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Der SC Kriens wehrt sich gegen die Zwänge des Profifussballs – aber geht das überhaupt?

Als die Schweizer Fussballliga Anfang Jahr an einer Gala ihre besten Spieler auszeichnete, wurde auch Nico Siegrist auf die Bühne gebeten. Siegrist war der beste Torschütze der Challenge League, er spielt beim Aufsteiger SC Kriens. Der Moderator fragte ihn, was der Unterschied sei zu letzter Saison. Siegrist antwortete: «Nur die Gegner eigentlich. Wir trainieren immer noch um halb sieben am Abend.»

Nur die Gegner eigentlich, sonst hat sich wenig verändert im SC Kriens. Er ist noch immer ein Amateurklub, die Spieler verdienen zu wenig, um davon zu leben – sie arbeiten nebenher, rund ein Drittel von ihnen Vollzeit. Nur tun sie das jetzt in der Challenge League. Und die ist offiziell eine Profiliga.

«Bist du happy?», fragte der Moderator Siegrist an der Gala. «Ja, mir gefällt es, es ist ganz cool.»

Der SC Kriens versucht sich gerade zu wehren gegen die Zwänge des Profifussballs. Aber wie lange geht das gut?

Nicht um jeden Preis

Ein Montag nach Feierabend, Werner Baumgartner sitzt in der Stadionbeiz, gleich trotten die ersten Spieler Richtung Kabine. Gleich muss Baumgartner selber los, ein Fasnachtsanlass, Haxen essen. An der Wand hängt ein Plakat: «Rüüdige Luzerner 2018, Werner Baumgartner», den Titel vergibt jedes Jahr ein Lokalradio. An einer anderen Wand steht: «Unser Kleinfeld, dein Werk – danke, Werni Baumgartner».

Baumgartner ist in der Nähe des Kleinfelds aufgewachsen, seit 2013 ist er der Präsident des SC Kriens. Im Sommer eröffnete Kriens das neue Stadion, Platz für 3200 Zuschauer, teilweise durch Crowdfunding finanziert; es war gerade rechtzeitig zum Aufstieg in die Challenge League fertig. Die Krienser stecken seit Anfang Saison im Abstiegskampf. «Wir wollen auf jeden Fall in dieser Liga bleiben», sagt Baumgartner, «aber nicht um jeden Preis.» Der Preis wäre, so zu werden wie die anderen Klubs.

Die Geschichte der Krienser wiederholt sich. 1997 stieg der SCK in die Nationalliga A auf. Auch damals war er ein Amateurklub unter Profivereinen, schon damals schien er aus der Zeit gefallen. Da war Romain Crevoisier, 32, Goalie und Plattenleger. Da war Lucio Esposito, 30, ein Stürmer, der in der Druckerei arbeitete. Da war Jean-Daniel Gross, 31, Captain und Bankangestellter, er sagte damals dem «Magazin»: «Jeder bereitet sich so vor, wie er es für richtig hält. Der eine lässt sich massieren, der andere raucht noch eine Zigarette.» Das «Magazin» schrieb eine elfseitige Reportage, darin stand, dies werde das Jahr, in welchem die Amateurfussballer des SC Kriens den Profifussball lächerlich machten. Ende Saison stieg der SC Kriens ab.

Heute heissen die Krienser Spieler Nico Siegrist, 27, Stürmer und Sportlehrer. Oder Daniel Fanger, 30, der Captain, der für die Marketing AG des Weltskiverbandes FIS arbeitet. Im Winter ist er manchmal irgendwo an einem Skirennen, dann müssen die Kollegen ohne ihn spielen, zweimal sei das in dieser Saison passiert, sagt Fanger und wundert sich fast, dass es nicht häufiger war. Der Cup-Viertelfinal gegen den FC Zürich? Damit habe er sich noch nicht beschäftigt, sagt er in der Woche vor dem Match. Fanger hat gerade viel zu tun bei der Arbeit, «ich kann keine fünf Spieler der Zürcher nennen».

Der Präsident Baumgartner möchte, dass sein Klub etwas Besonderes ist. Nach den Heimspielen bleiben die Fans in der Beiz sitzen und trinken, manchmal kommen die Spieler und stehen an die Bar, manchmal auch hinter die Bar. Bald sollen auch Konzerte stattfinden. «Ich will Spieler, die sich mit dem Klub identifizieren, nicht solche, die nach dem Spiel mit Kopfhörern weglaufen», sagt Baumgartner. Er wäre gerne ein FC Thun der Challenge League, vernünftig, sympathisch. Kriens hat keinen Mäzen. Baumgartner ist Jurist, er besitzt ein Immobilien-Planungsbüro. Ihm gehe es finanziell gut, aber Millionär sei er nicht, sagt er. Manchmal, wenn im Klub das Geld knapp ist, schiesst er ein paar tausend Franken vor, aber die will er wieder zurück.

