Beruhigungsmittel für den FC Zürich – 2:1-Sieg gegen St. Gallen
Die Frauen wollen auf der WM-Welle reiten

Der FCZ kann doch noch gewinnen

Ruiz schiesst, Brecher hält. Costanzo schiesst, Brecher hält. Itten schiesst, und wieder ist es Yanick Brecher, der gar glänzend pariert. In den letzten Minuten macht er das, wofür er im Tor des FC Zürich steht. Und er rettet das, was er und seine Mannschaft so dringend gebraucht haben: Das ist der Sieg gegen St. Gallen, der erste nach einem ziemlich missglückten Saisonstart mit nur zwei Punkten in vier Runden.

2:1 steht es am Ende, nach 94 Minuten und vielen nervösen Momenten, gerade in der Schlussphase. Das sei «immens wichtig» gewesen, sagt Brecher, nun bekämen sie Ruhe.

Seit November gewann der FCZ bis zu diesem Abend gerade noch sechs von 27 Spielen in der Meisterschaft. Das liege eben an ihrer schlechten Rückrunde, sagt Ludovic Magnin, er ist der Trainer, der bereits unter Druck geraten ist, weil die Resultate zum Beginn dieser Saison nicht stimmen.

Er weiss sehr wohl um seine Situation, dafür kennt er das Geschäft gut genug, aber er will sich deshalb nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Er will seine Spieler nicht auf einmal defensiv einstellen und den eigenen Strafraum zumauern lassen. «Wir wollen Fussball spielen», heisst sein Credo. Denn er betont auch immer wieder: Wenn schon scheitern, dann auf seine Art.

Brechers Fehler

Die Absicht im Spiel des FCZ ist erkennbar, die Umsetzung nicht immer überzeugend. Er trägt seinen Teil dazu bei, dass der Match in der ersten halben Stunde von sehr bescheidener Qualität ist. Es wird erst besser, als Antonio Marchesano die Vorarbeit von Mimoun Mahi mit dem 1:0 abschliesst. Drei Minuten später nur holt die Geschichte den FCZ ein, schon wieder gibt er die Führung aus der Hand, wie zuletzt in Sitten und gegen Xamax. Jordi Quintillà dreht einen Freistoss um eine Minimauer herum, Brecher kommt zu spät. Es ist sein Fehler, «den Ball muss ich halten», sagt er. Magnin redet von «Rückschlag».

Kurz nach der Pause verliert St. Gallen den jungen Muheim durch eine Gelb-Rote Karte. Im Fall des FCZ ist das nicht zwingend ein gutes Zeichen. Gegen Sion und Xamax konnte er von Platzverweisen des Gegners nicht profitieren.

Diesmal reagiert er auf seine Art und dezimiert sich drei Minuten später, nach einer Stunde, gleich selbst. Mirlind Kryeziu sieht nach einer unbedachten Aktion ebenfalls die Gelb-Rote Karte. Ceesay bietet sich die grosse Chance zum 2:1, er scheitert an Stojanovic und verpasst es, das Spiel aus seiner Lethargie zu reissen. Das gelingt Mahi bloss ein paar Sekunden später, in der 70. Minute. Überlegt schiebt er den Ball ins Tor, Domgjoni hat ihn freigespielt.

Jetzt erwacht das Spiel zum Leben, weil die St. Galler endlich reagieren müssen, sie haben bis dahin überhaupt nicht gefallen. Das sind nicht die St. Galler, wie sie am letzten Samstag YB an den Rand einer Niederlage brachten. Auch ihr Trainer Peter Zeidler sieht das und versucht, Verständnis für seine gerade in der Defensive junge Mannschaft zu zeigen: «Rom ist auch nicht in einem Tag erbaut worden.»

Mahis Prognose

St. Gallen beginnt also zu drücken. Ein Freistoss von Costanzo wird so abgelenkt, dass er nur einen Hauch an Brechers Tor vorbeifliegt. Der FCZ zittert und braucht einen Torhüter, der seinen groben Patzer beim Ausgleich wieder gutmacht. Er ist herausragend, zumindest sagt das Zeidler. Und er ist dreimal so zur Stelle, dass Magnin bilanzieren kann: «Wir sind nicht zusammengebrochen.»

Er hat bei seiner Mannschaft viel Gutes gesehen. Dass seine Analyse grosszügig ausfällt, sei ihm unbenommen. Es erklärt sich mit der Situation und mit dem Druck, der nach dem Fehlstart auf seinen Schultern gelastet hat.

Dieses 2:1 ist der erste Sieg seit dem 15. Mai und dem 3:0 gegen Thun. Mimoun Mahi denkt schon einmal: «Mit diesem Geist können wir Grosses erreichen.» Am Samstag ist zuerst einmal die Pflicht gefragt. Da trifft der FCZ im Cup auf den Basler Erstligisten Black Stars. «Ein ganz gefährliches Spiel», warnt Magnin.

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