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Napoli - oder wenn eine Stadt vom Fussball träumt
Der FCZ und seine Georgier

Der neue wilde Kerl

Die Südkurve ist laut und unerschrocken, das weiss man, das zeigt sie seit Jahren. Dass ihre Mitglieder aber ebenso gerne Kinderbücher lesen, mag da eher überraschen. So handelte ihre riesige Choreografie beim Stadtderby von der Geschichte «Wo die wilden Kerle wohnen». Ein Kinderbuchklassiker über Max, einen kleinen Jungen, wild und laut, der mit einem Schiff ins Land reist, wo eben diese wilden Kerle wohnen. Max wird dort gar wegen seiner Unerschrockenheit zum König gekürt.

Es scheint, dass ein neuer Max nach Zürich gekommen ist, nicht mit dem Schiff, doch von weit her. Levan Charabadse aus Tiflis. Der 19-Jährige ist jung und unerschrocken. Wenn er mit dem Ball nach vorne stürmt, dann kennt er keine Furcht, nur den eigenen Mut. Das sieht manchmal ungestüm aus, manchmal auch risikobehaftet, doch vor allem ist er gefährlich.

Der König des Derby

Und weil dieser junge wie schnelle Georgier im Derby gar ein Tor schiesst, mit einem Distanzschuss an der Latte scheitert und dazu immer wieder stark verteidigt, ist er wohl gar der inoffizielle König dieses Derbys, sicher aber der Mann des Spiels.

Charabadse ist aber auch jemand, der nicht die Sprache seines neuen Reichs spricht. So muss der lettische Goalie Andris Vanins im Training übersetzen. Alain Nef nennt den linken Aussenverteidiger ruhig, auf dem Platz aber immer davon getrieben, nach vorne zu drängen. «Manchmal vergisst er noch die Defensive», sagt der 37-Jährige, taktisch könne er noch einiges lernen: «Doch er ist eine Bereicherung für uns.»

Max bekommt irgendwann im Land der wilden Kerle Heimweh - und reist nach Hause. Diese Gefahr besteht bei Charabadse in diesen Tagen nicht. Eher zieht er einmal weiter. Bis dahin telefoniert er regelmässig mit seiner Familie. Seine Mutter hat ihn auf das Waschen und Kochen vorbereitet, das klappe bisher ganz gut.

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