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Der FCZ hat Hemmungen
Die seltsame Tradition des FC Zürich: Goaliefehler auf der grossen Bühne

Europa League: Napoli belebt sich mit der Hilfe des FC Zürich

In Neapel haben Symbole Gewicht, der Aberglaube hat es ebenso. Und wer unter den Tifosi schon an einen Fluch glaubte, der kann nach der Stippvisite in Zürich etwas aufatmen – selbst wenn ihr Gastgeber, der FC Zürich, ihre heissgeliebte Mannschaft viel zu wenig gefordert hat. 1:3, so das deutliche Verdikt. Weggehext ist die Pechsträhne, welche die Neapolitaner seit Dezember und vier Auswärtsspielen mit null Siegen und null Toren verfolgt hatte.

In Zürich traf Napoli wieder, gleich dreifach, mit Leichtigkeit, kombinierte sich zu Chancen, manchmal in schnell aufeinanderfolgenden Szenen. Bereits nach dem Hinspiel dieses Sechzehntelfinals der Europa League ist die Frage nach dem Teilnehmer an der nächsten Runde so gut wie beantwortet. Alles andere würde in einer Woche in Neapel einem Wunder des Stadtheiligen San Gennaro gleichkommen. Der FCZ müsste auswärts drei Tore schiessen, ohne einen Treffer zu kassieren.

Dass das Abenteuer Europa League für den FCZ an der Station Napoli enden könnte, war erwartbar. Zu gross sind die Unterschiede zwischen dem Schweizer Mittelfeldklub und dem europäischen Spitzenverein. Doch die Zürcher werden schlecht in den Schlaf finden. Sie müssen sich vorwerfen lassen, es ihren Gegnern doch etwas zu leicht gemacht zu haben. Neapel war zwar spielbestimmend, taktisch versierter. Aber nicht unwiderstehlich. Es war noch keine Viertelstunde vergangen, als den Neapolitanern das erste Tor eher in den Schoss fiel, als dass sie es selbst geschossen hätten.

Trauriges Lattenscheppern

Ein gewährtes Auswärtstor ist in der Regel schon eine Hypothek. Der FCZ liess zwei weitere Goals zu. Er deckte zu lasch, mit Distanz. Nach rund zwanzig Minuten war das Hinspiel vorentschieden, nach 77 dann vermutlich auch schon die Doppelbegegnung. Lorenzo Insigne, José Callejon und Piotr Zielinski hatten die Tore erzielt. Als kurz vor Schluss der Zürcher Benjamin Kololli einen Handspenalty mit einem lässigen Panenka-Heber verwertete, war die Hoffnung auf eine Wende schon am Schwinden. Sie hätte noch etwas steigen können, wäre Hekuran Kryezius Lattenschuss in der Nachspielzeit wenige Millimeter tiefer geflogen oder hätte Salim Khelifi den Nachschuss besser platziert. Das Scheppern der Latte hallte traurig durchs Letzigrund, wie ein Nachhall einer verpassten Gelegenheit.

Vielleicht wäre für dieses zeitweise mutige Jungteam des FCZ etwas mehr möglich gewesen. Es hatte sich trotz Rückstand in die Offensive getraut, es setzte, wie es der Trainer Ludovic Magnin im Vorfeld verlangt hatte, auf den Spirit. Doch ihm fehlten die Durchschlagskraft und defensiv das Rückgrat. In der Meisterschaft ist diesem FCZ schon oft das gewisse Etwas abgegangen. Es wurde offensichtlich, dass das Potenzial im internationalen Wettbewerb nicht weiter reicht, zumindest noch nicht – da müssen die jungen Fussballer dazulernen. Die neue Ära ist noch nicht angebrochen.

Insigne der neue Anführer

Für Napoli war es hingegen der definitive Beginn der Post-Hamsik-Zeit. Am Donnerstagabend wurde nach wochenlanger Telenovela der Transfer Marek Hamsiks nach China besiegelt. Napoli verlor damit nach zwölf Jahren seinen Rekordspieler und Rekordtorschützen – und den Captain dazu. Vielleicht war es eines dieser Zeichen, an das die Neapolitaner glaubten, als sie sich in Zürich im Hotel Renaissance einquartierten. Sie waren zuletzt in eine kleine Depression geraten. Aus in der Champions League, aus im Cup. Der neue Captain Lorenzo Insigne und bester Mann Napolis hatte am Mittwoch von einem Abstieg in die Europa League gesprochen – und dass er es satt habe, nichts mit seinem Herzensklub seiner Stadt zu gewinnen. Auch in der Serie A hinkt Napoli einmal mehr Juventus hinterher. Deshalb nimmt die Europa League eine wichtige Rolle für Neapel ein. Der Coach Carlo Ancelotti unterstrich das mit einer Aufstellung ohne zweite Garde. Der FC Zürich wird auch deshalb die Niederlage verkraften.

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