Eine Nummer zu klein
Der Trainer Ancelotti ist Napolis Star. Aufgewachsen ist er so, wie man es aus den Don-Camillo-und-Peppone-Filmen kennt. Wie wurde er zum Welttrainer? Eine Spurensuche

Der Vulkan Magnin bereitet sich auf die Explosion vor

Die Farbe im Gesicht ist am Mittwoch rosa und Ludovic Magnin gelassen wie ein Zen-Meister. Er sei nicht nervös, sagt der FCZ-Trainer am Tag vor dem Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals gegen Neapel. Aber er weiss: Im Innern braut sich etwas zusammen. «Morgen wird die Spannung steigen», sagt Magnin. So sei es immer gewesen, auch als Spieler. «Und das mag ich.»

Am Donnerstag wird die Farbe dunkler sein, lavarot, so die Prognose. Magnin kann schon in einem gewöhnlichen Match Feuer speien. Und erst recht in einem solchen, wie er ihm nun bevorsteht. Einmal hat er gesagt, er sei ein Mann für die grossen Spiele. Er präzisierte am Mittwoch zwar, dass jene Aussage aus dem Kontext gegriffen wurde. Aber ja, er möge solche Partien. Diese gegen die Süditaliener sei definitiv seine bisher wichtigste als Trainer.

24:551 Millionen

Man merkt Magnin an, dass er sich in dieser Umgebung wohl fühlt. Als er den Medienraum betritt und die vielen Schweizer und die noch zahlreicheren italienischen Journalisten sieht, sagt er etwas Ähnliches wie: «Endlich mal.» Dann überrascht er alle, indem er unverkrampft die Fragen der angereisten Reporter in ganz passablem Italienisch beantwortet – auch wenn er bloss eine Saison lang in Lugano spielte, und das vor bald 20 Jahren. Er ist im Element und so unbefangen, dass er die deutsche Wendung «die Kirche im Dorf lassen» gleich wörtlich übersetzt.

Die «chiesa nel villaggio» verstanden wohl nur die Bilingues im Raum, aber sein Gedanke kam trotzdem an. Magnin wollte damit klarmachen, wie gross der Unterschied zwischen seiner Mannschaft und derjenigen Napolis ist. Er hat auf der Website «Transfermarkt» recherchiert. Seine Spieler sind rund 24 Millionen Euro wert. Diejenigen Napolis 551.

Die Zürcher zählen zu den Jüngsten in der Schweizer Super League, nur GC hat weniger Erfahrung. Und wenn nun ein Spitzenteam aus der Serie A anreist, sinken die Chancen auf ein positives Resultat gegen null. Die Überlegenheit der Gäste ist erdrückend. Theoretisch.

Grinta als Chance

Natürlich darf Magnin seine Spieler nicht kleinreden. Ein Gegner wie Napoli komme für sein junges Team nicht zu früh. «Wenn wir diesen Sechzehntelfinal bekommen haben, dann heisst es, dass wir dazu bereit sind.» Seine Spieler seien dazu fähig, auch grosse Mannschaften zu schlagen. Gegen Leverkusen war das in der Gruppenphase der Fall.

Bei aller Selbstsicherheit transportieren Magnins Worte aber auch Demut. Die grossen Affichen gefallen ihm nicht aus Überheblichkeit. «Ich mag das Gefühl, der Kleine zu sein», sagt er. Wehe dem, der einen ruhenden Vulkan unterschätzt. Der FCZ hat diese Rolle schon einige Male ausprobiert. Auch wenn die Konstanz in diesem knappen Jahr unter Magnin fehlte und das Team noch nicht richtig explodiert ist: Für «big points» wie den Cup-Sieg gegen YB oder wie in der Europa League gegen Bayer war es immerhin bereit. «Technisch und taktisch ist Napoli weiter als wir», sagt Magnin. Dieser Aspekt sei auch gar nicht wichtig. In einer derartigen Partie könne der FCZ nur mit Spirit bestehen, mit dem Willen, über die eigenen Grenzen hinauszugehen. Bei vollem Stadion mit rund 24 000 Zuschauern, wie es am Donnerstag der Fall sein wird, sei das einfacher. In Magnin brodelt es. Aber nicht jeder Vulkan bricht aus.

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