Keine Erholung

Wie lange geht das gut? Seit der Rückrunde trainiert der Klub einmal wöchentlich schon um 17 Uhr, nicht erst um halb sieben. Damit mehr Zeit zur Erholung bleibt.

Dominic Schilling, 30, Mittelfeldspieler, arbeitet bei einer Versicherung. Bis im Winter spielte er in Kriens, dann wurde ihm alles zu viel. «Ich war nonstop unter Strom», sagt er. Um 7 Uhr bei der Arbeit, um 18 Uhr in der Kabine, um 21 Uhr zu Hause, und das vier-, fünfmal pro Woche. «Mit der Zeit war ich mental müde. Denn im Geschäft musst du ja auch die Leistung bringen. Und der Job ist die Zukunft, nicht der Fussball.» Die Jüngeren in Kriens träumen noch vom Leben als Fussballprofi, sie arbeiten Teilzeit oder wohnen zu Hause. Schilling spielt jetzt in der 1. Liga. «Eine solche Saison in der Challenge League ist möglich, höchstens zwei», sagt Schilling, «aber Kriens muss sich entscheiden: Was will man? Der Klub verliert gerade etwas.»

Im Klub gibt es schon solche, die professioneller werden wollen. Im Winter hat der SCK für den Abstiegskampf junge Spieler ausgeliehen vom FCZ, von GC, es sind Profis, sie werden Ende Saison wieder weg sein. Durchlauferhitzer für die Talente der Super League – das sind viele Challenge-League-Klubs. «Wir stehen jetzt an einer Kante», sagt Daniel Fanger. «Gehen wir nach links und werden professioneller? Oder gehen wir nach rechts und bleiben ein Amateurklub? Dann wäre es einfach, eine Familie zu bleiben.»

Für einen Klub wie den SC Kriens ist im Schweizer Fussball offiziell kein Platz vorgesehen: Er hat ein Challenge-League-Stadion, aber einen Profibetrieb kann er nicht finanzieren. «Ich frage mich, ob die Liga sich nicht uns anpassen sollte, statt wir uns der Liga», sagt Werner Baumgartner. In den vergangenen sechs Jahren gab es in der Challenge League nur einmal einen sportlichen Absteiger, fünfmal musste ein Klub aufgeben und sich zurückziehen. «Ich glaube, die Realität ist näher bei uns», sagt Baumgartner, «ich glaube, die Alternativen zum SC Kriens sind weniger gut für die Liga und für den Fussball.» Die Liga beobachtet, wie sich die Krienser schlagen, sie nennt die Challenge League in offiziellen Papieren «Profiliga», stört sich aber nicht grundsätzlich am Krienser Modell. Solange Junge zum Einsatz kommen, solange sie auch einmal ein Zusatztraining am Mittag haben – solange nicht einfach ein paar Desperados Feierabendfussball spielen. Aber bei der Liga heisst es auch, dass sich in Kriens etwas ändern müsse, wolle sich der Klub in der Challenge League etablieren.

Der Präsident Baumgartner weiss das auch. Er möchte nächste Saison mehr Halbprofis im Kader haben, aber das ist teuer. Kürzlich schrieb ihm einer, er wolle den SC Kriens kaufen. Baumgartner sagte ab. Er findet, er hätte damit den Klub verraten.

Der Captain Fanger weiss noch nicht, ob er im Sommer weitermacht. Er war schon einmal Fussballprofi, zwei Jahre lang, jetzt ist er Marketing-Mitarbeiter, «das ist jetzt wichtiger, das ist mein Standbein». Würde der Klub um 16 Uhr trainieren, könnte Fanger nicht mehr ins Training, so früh will er nicht gehen von der Arbeit. Baumgartner sagt, es brauche die richtigen Typen im Team, Typen wie Fanger. Durchschnittlich kommen rund 1500 Fans zu den Krienser Heimspielen. Sie kommen auch, weil sie die Spieler mögen, weil die Spieler nach dem Match noch am Tresen stehen. Baumgartner hofft, dass sie weiter solche Spieler finden. Sonst werde es schwierig, in der Challenge League. «Aber lieber spiele ich eine Liga tiefer», sagt Baumgartner, «als dass wir unseren Weg verlassen und eine schlechte Stimmung haben im Verein.»

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