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«Erwarten Sie Hurrafussball von uns?»
Auch 45 Minuten in Überzahl bringen dem FCZ nichts

Die Krise ist Tatsache – der FCZ verliert zu Hause gegen Lugano 0:1

Am Ende war die Not des FC Zürich so gross, dass Alain Nef mit seinen 37 Jahren noch eine kleine Umschulung machen musste, vom Verteidiger zum Mittelstürmer. Es war kein eigentlicher Plan des Trainers Ludovic Magnin, den grossgewachsenen Nef zehn Minuten vor Schluss wie einen Wolkenkratzer im Strafraum zu platzieren. Magnin tat einfach das, was man früher instinktiv auch auf dem Schulhausplatz getan hatte: den Grössten ganz nach vorne zu stellen – und dann auf etwas Gutes zu hoffen.

Und kurz vor Schluss traf Nef tatsächlich per Kopf ins Tor. Es war eine Fifty-fifty-Entscheidung des Schiedsrichters, als er auf Abseits entschied. Früher hätte der FCZ die Gelegenheit vielleicht benutzt, sich zu beklagen, er sei ungerecht behandelt worden und habe dieses Spiel auch deshalb verloren. Aber das tat niemand, nicht nach dieser Partie, in der die Zürcher eine Halbzeit lang in Überzahl hatten spielen dürfen. Und vor allem nicht nach diesen ernüchternden letzten Tagen und Wochen. Vielleicht ist es für den FC Zürich gar nicht schlecht, hat er diese Partie gegen Lugano 0:1 verloren, die Niederlage hat seine Krise so richtig sichtbar werden lassen. Der FCZ war an diesem Nachmittag nicht schlechter als die Tessiner, der FCZ habe «ordentlich Fussball gespielt», meinte Magnin, und sein Team hatte auch mehrere Chancen, den Rückstand nach dem Treffer Alexander Gerndts auszugleichen.

Aber ein Remis hätte wohl bloss die Erkenntnis verzögert, die jetzt endgültig Tatsache ist: Das Tief hat die Zürcher erfasst, und es ist nicht bloss eine Resultat-Krise, sondern Ausdruck fussballerischer Mängel. Lange hatte sich das Verhängnis bloss angeschlichen, aber im Rückblick hat es sich bereits länger angedeutet, eigentlich seit dem letzten Herbst. Seit Ende September konnte der FCZ in der Meisterschaft bloss drei Spiele gewinnen. Dass er immer mehr abrutscht, hat sich erst verzögert in den Köpfen festgesetzt.

Es ist die erste wirklich schwierige Bewährungsprobe des Trainers Ludovic Magnin als FCZ-Coach, sein Ruf bekommt gerade erste Risse. Zum ersten Mal waren die Pfiffe im Stadion lauter als das stille Verständnis für diesen jungen Trainer und dessen Mannschaft. Vielleicht ist es wirklich so, wie Magnin sagt, dass es sich um ein normales Auf und Ab handelt, wie es jeder Mannschaft passieren kann. «Andere Mannschaften hätten gerne eine solche Krise», sagte Magnin. Aber am Ende bleibt der Eindruck, dass er sein Team in den letzten Monaten nicht weiterentwickelt hat, dass es in der Meisterschaft im Mittelmass gefangen ist, so wie vor ihm auch schon.

Magnin ist oft schonungslos ehrlich, wenn er seine Spieler kritisiert. Aber auch er muss sich die Frage gefallen lassen, was das alles mit ihm zu tun hat und wie er sich, sein Coaching und sein Verhalten an der Seitenlinie anpassen müsste, um dem Team zu helfen. «Unsere Ansprüche sind ganz anders als die Ergebnisse, die wir erreichen», sagte Magnin. In der Winterpause hatte er den 2. Rang angreifen wollen, jetzt ist der FCZ dem Abstiegsplatz näher als eben diesem Platz 2. Vor dem Rückspiel in Neapel hatte Magnin gesagt, die nächsten zehn Tage seien wegweisend für diese Saison. Wenn das stimmt, lässt die Richtung, die der FCZ in ebendieser Zeit eingeschlagen hat, wenig Gutes erahnen. Noch ist es zu früh, das Experiment mit dem Jungtrainer Magnin für gescheitert zu erklären. Aber zuletzt ist die Aussicht auf einen Platz im Europacup in Gefahr geraten. Diese Entwicklung hat noch jedem Trainer im FCZ das Leben schwergemacht. Der Präsident Ancillo Canepa hat immer dann reagiert, wenn das internationale Geschäft aus dem Blick zu verschwinden drohte.

Noch ist es nicht so weit. Der FCZ kann sich sowohl über die Meisterschaft als auch über den Cup weiterhin für Europa qualifizieren. Und ganz unbeteiligt am Stillstand des FCZ ist die Vereinsführung nicht. Die Abgänge der Stürmer Michael Frey und Raphael Dwamena wurden nie angemessen ausgeglichen, und inzwischen hat sich auch beim Sportchef Thomas Bickel die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur ein erhöhter Geldeinsatz auf dem Transfermarkt einen Qualitätssprung erlaubt.

Was mit seinen Spielern los sei, sei ja deutlich zu erkennen, «das ist so gross wie ein Elefant», sagte Magnin. Er erklärte aber nicht, worum es sich seines Erachtens handle. Und vor allem: Magnin verriet auch nicht, wie man diesen Elefanten zum Verschwinden bringt.

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