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Nach dem Europa-League-Aus in Napoli: Die Abbitte des FCZ
Der FCZ will sein wahres Ich zeigen

Der FCZ-Trainer Ludovic Magnign sagt vor der Partie in Neapel: «Im Hinspiel haben wir unser gutes Image befleckt»

In Neapel ist der Winterwind schon wieder etwas wärmer, an den Balkongeländern hängt die Wäsche zum Trocknen, Köbi Kuhn steigt aus dem Bus und sagt vor dem Mannschaftshotel des FC Zürich: «Eigentlich haben wir keine Chance.» Seine Frau hat unterdessen die Strassenseite überquert und fotografiert ihn wie einen Touristen.

Kuhn war Schweizer Nationaltrainer und 17 Jahre lang Spieler beim FCZ, im Herbst ist er 75 geworden, mit Siegen und Verlieren beschäftigt er sich beruflich schon lange nicht mehr. Er ist jetzt mit seinem FC Zürich auf einer kleinen Ferienreise.

Versöhnung mit Canepa

1:3 hat der FC Zürich im Hinspiel der Sechzehntelfinals der Europa League gegen Napoli verloren, der Präsident Ancillo Canepa war wegen der gehemmten Darbietung der Mannschaft so aufgebracht, dass er sie tagelang ignorierte. Er sei richtiggehend «die Decke hochgegangen».

Erst als sie gestern Mittwoch gemeinsam nach Neapel reisten, sah er die Spieler wieder. Am Donnerstag haben diese nun die Gelegenheit zur Versöhnung mit ihrem Präsidenten – und mit sich selber. Denn darin sind sie sich einig: Vor einer Woche sahen sie nicht so gut aus, wie sie gern aussehen möchten.

Canepa steht mit einer Aktentasche unter dem Arm am Meer. Eine mutige Leistung wolle er diesmal sehen, «damit die da draussen wissen, wer der FC Zürich wirklich ist», sagt er und zeigt in Richtung der Neapolitaner, die auf dem Boulevard entlangspazieren.

Der Trainer Magnin bleibt im Stau stecken

Ob ein 0:2 allenfalls auch in Ordnung wäre,wenn der FCZ dafür spielerisch überzeuge, wird er gefragt. Seine Frau Heliane steht neben ihm und sagt fröhlich: «Ja, ja.» Ihr würde das genügen. «Nein, nein», meint Ancillo Canepa hingegen, das Resultat sei schon auch wichtig. Zumal der FCZ auch um das Uefa-Ranking spielt. Gewinnt Zürich gegen Napoli nicht mindestens einen Punkt, verliert die Schweiz Startplätze für die Europacup-Saison 2020/21.

Schliesslich steigen die Canepas zusammen mit dem Trainer Ludovic Magnin in eine Limousine. Sie werden von der Polizei zum Stadio San Paolo eskortiert, aber es nützt nicht viel. Der Verkehr stockt, und als sie an der russverschmierten Arena ankommen, sind sie verspätet. Die Pressekonferenz in einem engen Raum beginnt verzögert.

Die Canepas sitzen ganz am Rand, und als Magnin auf dem Podium sagt, sie müssten viel mehr Leidenschaft zeigen als vor einer Woche, nickt Ancillo Canepa heftig mit dem Kopf.

Vom Weiterkommen spricht niemand

Auf den Tag genau ein Jahr ist es an diesem Mittwoch her, dass Magnin zum Cheftrainer des FCZ befördert wurde. Ein 1:3 aus einem Hinspiel zum Verschwinden zu bringen, das habe er als Jungcoach natürlich noch nie geschafft, sagt er. Aber darum geht es auch gar nicht.

Vom Weiterkommen spricht niemand, man sei «nicht verrückt». Das hatte Magnin vor einer Woche schon gesagt, und er wiederholt es auch jetzt wieder. In den letzten Monaten habe sich der FCZ in Europa ein gutes Image geschaffen, «aber mit dem letzten Spiel gegen Napoli haben wir es befleckt».

Wenn es gelinge, diese Flecken zu säubern, reise er zufrieden nach Zürich zurück. Die Zürcher werden jedoch sehr jung sein. Ohne den gesperrten Hekuran Kryeziu, den verletzten Antonio Marchesano und den nicht spielberechtigten Franzosen Grégory Sertic wird es Magnin mit einem unerfahrenen Mittelfeld versuchen. Ihm gefällt das. Auch der Trainer müsse mutig sein.

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