Der FC Zürich muss sich bereits wieder fragen: Wer sind wir?
Der FC Zürich kassiert gegen den FC Sion eine unmögliche Niederlage

Dummheiten und das gequälte Lächeln

Es sind Momente, in denen die Dusche ganz besonders lockt. Die Abgeschiedenheit der Kabine, jenes Refugiums, in dem nicht noch von Halb- oder Ganzfremden Fragen gestellt werden, deren Beantwortung auch bei bestem Willen nur unzureichend ausfallen könnte.

Darum nahmen auch die meisten Spieler des FC Zürich am Samstagabend im Tourbillon kurz vor 21 Uhr die «direttissima» in die Garderobe. Denn dieses 1:3 gegen den FC Sion, es war ärgerlich in jeder Hinsicht.

Es ist das Los eines Captains, dass er in solchen Situationen trotzdem hinstehen muss. Er glaube nicht, dass die Fehleranhäufung mit mangelnder Abstimmung oder fehlender Erfahrung zu erklären sei, sagte Yanick Brecher: «Hart ausgedrückt, war es einfach Dummheit.»

Brechers Mitschuld

Sion hätte nach zehn Minuten 2:0 führen können. Den Doppelschlag verhinderte Brecher gegen den durchgebrochenen Toma, beim Führungstreffer war er aber mitschuldig gewesen. Er schätzte den Ball von Lenjani falsch ein, und schliesslich senkte sich die eigentlich zu kurze Flanke hinter ihm ins Netz. Die tief stehende Sonne sei keine Entschuldigung: «Ich war dran, ich muss den Ball rauslenken können.»

Brecher konnte nicht ahnen, dass weit gravierendere Fehler folgen würden. Der Penalty beim Stand von 1:1, den der frisch verheiratete und kurz vorher eingewechselte Benjamin Kololli an den Aussenpfosten setzte, vor allem aber die defensiven Schnitzer danach. Lewan Charabadses Rückpass fast von der Mittellinie etwa, der statt bei Brecher weit entfernt im Out landete. Oder die Abwehrarbeit beim anschliessenden Eckball, als der FCZ am ersten Pfosten nicht klären und Pajtim Kasami freistehend das 2:1 erzielen konnte.

Derselbe Offensivmann sagte noch einmal «merci», als Zürich wenig später in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor und er nach einem Konter zum 3:1 traf. «Das sind Anfängerfehler auf diesem Niveau», bilanzierte Brecher. Die Tatsache, dass der FCZ beide Tore in Überzahl kassierte - Sions Abdellaoui hatte nach dem Penalty-Entscheid dem Schiedsrichter ironisch applaudiert und sah Gelb-Rot -, dürfte zur schonungslosen Analyse beigetragen haben.

Dass sich Aussergewöhnliches zugetragen haben musste, verriet auch das gequälte Lächeln von Zürichs Sportchef Thomas Bickel: «Wir dürfen nie verlieren, wir hatten alle Vorteile auf unserer Seite. Schon in der Pause hätten wir führen müssen.»

«Dann wirst du bestraft»

Tatsächlich hatte der FCZ auf den Fehlstart gut reagiert, zuerst mit dem Ausgleich per Kopf durch Mimoun Mahi, dann mit deutlicher Überlegenheit. Gerade der Neuzugang aus Marokko zeigte gute Ansätze, auch der Slowene Dennis Popovic war bemüht, Konstruktives zu kreieren, die paar Aussetzer waren aber teuer. «Wenn du ein-, zweimal nicht aufpasst, wirst du bestraft», sagte Bickel, «wir müssen die Disziplin und Konzentration über 90 Minuten hochhalten.»

Es sei noch kein Sechspunktespiel, hatte Ludovic Magnin am Freitag gesagt. In einer Woche ist das anders: Die Heimspiele innert drei Tagen gegen Neuchâtel Xamax und St. Gallen dürften kursweisend sein für Mannschaft und Trainer. «Ich bin überzeugt, dass unsere Qualität besser ist als unser Punktestand», sagte Bickel, «aber wir müssen jetzt vorsichtig sein.» Das Lächeln, es war immer noch gequält.

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