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Der Mann mit den Spaghettibeinen
Sauerstoff für den angeschlagenen FC Zürich

Ein Hauch von Versöhnung

Irgendwann hielt es Ancillo Canepa oben in seiner Loge nicht mehr aus, irgendwann reichte die Pfeife als Beruhigung nicht mehr. Der FCZ-Präsident stand auf, ging hinunter in die Garage des Letzigrunds, um mit Hund Kookie zwischen Autos und Parkfeldern Runden zu drehen. Oben auf dem Rasen spielte der FCZ gegen Sion, der Match war schon fast existenziell, er stand lange auf der Kippe - und Canepa konnte nicht mehr zusehen.

Zwischen Zuversicht und Angst liegt oftmals nur wenig, das spürte wohl auch der Präsident. Denn vor dem Spiel erreichten den FCZ gute und schlechte Nachrichten. Die gute: Xamax hatte gegen GC bloss unentschieden gespielt, mit einem Sieg könnte der FCZ den Abstand auf den Barrageplatz auf vier Punkte ausbauen. Die schlechte: Xamax hatte wieder einen Punkt geholt, deutlich mehr als zuletzt der FCZ, der holte in den vergangenen fünf Spielen insgesamt einen Punkt. Bloss einen.

Es musste also etwas geschehen. Und es geschah etwas. Der FCZ spielte Fussball, und in den Momenten, in dem das mit dem Fussball nicht so recht klappte, da kämpfte er. «Es ging um keinen Schönheitspreis», sagte Co-Trainer René van Eck zu den vielen langen Bällen, um anzufügen: «Wir sind hier nicht bei Germanys Next Topmodel.» Da hatte er natürlich recht. Die Versuchung, mit Schönheit und Glanz zu Punkten zu kommen, ist beim FCZ in den vergangenen Wochen dem Willen nach harter Arbeit gewichen. Ganz einfach sei es, sagte Van Eck seinen Spielern vor dem Spiel, wenn jeder seine Zweikämpfe gewinne, dann komme es gut.

Magnin sei ein «verwöhnter Goof», sagt Regierungsrätin

Van Eck durfte an der Seitenlinie stehen, weil sich sein Chef Ludovic Magnin im Cuphalbfinal an der Seitenlinie unflätig benommen hatte, einen «verwöhnten Goof» nannte ihn darauf Jacqueline Fehr, Zürcher Regierungsrätin und Justizdirektorin, die Liga fand Magnins Verhalten ähnlich tadelhaft und sperrte ihn.

Darum fröstelte Magnin oben in der Präsidentenloge und sah einen FCZ, der von Minute zu Minute stärker wurde. Es gab in der ersten Halbzeit eine Phase, in der er Sion einschnürte, dem Gegner die Luft nahm und praktisch jeden Zweikampf gewann. Doch das Tor wollte nicht fallen, und Sion kam plötzlich zu grossen Chancen. Zu viel für Canepas Nerven. Nicht aber für die Spieler. Sie suchten weiterhin das Tor, trafen die Latte oder schossen knapp vorbei. Bis Marchesano in der 69. Minute einen Eckball trat, Odey richtig stand und den Ball mit dem Kopf unter die Latte wuchtete.

Was für eine Erleichterung für die Menschen im Letzigrund. Endlich ein Tor, endlich eine Führung, eine Belohnung und etwas Glück. «Wir können wieder lachen», sagte Captain Kevin Rüegg nach dem Spiel. «Extrem wichtig», nannte Marco Schönbächler den Sieg. Er durfte seit langem wieder einmal von Anfang an spielen und wird es wohl auch wieder tun dürfen. Schönbächler überzeugte und bekam Szenenapplaus bei seiner Auswechslung. Er war platt.

Der FCZ hat sich durch den Sieg etwas mit der Welt versöhnt. Viel ist zuletzt gegen ihn gelaufen, vieles zu Unrecht, so jedenfalls die Meinung der Verantwortlichen. Sie dachten an die Schiedsrichter und sprachen das auch aus. Als «dünnhäutig» bezeichnete sie Canepa im «SonntagsBlick». Recht auf «freie Meinungsäusserung» nennt er das nach dem Spiel, es war aber auch das Bild schlechten Stils, das die FCZ-Leute damit präsentierten.

Was man dem Club zugutehalten muss: Er hat es in dieser schwierigen Situation geschafft, die selbstzerstörerischen Kräfte einer solchen Krise von sich fernzuhalten. Der Präsident sprach dem Trainer eine Arbeitsgarantie selbst für die Challenge League aus, die Mannschaft blieb gelassen, und auch die Fans leisteten ihren Beitrag. Sie besuchten zu Hunderten das Abschlusstraining am Samstag. In anderen Jahren war das auch schon eine unfriedliche Situation mit ausgesprochenen Drohungen gewesen. Diesmal aber wurde geklatscht und von den «guten und schlechten Zeiten» gesungen. Man halte zusammen, wollten die Fans sagen.

Canepa tauchte nach dem Spiel aus der Garage auf, er hatte das Siegtor wegen der Hunderunden verpasst, doch mit Genugtuung davon erfahren. Ob der FCZ nun gerettet sei? «Boppboppboppbopp», entfuhr es ihm, «noch ist alles möglich.» Auch den Sinn für die Realität haben sie beim FCZ nicht verloren.

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