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Der nächste Anlauf für den FC Zürich
Zwischen Kunst und Arbeit

FCSG heute gegen FCZ: Der Zürcher Trainer Ludovic Magnin will drei Punkte

Als sich vor 348 Tagen die Chance bot, zögerte Ludovic Magnin nicht. Natürlich hatte er Lust auf diesen Job, auf den Aufstieg beim FC Zürich von der U21 in die Super-League-Mannschaft. Und als er den ersten Auftritt hatte, sagte er:

«Ich will unberechenbar sein, ich will flexibel sein, ich will, dass keiner weiss, wie wir spielen.»

Magnin wurde Cheftrainer der Zürcher, die zwar auf Tabellenplatz drei lagen, in den Augen der Verantwortlichen in der Entwicklung aber trotz allem stagnierten. Magnin versprach damals noch: «Die Mannschaft wird wieder besser.»

Und was ist daraus geworden? Magnin hat als Highlight den Cupsieg 2018 vorzuweisen. Er hat in dieser Saison mit seinen Spielern die Gruppenphase der Europa League erfolgreich hinter sich gebracht und mit Napoli im Sechzehntelfinal einen Gegner zugelost erhalten, der für ein ausverkauftes Letzigrund-Stadion sorgen wird. Im Cup ist der FC Zürich auf Kurs und hat die vorzügliche Chance, im Heimspiel gegen den Challenge-League-Verein Kriens den Halbfinal zu erreichen. Und doch gibt es selbstkritische Töne, wenn Magnin gerade auf die Monate seit letztem Sommer zurückblickt: «Wir haben in der Meisterschaft zu wenig Punkte geholt.»

Zürich ist Schwankungen unterworfen

25 Punkte sind es nun nach 18 Runden. Macht Platz vier. Aber der Vorsprung auf Barrageplatz neun beträgt nur acht Zähler. Es gab in der ersten Saisonhälfte eine Phase mit neun Spielen ohne Niederlage; die Serie riss beim 2:3 in St. Gallen. Aber es gab eben auch Auftritte wie etwa zum Abschluss des Jahres gegen Lugano, dieses trostlose 0:0. Oder um es in den Worten von Magnin zu formulieren: «Es war sehr langweilig, das brauchen wir nicht schönzureden.» Überhaupt fiel auf, dass der FC Zürich im November und Dezember Mühe bekundete. Aus den vergangenen acht Pflichtspielen resultierte nur noch ein Sieg. Dem 39-jährigen Coach missfiel das zwar, und doch sind die Schwankungen für ihn nicht überraschend. Er verweist auf die Breite des Kaders und sagt:

«Ich kann nicht erwarten, dass sich jeder Spieler in allen Wettbewerben stets auf konstant hohem Niveau bewegt.»

Leben muss er damit, dass gewichtige Transfers im Winter nicht möglich waren. «Der grosse Coup liess sich nicht umsetzen», sagt Sportchef Thomas Bickel. Immerhin haben die Mittel aber gereicht, um zwei Aussenverteidiger zu verpflichten: Mit dem bald 25-jährigen Joel Untersee kehrt ein früherer Junior leihweise bis Ende Saison zurück, der erst 19-jährige Georgier Levan Kharabadze gilt als Versprechen für die Zukunft. Geholt wurde zudem der 19-jährige argentinische Stürmer Nicolas Andereggen, der auch den Schweizer Pass besitzt. Das Talent soll aber behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden und zunächst in der U21 Praxis sammeln.

Gleichzeitig ging der Captain. Für den Isländer Victor Palsson ist Darmstadt in der 2. Bundes­liga offensichtlich reizvoller als Zürich in der Super League. Ausserdem verabschiedete sich Roberto Rodriguez Richtung Deutschland: Er unterschrieb bei Uerdingen – in der 3. Bundesliga.

Kevin Rüegg, der neue Captain

Das ändert nichts daran, dass sich die Zürcher hinter den Young Boys und Basel als dritte Kraft im nationalen Geschäft etablieren wollen. «Platz drei ist in dieser Saison das Mindestziel», sagt ­Bickel, «wir sehen keinen Anlass, es zu revidieren.» Magnin nickt zustimmend und geht selbstbewusst voran: «Wir haben Fortschritte in der Offensive gemacht und werden das auch zeigen.» Und: «Ich verlange von meinen Spielern, dass sie in der Lage sind, verschiedene Strategien zu beherrschen.» Der Chef auf dem Platz heisst nun nicht mehr Palsson, sondern Kevin Rüegg, der mit gerade einmal 20 Jahren zum Captain befördert worden ist. Magnin erklärt das mit dessen Einstellung zum Beruf und der Ausrichtung des Vereins: «Der FC Zürich setzt auf die Jungen.»

Grundsätzlich strahlt der Coach nach der Vorbereitung Zuversicht aus. Allerdings stört ihn etwas: dass der bevorstehende Europa-League-Sechzehntelfinal gegen Napoli das dominierende Thema ist.

«So schön diese Partien für uns werden: Es bereitet mir schon etwas Sorgen, dass seit langem jeder nur noch davon spricht.»

Er wünscht sich volle Aufmerksamkeit auf den Alltag, auf diesen Sonntag, auf den Match in St.Gallen. Nicht vergessen hat er das 2:3 vom Oktober, in Erinnerung geblieben sind ihm zudem Spiele, die er als Aktiver im Espenmoos bestritt «und selten Erfolg hatte». Aus der Vergangenheit kehrt er in die Gegenwart zurück und sagt: «Es wird Zeit, dass sich etwas ändert und wir am Sonntagabend mit einem guten Gefühl aus St.Gallen nach Hause fahren.»

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