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Der FCZ und die Mission Titelverteidigung
Die Aktion Rüberschaukeln scheitert

Der FCZ-Trainer Magnin und Luzern-Coach Häberli nerven sich

Als der Schiedsrichter alle erlöste und die Partie abpfiff, schien es, als drehten sich die rund 10 000 Zuschauer im Letzigrund simultan vom Platz ab und gingen lautlos Richtung Ausgang. Selbst Thomas Häberli, der Trainer-Debütant im FC Luzern, blieb etwas unterkühlt. Er zeigte keine Jubelgesten.

Wenn jemand froh über dieses 1:1 hätte sein können, dann am ehesten er. Nach drei Niederlagen in Serie und der Freistellung des Trainers René Weiler hatte Häberli auswärts einen Punkt gewonnen, im ersten Spiel als Chefcoach eines Profi-Teams und nur drei Tage nach seinem Stellenantritt. Dennoch blickte er selbst bei der Pressekonferenz unerfüllt in den Raum. «Dass wir stumpf und zu wenig spritzig waren, das nervt mich», sagte Häberli.

Schlagbare Zürcher

Er ärgerte sich zu Recht. Der FCZ wäre für Luzern vielleicht sogar zu schlagen gewesen. Technische Klassenunterschiede gab es zwar schon. Das zeigte etwa Salim Khelifi mit seinem wuchtig-stupenden Freistoss unter die Latte nach nur 8 Minuten. In der Schlussphase hatten die Zürcher dann auch noch das 2:0 vergeben. Aber Überlegenheit sieht anders aus.

Man könnte nun die Europacup-Reise nach Neapel als Grund für die müde Performance herbeiziehen, wenn der FCZ-Trainer Ludovic Magnin nicht das halbe Team ausgewechselt hätte. Gegen Luzern standen im Vergleich zur Partie im San Paolo fünf neue Fussballer in der Startformation. Und je länger das Spiel dauerte, desto mehr verlagerte es sich in die Platzhälfte des FCZ. Als das Cornerverhältnis zu einem 6:1 für Luzern angewachsen war, lag etwas in der Luft. Sekunden später war es konkret. Luzerns Abwehrchef Lucas Alves verwertete den Eckball mit dem Kopf. Und kurz darauf hätte es für den FCZ ganz düster werden können: Ruben Vargas verfehlte das Siegtor ganz knapp.

Magnin hatte nach der Reisewoche ein routinierteres Team als auch schon aufgestellt. Er wollte, was ihm bisher nie gelungen ist: nach einem Europacup-Spiel gewinnen, einfach einen glanzlosen Sieg. «Aber das gelingt uns momentan nicht, das fehlt uns, um eine bessere Mannschaft zu sein», gab Magnin zu. Sein Team ist zu unbeständig, gefangen im Mittelmass. In Neapel hatte Magnin die Partie gegen Luzern, den Cup-Viertelfinal vom kommenden Donnerstag gegen Kriens und das nächste Meisterschaftsspiel gegen Lugano als wegweisend bezeichnet. Die erste Etappe ist misslungen.

Verblüffende Parallelen

So kommt es, dass nach fast genau einem Jahr mit Ludovic Magnin die Frage erlaubt ist, wie sehr sich der FCZ unter dem neuen Trainer entwickelt hat. Die nackten Zahlen zeigen dies nicht, die Parallelen zum Vorgänger Uli Forte sind verblüffend. Der FCZ entliess Forte Ende Februar 2018 nach 22 Runden und einem 1:1 gegen Luzern. An diesem Sonntag von Ende Februar 2019 spielte der FCZ in der 22. Runde wieder ein 1:1 gegen die Zentralschweizer. Magnin hat mit 29 Punkten gar drei Zähler weniger als Forte erzielt und ist einen Rang tiefer platziert, im vierten.

Für Magnin spricht, dass er Ehrgeiz und keine Genügsamkeit ausstrahlt, dass sein Fussball ambitioniert ist. «Wir haben zu viele Punkte liegen gelassen», sagte Magnin am Sonntag, «das genügt nicht unseren Ansprüchen.» Ihm würde nie einfallen, die Europa League als Ausrede zu nehmen. «Wir haben nie gejammert über die Dreifachbelastung und fangen auch jetzt nicht damit an», sagt er. Vielmehr wolle er alles dafür tun, diese auch nächstes Jahr zu haben. Also raus aus dem Mittelmass.

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