Der FCZ hofft auf die Zukunft, Luzern auch
Mit viel Mut in die Niederlage

FCZ-Trainer Ludovic Magnin: «Wir haben ein Versprechen für die Zukunft abgegeben»

Ludovic Magnin, wie beurteilen Sie die Leistung des FC Zürich nach dem 0:2 in Neapel?

Ich glaube, wir haben die Reaktion gezeigt, die von uns verlangt wurde. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die ein ganz anderes Gesicht zeigte als vor einer Woche. Wir haben gut ins Spiel gefunden. Die ersten zwanzig Minuten haben mir sehr gut gefallen. Danach ist Napoli aufgekommen, und wir mussten das erste Tor kurz vor der Halbzeit hinnehmen. Es war ein Tor, wie es nur einem Spieler auf hohem Niveau gelingt.

War Ihre Mannschaft nahe an einem Erfolg?

Wir hatten nach der Pause eine Gelegenheit mit Salim Khelifi. Wenn das 1:1 fällt, ändert sich das Spiel vielleicht. Wir hatten in den neunzig Minuten vielleicht eine oder zwei Torchancen. Die SSC Napoli hat gezeigt, dass sie klar die bessere Mannschaft war. Aber der Unterschied zwischen ihr und uns war kleiner als im Hinspiel.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Wir haben mit einer sehr jungen Mannschaft gespielt. Die Jungen haben mir heute Freude bereitet. Das ist sehr gut für die Zukunft des FC Zürich.

Sie kennen den internationalen Fussball gut. Was trauen Sie Napoli in der Europa League noch zu? Vielleicht auch im Vergleich mit dem deutschen Team Bayer Leverkusen, gegen das Ihre Mannschaft gewinnen konnte?

Es ist immer schwierig, die Mannschaften zu vergleichen. Aber ich glaube, Napoli ist reifer als Leverkusen. Napoli hat viel Erfahrung, und ich glaube wirklich, dass es den Wettbewerb gewinnen kann. Und eigentlich hoffe ich das auch. Denn dann könnten wir sagen, wir seien von jener Mannschaft rausgeworfen worden, die den Titel in der Europa League geholt hat.

Sie haben eine sehr mutige Aufstellung gewählt. Wie sehr waren Sie sich des Risikos bewusst?

Man kann als Trainer nicht mutige Spieler verlangen, wenn man selber nicht mutig ist. Ich wollte mit der Aufstellung den Spielern zeigen: «Der Trainer geht auf tutti. Er stellt offensiv auf, also bleibt uns nichts anderes übrig, als auch offensiv zu spielen.» Aber die Aufstellung war nicht entscheidend. Entscheidend war der Spirit.

Was nehmen Sie aus diesem Spiel für die Zukunft mit?

Nun folgen die vielleicht zehn wichtigsten Tage der Saison – mit zwei entscheidenden Meisterschaftsspielen und der Partie im Cup. Wir dürfen nun nicht zufrieden sein, wir müssen schlafen, gut essen und trinken. Damit wir den Kampf annehmen können.

Sie wollten mit dem Auftritt in Neapel die Flecken vom Image des FC Zürich aus dem Hinspiel reinigen. Ist das gelungen?

Das müssen andere beurteilen. Meiner Meinung nach verabschieden wir uns mit erhobenem Kopf aus der Europa League. Wir haben ein Versprechen für die Zukunft abgegeben. Ich kam auch als 17-Jähriger in den Profifussball. Ich weiss nicht, ob ich in diesem Alter schon so hätte spielen können wie unsere Jungen heute in Neapel. Das stimmt mich positiv. Wenn ich aber sachlich bleibe und heute nur den Fussball anschaue, war es am Ende ein Klassenunterschied.

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