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Wer gewinnt, erntet Kritik, wer verliert, Lob – oder wie war das nochmals?
Die Krise ist Tatsache – der FCZ verliert zu Hause gegen Lugano 0:1

«Erwarten Sie Hurrafussball von uns?»

Andris Vanins ist ein schweigsamer Mensch. Der Torhüter meidet Journalisten und spricht nur, wenn er muss. Also fast nie. Doch nun hat er sich öffentlich gemeldet - etwas muss geschehen sein.

Tatsächlich. Der FCZ krankt gerade an mannigfaltigen Defekten. Er holt zu wenige Punkte und schiesst zu wenige Tore. Die Körpersprache der Spieler ist geprägt von Schwermut. Der FCZ leidet an fussballerischer Inkonstanz. Die Spiele bestehen aus guten Momenten und längeren Phasen dürftigen Fussballs. Also schreibt Vanins auf Instagram: «Wir stecken in schwierigen Zeiten.» Und: «Das Glück ist nicht auf unserer Seite.» Man spiele nicht den «richtigen Fussball». Für einen Trainer mit einem modernen Konzept, als den sich Ludovic Magnin sieht, ist das nicht gut. Seit einem Jahr ist er nun im Amt. Er versprach Spektakel und Fortschritte. Das Versprechen ist ins Stocken geraten.

Herr Magnin, durchleben Sie schwierige Zeiten?

Wieso?

Die Resultate stimmen nicht.

Das ist richtig, das ist das erste Mal, dass wir Gegenwind spüren. Doch wir kennen die Gründe. Viele Dinge, die wir schlecht machen, sind korrigierbar. Das beruhigt.

Warum macht der FCZ keine Fortschritte?

Welche Fortschritte erwarten Sie?

Spielerische.

Das grösste Problem ist, dass viele in der Schweiz nie international gespielt haben. In dieser Phase muss man auch einmal 1:0 gewinnen. Wir hätten gegen Luzern 1:0 dreckig gewinnen müssen. Die Kritiken sind berechtigt, doch es ist auch wichtig, die Gründe zu benennen. Wir haben in gut 3 Wochen 8 Spiele gehabt. Erwarten Sie dann in diesen Wochen Hurrafussball von uns? Ich weiss nicht, ob das möglich ist, wenn man wie wir nicht rotieren kann. Was mich aber zuversichtlich stimmt: Diese Woche konnten wir endlich wieder einmal fünf Tage am Stück trainieren.

Magnin nimmt die Krise gelassen. Sein Vertrauen in sich und die Mannschaft ist gross. Ihm hilft die defensive Stärke seines Teams. Nur YB hat weniger Tore erhalten (21) als der FCZ mit 33. Und das, obwohl die Abwehrleute regelmässig ihre Stilsicherheit verlieren und zuletzt dumme Tore zugelassen haben.

Schwerwiegender ist da die Blockade vor dem Tor. Der FCZ hat in 23 Spielen 31 Treffer erzielt. Bloss 31. Nur GC (24) und Xamax (29) strahlen weniger Torgefahr aus. Salim Khelifi sagte jüngst nach einer Partie, man habe keine «Präsenz im Strafraum». Das trifft es ziemlich genau. Diese Präsenz ist abhandengekommen. Michael Frey und Raphael Dwamena verliessen im Sommer den Verein. Seither muss Magnin mit Odey und Ceesay auskommen.

Assan Ceesay ist ein Mann von grossem und hagerem Wuchs, schnell und laufstark. Doch er lebt mit einem Makel. Er hat in den vergangenen Spielen den bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ihm der Ball mit steter Regelmässigkeit in alle Richtungen verspringt. Sieht mässig gut aus. Schadet der Mannschaft. Kommt dazu, dass er zu viele Chancen vergibt und bislang erst dreimal getroffen hat.

Sturmkollege Stephen Odey durchlebt derweil ein Formtief - bei einem 21-Jährigen nichts Aussergewöhnliches. Doch bei mangelnden Alternativen trifft das einen Verein schwer. Auch weil gerade wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld kommt. Die Königstransfers um Benjamin Kololli und Hekuran Kryeziu sollten dem FCZ-Spiel Impulse geben, doch das wird zur Schwierigkeit, wenn man selbst ausser Form ist.

Herr Magnin, die Körpersprache des FCZ war zuletzt lustlos.

Das sehe ich anders als ihr Journalisten. Die Mannschaft will. Ich werde nie den Charakter der Spieler kritisieren, ich habe zu viel erlebt mit ihnen. Da schütze ich meine Mannschaft zu 100 Prozent. Aber momentan fehlt diese Frische, mental wie körperlich. Und wir verwerten die Chancen nicht.

Haben Sie ein Sturmproblem?

Was ist der Sturm? Für mich ist es immer ein Mannschaftsproblem, wenn man keine Tore schiesst. Wir haben zwar Chancen, möchten aber noch mehr kreieren. Es liegt nicht nur am Sturm, wir haben gerade eine Mannschaft, die nicht zu 100 Prozent funktioniert.

Stephen Odey ist ausser Form. Assan Ceesay fällt ab.

Ja, Assan verwertet gerade seine Chancen nicht. Doch wenn einer reingeht, dann kann alles anders sein. Ich erinnere mich an Miroslav Klose bei Bremen. Der hat drei Monate kein Tor erzielt, selbst im Training nicht. Plötzlich traf er - und war ein anderer Stürmer. Assan braucht Zeit und Wärme. Wir sind überzeugt von seinen Fähigkeiten.

Ein Jahr unter Magnin ist also vorbei, die Resultate sind mehr durchzogen als wunderbar.

Der FCZ (und Magnin) profitiert gerade davon, dass die anderen Clubs nicht viel besser sind. Auch wenn er in den letzten 16 Spielen nur dreimal gewann, ist der dritte Platz in Reichweite. Und: Dem anderen Zürcher Club geht es noch mieser, momentan ist er es, der die volle Ladung an kritischer Aufmerksamkeit abbekommt.

Hilft das? Magnin nickt.

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