine Laune des Moments, wie sich der FCZ in diesen Tagen präsentiert. Fragil und liederlich, dann aber wieder impulsiv und spielstark. Vielleicht ist diese fehlende Konstanz aber auch zur festen Eigenschaft dieser Mannschaft geworden. Eine Mannschaft, die die Gabe hat, mehrmals pro Partie das Gesicht zu wechseln.

Der FCZ beginnt defensiv und kommt zur ersten Chance, Mimoun Mahi trifft das Tor nicht mit einem Schuss, an dem auch noch Assan Ceesay vorbeischliddert. Verpasste Chancen, das kennt der FCZ zu Genüge. Es sind Knüppel zwischen die Beine eines Unsicheren, der tatsächlich bald aus dem Tritt gerät. Innert weniger Minuten steht ein anderer FCZ auf dem Platz. Nörgelnd und mies gelaunt.

Nörgeleien und Nervosität

Die Spieler schiessen Bälle weg, sie stürmen nach unliebsamen Foulpfiffen mit wild fuchtelnden Armen auf den Schiedsrichter zu. Und auch Trainer Magnin kann sich eine halbe Minute lang mit dem vierten Schiedsrichter über seine Fussstellung in seinem Trainerrayon unterhalten. Konfrontiert man die Spieler mit ihrem Verhalten, antwortet Schönbächler: «Wir wollten den Schiedsrichter auf unsere Seite ziehen.» Sicher eine nette Absicht, doch es bleibt fraglich, wie wohlwollend Spielleiter auf geschrieene Detailkritik reagieren. Tatsächlich folgert Schönbächler: «Es hat nicht funktioniert.» Magnin wiederum kann in diesen Momenten seine Spieler verstehen, er sei ja früher nicht anders gewesen.

Die Nörgeleien sind kleine Zeichen für grosse Nervosität im Club. Magnin hat einmal gesagt, dass es für ihn im Leben nichts Schlimmeres gebe als die Ungerechtigkeit. Es scheint, als ob sich dieses Gefühl auf seine Mannschaft übertragen hat, dieses Fühlen einer steten Ungerechtigkeit. Diese Beklemmnis, es nicht nur mit Luzern, sondern der ganzen Welt aufnehmen zu müssen. Dabei würde dem Club etwas Gelassenheit gut tun, stattdessen reibt er sich auf an Dingen, die eine Spitzenmannschaft ein Lächeln kosten würde - doch der FCZ lächelt nicht, er regt sich auf.

Steigerung nach der Pause

Der FCZ ist aber auch eine Mannschaft, die ihr Spiel umstellen kann. Steht sie in der ersten Halbzeit bevorzugt tief und versucht es mit langen Bällen, spielt sie diese nach der Pause plötzlich kurz - und sogleich stellt sich etwas Stil ein und die Nörgelei verschwindet. Symbol für den Wandel ist Schönbächler. Vor der Pause musste man ihn auf dem Rasen suchen. Nach Wiederanpfiff bekommt er viele Bälle, setzt sich im Dribbling gegen drei Gegner durch und sieht wenig später seinen Schuss aus 30 Metern an die Latte knallen.

Es geht nun hin und her. Mahi und Charabadse vergeben vorzügliche Gelegenheiten. Auch Luzern kommt zu Chancen, weil Kololli einen fürchterlichen Fehlpass spielt, weil Innenverteidiger Bangura in der gegnerischen Hälfte Bälle verliert. Doch auch Luzern trifft nicht.

Es bleibt beim 0:0 und dem Fazit: Der FCZ hat grosse Mühe, Tore zu schiessen. Er spielt wenig konstant. Das Selbstbewusstsein aus der Vorbereitung ist bereits verloren gegangen - nach zwei Spielen. Positiv stimmt einzig: Das 0:0 kann dem FCZ etwas Kraft geben, um der Welt wieder mit etwas mehr Gelassenheit in die Augen zu schauen.

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