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Der FCZ bezwingt Xamax auswärts 2:1 – und gewinnt wichtige Punkte im Abstiegskampf
Siebenkampf im Niemandsland

Eine wundersame Wende

Der FC Zürich spürt es gestern am eigenen Leib, wie kalt Neuenburg sein kann. Es regnet, es ist frostig - der erste Tag der Eisheiligen, Tag des Mamertus. Der Mann vollbrachte zu seiner Zeit wahre Wunder, Feuer soll der Erzbischof gestoppt haben, Dürren beseitigt und Krankheiten geheilt. Über 1500 Jahre später erfährt der FCZ eine ähnlich wundersame Wende.

Er liegt gegen Xamax, dem Aussenseiter und Aufsteiger, lange 0:1 zurück. Völlig verdient, denn der FCZ ist nicht im Spiel, und hat er denn Ball, dann verliert er sich im Klein-Klein. Die Nervosität und die Abstiegssorgen sind förmlich fassbar, 77 Minuten gelingt dem FCZ so wenig, dass einem für ihn bange wird vor den kommenden Tagen.

Doch dann naht diese 77. Minute. Assan Ceesay, der in diesen Tagen alles ist, aber kein treffsicherer Stürmer, setzt sich an der Seite durch und spielt den Ball in den Rücken der Abwehr. Kevin Rüegg rauscht heran und drückt ihn über die Linie. Sieben Minuten später kommt der Ball wieder von der Seite vor das Tor, wieder steht Rüegg da und schiesst ihn in die Ecke. Es ist die Wende, eine wundersame für den FCZ.

In sieben Minuten verändert sich für den FCZ die Welt. Akute Abstiegssorgen verwandeln sich in Freude und Euphorie. Aus hängenden Schultern werden aufrechte Torsos. Als «sehr wichtig» fasst Rüegg den Sieg zusammen. Er ist der Captain dieser Mannschaft, führt aber seine Kollegen meist nur spielerisch. Der 20-Jährige gilt nicht als Antreiber, sondern eher als schweigsamer Arbeiter.

Ganz anders Alain Nef: Je älter und langsamer er wird, desto bedeutungsvoller scheint er für diese Mannschaft, der ein echter Chef fehlt. Nef ist es, der dem Spiel Emotionen zuführt, der seine Kollegen antreibt, der die Gegner zurechtweist. «Ich habe immer daran geglaubt», sagt er nach dem Spiel, und als ob er allfällige Zweifel daran spürt, zieht er eine Analogie zur vergangenen Woche. «Die Spiele in der Champions League und der Europa League haben doch gezeigt, dass man nie aufgeben darf.»

So sprechen die Zürcher nach dem Spiel vom Charakter, von der Mentalität und der Moral. Alles intakt. Natürlich ist es positiv, dass die Mannschaft in dieser Lage nicht einbricht - trotzdem darf man sich fragen, weshalb bei so viel Tugenden 77 Minuten lang so wenig kommt. Benjamin Kololli? Liederlich. Marco Schönbächler? Unauffällig. Assan Ceesay? Eben Assan Ceesay.

Die Maladière als Pulverfass und Stolperstein

Xamax hingegen weiss mit dem Abstiegskampf umzugehen, da ist keine Schönspielerei und kein Schnörkel, da spielen elf Männer rustikalen Fussball aus einer von Trainer Stéphane Henchoz geprägten Defensive.

So wird das Schatzkistchen Maladière immer mehr zu einem Pulverfass. Die Emotionen schwappen auf das Publikum über, jeder Zweikampf wird zum Aufschrei der Neuenburger, jeder Angriff zu einem Moment der Hoffnung. Es ist laut. Und als FCZ-Verteidiger Andreas Maxsö auf dem Kunstrasen ausgleitet, kann Pululu - ein Stürmer, den der FCZ in dieser Stärke nicht hat - aufs Tor ziehen und den Ball querlegen auf Kemal Ademi - ebenfalls ein Stürmer, den der FCZ nicht hat. Dieser schiebt ein zum 1:0. Und nun explodiert das Pulverfass. Fans zünden Pyros und Rauchpetarden. Neuenburg brennt.

Der FC Zürich muss angreifen, doch es will ihm merklich wenig einfallen, auch weil ihm eben Stürmer wie Ademi und Pululu fehlen. Sportchef Thomas Bickel spricht nach dem Spiel davon, wie labil der FCZ in diesen Tagen sei. Diese Labilität sieht man auf dem Rasen. Neuenburg hätte in diesem Moment den FCZ in der Tabelle überholt, die Grasshoppers wären bei diesem Stand abgestiegen. Doch eben, es ist der Tag des Kevin Rüegg, Tag des Mamertus, Tag des Wunders.

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